Wenn das Laufental heute zum Kanton Bern gehörte, würde das Spital Laufen noch existieren?

Höchstwahrscheinlich nicht – und wenn doch, dann bestimmt nicht mit mehr medizinischen Abteilungen als unter dem heutigen Dach des Kantonsspitals Baselland. Ursprünglich stellte im Kanton Bern das weitverzweigte Netz an öffentlichen Bezirks- und Regionalspitälern die medizinische Versorgung sicher.

Im Zuge einer grossen spitalplanerischen Bereinigung wurden diese privatisiert und per 1. Januar 2007 in fünf Regionalen Spitalzentren sowie der «Hôpital du Jura bernois»-Gruppe zusammengefasst. So erfüllt beispielsweise für das Berner Oberland die Spital Simmental Thun Saanenland AG (STS) den öffentlichen Leistungsauftrag; dies als privatrechtliche Aktiengesellschaft mit dem Kanton Bern als Alleinaktionär.

In den vergangenen Jahren haben die Berner Spitalgruppen wenig Scheu vor der Schliessung unrentabler Standorte und Abteilungen gezeigt, um sich im Gesundheitsmarkt zu behaupten. Alleine die STS machte zuerst im Juni 2012 die Klinik in Erlenbach dicht, im Herbst 2012 das Spital Saanen und Ende April 2015 die Geburtsstation des Spitals Zweisimmen. Weiter nördlich hob im April 2011 die Spital Region Oberaargau AG (SRO) den Standort Niederbipp als Akutspital auf.

Bei solchen Schliessungen wird in der Regel wenig Rücksicht auf regionale Befindlichkeiten genommen. Wie im Fall von Laufen bildete sich in Zweisimmen starker Widerstand gegen die Schliessung der Geburtsstation. Eine Petition mit rund 8700 Unterschriften blieb jedoch ohne Erfolg. Die STS begründete den Schliessungsentscheid mit zu tiefen Fallzahlen von zwei bis drei Geburten pro Woche, die den Betrieb unrentabel und qualitativ fragwürdig gemacht hätten.

Eine Vertreterin des Schweizerischen Hebammenverbandes sprach nach der Schliessung von einer «geburtshilflichen Versorgungswüste, die von Thun über Fribourg bis Lausanne reicht». Als Berner Spital wäre Laufen wohl der «Hôpital du Jura»-Gruppe zugeschlagen worden, mit dem 30 Kilometer entfernten Moutier als nächstem Spital-Standort.

Wenn das Laufental heute noch zum Kanton Bern gehörte, hätte es die Errichtung neuer Deponien verhindern können?

Es gibt zumindest ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit des Kantons Bern, das vermuten lässt, dass sich das Laufental unter bernischer Ägide nicht so erfolgreich gegen die Errichtung neuer Deponien hätte wehren können, wie das im Fall von Zwingen und Blauen mit der Volksabstimmung 2016 der Fall gewesen ist.

In der Thuner Nachbargemeinde Thierachern sprach sich die Bevölkerung 2012 gegen die Errichtung der Aushubdeponie Eyacher aus. Mit einem «Buebetrickli» umging aber die Berner Regierung dieses Votum, indem sie eine kantonale Überbauungsordnung erliess, um die Deponie trotzdem zu ermöglichen. Die bernische Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) argumentierte mit dem übergeordneten Interesse an der Deponie, da im Gebiet von Thun ein Engpass bei der Entsorgung von Aushubmaterial bestehe.

Die Gegnerschaft bestritt diesen Notstand und trug ihren Widerstand durch sämtliche Instanzen bis vors Bundesgericht. Obwohl das Bundesamt für Umwelt in einer Stellungnahme gewisse Punkte des kantonalen Vorgehens kritisierte, wies das Bundesgericht die Einsprache der Gegnerschaft ab. Vor genau einem Jahr wurde die Deponie in Betrieb genommen.


Wenn das Laufental heute noch zum Kanton Bern gehörte, würde dann ein geringerer Steuerdruck auf der Bevölkerung lasten?

Einzelpersonen und Ehepaare mit oder ohne Kindern leben im Baselbiet steuerlich wesentlich günstiger als in der Berner «Steuerhölle». Dies beweist der aktuellste Vergleich der eidgenössischen Steuerverwaltung, basierend auf den Zahlen von 2017.

So müssen Ledige im Bezirkshauptort Laufen erst bei einem Bruttoarbeitseinkommen von 25 000 Franken überhaupt Steuern bezahlen (2,37 Prozent des Bruttoarbeitseinkommen). In den von der Grösse und Bedeutung her vergleichbaren bernischen Gemeinden Aarwangen und Saint-Imier beginnt die Steuerbelastung bereits bei 15 000 Franken (0,19 resp. 0,2 %) und erreicht bei 25 000 Franken in Aarwangen 4,91 Prozent und in Saint-Imier 5,16 Prozent; also weit mehr als das Doppelte von Laufen.

Bei höheren Einkommen gleichen sich die Steuersätze an, fallen aber immer noch zugunsten des Baselbiets aus. Einkommensmillionäre bezahlen in Laufen 25,97 %, in Aarwangen 26,09 % und in Saint Imier 27,41 %.