Die Energieversorger haben es schwer, in der Region Basel die Windenergie voranzutreiben. Trotz Jahren der Planung dreht sich hier noch immer kein einziges Windrad. In Liesberg lässt sich eine geplante Windkraft-Anlage nicht rentabel betreiben, weshalb sich die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) zurückzog. Die Elektra Baselland (EBL) legte ihr Windpark-Projekt auf dem Schleifenberg in Liestal auf Eis. Ähnliche Projekte in Reigoldswil und auf der Zunzgerhard wurden ebenfalls aufgegeben.

Während vielerorts Stillstand herrscht, geht es beim Windpark Challhöchi vorwärts. Seit acht Jahren untersuchen die Industriellen Werke Basel (IWB) auf dem Chall die Machbarkeit einer Windenergie-Anlage mit fünf Turbinen. Der Standort des Windparks befindet sich auf dem Gebiet der Baselbieter Gemeinden Burg und Röschenz sowie der Solothurner Ortschaft Kleinlützel. Auch wenn er keine Zahlen nennt, sagt IWB-Sprecher Reto Müller: «Aufgrund der gemessenen Windverhältnisse sind wir der Ansicht, dass auf dem Chall der Betrieb einer Windkraft-Anlage wirtschaftlich ist. Es hat genug Wind.» Um die Planungen konkretisieren zu können, brauche man aber Planungssicherheit.

Diese könnte das Unternehmen schon bald erhalten. Der Gemeinderat von Kleinlützel fasst ins Auge, dem Kanton Solothurn den Standort Challhöchi als Potenzialgebiet für einen Windpark vorzuschlagen. «Wir haben als Gemeinderat die Pflicht, alternative Energien prüfen zu lassen», sagt der Kleinlützler Gemeindepräsident Martin Borer (SP). An einer der nächsten Sitzungen werde der Rat den Entscheid fällen. Der Standort-Vorschlag an den Kanton ist Voraussetzung für eine Anpassung des Solothurner Richtplans. In den Baselbieter Richtplan wurde das Gebiet Chall bereits als eines der Potenzialgebiete für Windenergie aufgenommen. Zudem müssen auch die drei Gemeinden sowie der Bund einzeln über das Projekt befinden.

Deutliche Opposition aus Burg

Gibt es in beiden Kantonen Richtplaneinträge, liegt die gewünschte Planungssicherheit vor, welche die IWB für weitere Untersuchungen benötigen. «Bei einer Fortsetzung des Projektes werden wir im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung umfassende Studien erstellen lassen», sagt Sprecher Reto Müller. Aber selbst wenn diese dereinst vorliegen sollten, ist der Weg bis zu einem Windpark auf dem Chall noch immer weit. Schon vor zwei Jahren stellte der Gemeinderat der betroffenen Ortschaft Burg in einem geharnischten Schreiben an die Baselbieter Regierungsrätin Sabine Pegoraro klar, dass er sich gegen Windkraft-Anlagen auf dem Gemeindegebiet von Burg ausspreche. Ursachen dafür seien unter anderem der Schattenwurf eines Windparks sowie die Tatsache, dass eine Anlage das im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder enthaltene Ortsbild von Burg völlig entwerten würde.

Unterzeichnet ist das Schreiben vom Burger Gemeindepräsidenten Dieter Merz (parteilos), der seinerseits Vorstandsmitglied des Vereins Wind-Still ist. Der Verein engagiert sich seit Jahren vehement gegen den Bau eines Windparks auf dem Chall. Der Gemeindepräsident der dritten Standortgemeinde Röschenz, Remo Oser (CVP), ist wiederum ein Windkraft-Befürworter und Vizepräsident des Forums Erneuerbare Energien Laufental. In den vergangenen Jahren haben in den Standortgemeinden Burg, Röschenz und Kleinlützel zahlreiche Info-Veranstaltungen zum geplanten Windpark stattgefunden.

Seit dem letzten Info-Anlass am vergangenen Dienstag in Kleinlützel ist die Spaltung noch ein bisschen grösser. Dem Verein Wind-Still war vom Kleinlützler Gemeinderat nicht erlaubt worden, am Podium zu sprechen. Nichtsdestotrotz äusserten sich einige Mitglieder des Vereins an der Veranstaltung sehr kritisch zum Vorhaben. Für Wind-Still-Sprecher Christoph Keigel ist klar: «Der Gemeinderat von Kleinlützel muss sein Vorhaben, den Standort Challhöchi als Potenzialgebiet vorzuschlagen, von der Bevölkerung legitimieren lassen.»