Klettert das Thermometer über 20 Grad – und diese Marke wird ja seit Tagen mehr als deutlich übertroffen – merkt das Thomas Voggensperger seinen Kühen sofort an. «Sie fressen weniger, atmen teilweise extrem stark und stehen nur herum», erzählt der Landwirt aus Schönenbuch. «Und natürlich merkt man es auch an der Milchleistung.» Diese gehe bei hohen Temperaturen zurück. Je leistungsstärker die Kuh, das heisst je mehr Milch sie normalerweise gibt, desto auffälliger ist der Rückgang.

Dass es zurzeit weniger Milch gibt, merkt man auch bei der Miba Genossenschaft, die Milch aus der ganzen Nordwestschweiz bezieht. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Ertrag diesen Juli um drei Prozent zurückgegangen, erklärt Miba-Sprecherin Evelyne Piller. Allerdings liesse sich nicht sagen, ob das alleine auf die Hitze zurückzuführen sei.

Eier schrumpfen bei Hitze

Die Hitze spürt man auch bei den Hühnerproduzenten. «Wenn es so heiss ist, legen die Hennen kleinere Eier», erklärt Jörg Rieder, der eine Geflügelfarm in Rothenfluh und Gelterkinden betreibt. Denn Hühner sind zwar etwas hitzeresisenter als Kühe, aber auch ihre Wohlfühltemperatur liegt mit 18 bis 25 Grad deutlich unter den in den letzten Wochen gemessenen Werten. Für den Betriebsalltag hat das laut Rieder kaum Auswirkungen. Es gilt, gut zu lüften und regelmässig zu kontrollieren, ob die Hühner noch genügend Wasser haben.

Zurück geht die Leistung auch bei den Schweinen. «Ihr Verdauungssystem ist gleich wie das der Menschen», weiss Adrian Schütz von Suisseporcs, dem Verband Schweizerischer Schweinezucht- und Schweineproduzenten. Da erstaunt es nicht, dass die Hitze auch dem Borstenvieh auf den Appetit schlägt. So nimmt dieses weniger schnell zu und ist somit später schlachtreif als üblich. In unseren Breitengraden sei das normalerweise kein Problem, da es nur selten richtig heiss werde. «Der umgekehrte Fall, also dass es zu kalt ist, ist häufiger. Darunter leiden vor allem Jungtiere.»

Am wohlsten fühlen sich Schweine im Temperaturbereich zwischen 16 und 22 Grad. Zurzeit haben sie es also nicht leicht. Dabei können sie nicht einmal redensartgerecht «schwitzen wie ein Schwein», denn ihnen fehlen die Schweissdrüsen. «Sie sind deshalb auf Schatten angewiesen», betont Schütz. Ausserdem verfügen Ställe meist über Lüftungen, Kühlsysteme oder Duschen.

Solche Anlagen kommen nicht nur bei Schweinen zum Einsatz. Thomas Voggensperger zum Beispiel hat vor bald vier Jahren eine Sprühnebelanlage am Futtergang angebracht. Mithilfe feiner Wassertöpfchen kann diese die Lufttemperatur um gut vier Grad senken. «Da ist sehr angenehm», sagt er. Die Kühe halten sich zurzeit entsprechend am liebsten beim Futtergang auf.

Bevor er den Sprühnebel installiert hatte, sind zwei von Voggenspergers Kühen an einem Hitzeschlag gestorben. «Eine Kuh zu verlieren kostet einen rund 3500 Franken, die Anlage 1200 Franken», erklärt er. Er habe also nicht lange rechnen müssen, ob sich diese Installation lohnt. «Ausserdem: Wenn ich bedenke, wie viel die Kühe täglich für uns leisten, ist das sicher kein Luxus. Ich würde jedem Bauer so eine Anlage empfehlen.»

Nachts gehts auf die Weide

Draussen fühlen sich die Kühe des Schönenbucher Landwirts nicht lange wohl. Kaum habe er sie rausgelassen, kämen sie wieder zurück in den Stall, erzählt er. Wenn Kühe nicht selbstständig ein- und ausgehen können, muss der Bauer anderweitig für Auslauf sorgen, etwa indem er die Tiere auf die Weide bringt. So will es das Tierschutzgesetz. «Dann ist wichtig, dass sie einen Platz im Schatten haben», erklärt Ronny Schweizer vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain. Er selbst führt seine Kühe zurzeit nur noch nachts auf die Weide, was auch viele andere Bauern so handhaben. Dasselbe empfiehlt er auch für Pferde. Diesen mache zwar die Hitze weniger zu schaffen, dafür Ungeziefer wie Bremsen. «Viel mehr können wir leider nicht machen, als uns so zu arrangieren, dass die Tiere trotz Hitze möglichst grossen Komfort haben.»