Die gelernte Krankenschwester, Patricia Löw, meldete sich damals bei Médecins Sans Frontières (MSF) und leistete seither mehrere Einsätze in Kamerun und im Niger. Vom Letzten, bei dem sie in Kamerun Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik betreute, kam sie erst vor wenigen Tagen zurück.

Zu ihrer Motivation sagt Löw: «Mich fasziniert, Menschen in Not medizinisch helfen zu können. Ich wollte das schon als Teenager. Den endgültigen Ausschlag gab dann eine alte Frau, die im Zweiten Weltkrieg als Krankenschwester gearbeitet hatte, und die ich im Spital in Liestal betreut habe.»

Löw hat ihren Entscheid nie bereut. Im Gegenteil, sie sieht ihre berufliche Zukunft weiterhin bei MSF, auch wenn sie, die auch noch einen Masterabschluss in Betriebswirtschaft für Non-Profit-Organisationen im Sack hat, sich mehr auf die Öffentlichkeitsarbeit konzentriert. Deshalb ist sie zeitweise auch an der MSF-Wanderausstellung «face it» präsent, die ab Dienstag in Liestal gastiert. Was dort gezeigt werde, bilde die Einsätze in den Hilfsgebieten sehr realistisch ab, sagt Löw.

Sie selbst kümmerte sich bei ihren bisherigen Einsätzen vor allem um Kinder mit akuter Mangelernährung. Dazu fuhr sie zusammen mit einem Arzt und einheimischem Pflegepersonal mit einem Jeep regelmässig in Krisengebiete, wo sie ein Zelt aufstellten, darin die Kinder wogen, untersuchten und behandelten. Falls nötig, erhielten die Kinder eine süsse Paste mit allen notwendigen Nahrungsbestandteilen, schwere Fälle nahm das Team mit in das nächste medizinische Zentrum.

So auch einmal einen achtjährigen Knaben, an den sich Löw besonders erinnert: «Er war sehr krank und apathisch. Ich hatte Angst um ihn.» Der Knabe habe zuerst über eine Magensonde eine therapeutische Milch erhalten und sollte später auch die Paste einnehmen. Doch er habe sich geweigert und Fleisch verlangt, was er aber nicht vertragen hätte.

Bilder bleiben haften

So machte Löw einen Deal mit ihm: Sie gab ihm jedes Mal etwas Kleingeld, wenn er die Paste einnahm, damit er sich mit dem Geld später Fleisch kaufen konnte. Nach vier Wochen brachte er Löw das gekaufte Stück Fleisch als Dank. Löw: «Ich habe oft gestaunt, wie stark Kinder sind, die eine so schwere Krankheit durchgemacht haben.» Längst nicht alle Fälle nahmen aber ein gutes Ende.

Vor ihrem inneren Auge sind Löw denn auch die Bilder von Flüchtlingen aus der Zentralafrikanischen Republik geblieben, die nach einem beschwerlichen und gefährlichen Weg völlig erschöpft in Kamerun angekommen waren und teils starben. Löw: «Das waren sehr bewegende Momente, die ein Teil von mir bleiben. Sie machen traurig, geben aber auch Energie, weiter zu helfen.»

Heimkehr macht am meisten Mühe

Vor ihren Einsätzen habe sie keine Angst, sondern Respekt, sagt Löw. Denn sie vertraue voll auf MSF, die ihre Mitarbeiter gut schule und die Situation vor Ort stets umfassend abkläre. So gehe jetzt auch niemand ohne spezielle Ausbildung in ein Ebola-Gebiet. Und wenn die Sicherheit nicht mehr gewährleistet sei, stelle MSF seine Hilfsprogramme vorübergehend ein. Zudem könne jeder, der mit einer Situation nicht mehr zurechtkomme, aus einem Einsatz aussteigen.

Mehr Mühe macht Löw dafür jeweils die Heimkehr: «Wenn ich hier dann in ein Einkaufscenter gehe und zum Beispiel die 100 verschiedenen Joghurts im Regal sehe, frage ich mich, ob wir mit diesem Überfluss auf dem richtigen Weg sind.»