Die Homo-Ehe ist ein Thema, das die Politiker spaltet. Dies zeigte das Interview mit der Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli und Juso-Co-Präsident Nils Jocher vom Montag. Während Jocher für die gleichgeschlechtliche Ehe ist, äusserte sich Müller-Kaderli klar gegen die Homo-Ehe: Ihrer Meinung nach sei die eingetragene Partnerschaft ein ausreichender Schritt.  

Müller-Kaderlis Haltung löste einige Reaktionen aus, exponierte sie sich mit ihrer Aussage doch stark. In einer Umfrage wollte die bz wissen, wie andere Baselbieter Parteipräsidenten die Meinung von Müller-Kaderli einschätzen und wie sie zur Homo-Ehe stehen. 

Paul Hofer – Präsident FDP Baselland

«Ich bin in Bezug auf die "Ehe für alle" liberal eingestellt. Für mich spielt es also keine Rolle, welche Konstellation die Ehe hat, sei dies Mann-Frau, Frau-Frau oder Mann-Mann. In der heutigen Zeit sind alle Eheformen normal und werden entsprechend akzeptiert. Ich kenne selber Personen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und ich habe ein gutes zwischenmenschliches Verhältnis mit ihnen. Dass sich Brigitte Müller-Kaderli gegen die Homo-Ehe äussert, möchte ich nicht kritisieren. Jeder und jede darf seine persönliche Meinung haben und diese offen kundtun. Die eigene Meinung verrät aber einiges über die Weltanschauung eines Menschen.»

Oskar Kämpfer – Präsident SVP Baselland 

«In der Schweiz haben wir gesetzliche Grundlagen, welche die akzeptieren Partnerschaftsformen regeln. Auch die gleichgeschlechtliche Partnerschaft wird gesetzlich festgehalten. Gesellschaftlich gesehen, scheint das klassische Familienmodell aber am besten akzeptiert zu sein. Auch wir sehen das klassische Familien-Modell als das Beste an. Wir akzeptieren aber auch andere, gesetzlich geregelte Familienformen. Die Aussage von Brigitte Müller-Kaderli, dass die eingetragene Partnerschaft ausreicht, repräsentiert nicht nur ihre Ansicht, sondern der Grossteil der CVP teilt diese Meinung. Ich denke also nicht, dass sich Müller-Kaderli mit diesem Statement zu weit aus dem Fenster gelehnt hat.»

Bálint Csontos – Präsident Grüne Baselland

«Gleichberechtigung bedeutet grundsätzlich, dass alle Menschen dieselben Rechte und Chancen haben. Die Aussage von Brigitte Müller-Kaderli, dass eine eingetragene Partnerschaft ausreiche, kommt ziemlich scheinheilig daher. Entweder können alle heiraten oder nicht, nur das ist Gleichberechtigung. Offenbar scheint die Homo-Ehe gerade ein Thema zu sein, sodass sich auch die CVP dazu äussern will. Jedoch geht Müller-Kaderli nur soweit, dass sie nicht zu stark bei ihrer Klientel aneckt. Eine eingehende Beschäftigung mit der Thematik hat anscheinend nicht stattgefunden.»

Adil Koller – Präsident SP Baselland

«Ich bin für die Ehe für alle. Wir leben im Jahr 2018! Die Ehe soll allen Leuten offen stehen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. In einer fortschrittlichen Gesellschaft sollten alle die Möglichkeit haben, so zu leben, wie sie es möchten. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Die konservative Haltung der CVP-Präsidentin ist diskriminierend und ein Affront gegenüber vielen Menschen.»