«Peinlich» und «dilettantisch»: Die Kritik des Baselbieter BDP-Präsidenten Marc Bürgi ist deutlich. Überraschend ist die Adresse: Bürgi richtet sich an seinen Basler Amtskollegen Philipp Schopfer. Ausgelöst hat den Knatsch der beiden BDP-Präsidenten das Thema No-Billag. Die Initiative aus dem Kreisen der Jungen FDP und JSVP will die Radio- und Fernsehgebühren abschaffen, und sorgt damit seit Wochen für aufgeregte Diskussionen. Die Basler BPD ist schweizweit die einzige Sektion, welche die Initiative unterstützt.

Der jüngste Knatsch war entbrannt, nachdem der Basler Gewerbeverband letzte Woche die Ja-Parole beschlossen hatte und damit für Aufsehen sorgte. In der «Schweiz am Wochenende» kritisierte unter anderem LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein den Entscheid. Bei der Frage müsste man weiterdenken, als nur wie viel die KMU bezahlen müssen, meinte sie: «Letztlich geht es um den Zusammenhalt der Schweiz, vor allem mit Blick auf die Westschweiz und das Tessin.»

«D wie Diktatur?»

Der Baselbieter Präsident Bürgi teilte den Artikel via soziale Medien im Netz. «Patricia von Falkenstein hat mir aus dem Herzen gesprochen.» Weniger Freude hatte der städtische Co-Präsident der BPD Philipp Schopfer: Er stelle sich die Frage, wieso Personen die Leitung einer Partei mit den D im Zentrum inne haben, wenn sie selbst demokratische Entscheide verurteilen, schrieb er auf Twitter und Facebook. «Bedeutet das D ‹Diktatur›?» Dazu stellte er zwei Smileys: Ein lächendes und ein verärgertes. Unklar bleibt, ob Schopfer mit seinem Post von Falkenstein (LDP) oder Bürgi (BDP) gemeint hat.

Reagiert hat auf jeden Fall Letzterer: «Dass Philipp Schopfer meine öffentliche Meinung und meine Kritik an den No-Billag-Initianten und den Befürwortern als Diktatur abkanzelt, ist peinlich.» Schopfer gab zurück: «Wer öffentliche Twittertweets im Namen seiner Partei schreibt, muss mit Gegenwind rechnen.»

«Bloss ein bisschen Kindergarten»

Auf Nachfrage spielt Bürgi die Angelegenheit herunter: «Wir haben überhaupt kein Problem miteinander, aber ich provoziere ihn halt gerne», sagt er. «Das ist bloss ein bisschen Kindergarten.» Auch online reagierte Bürgi schnell. Als sich weitere Personen in die Diskussion einzumischen begangen, löschte er seine kritischen Kommentare grossenteils. Bei seinen Aussagen bleibt der Baselbieter Präsident aber: «Ich kann den Entscheid der Basler BDP nicht nachvollziehen», sagt er. Die Sektion sei zwar frei bei der Parolenfassung, «aber sie müssen sich der Kritik stellen – auch der internen», so Bürgi. Schopfer war gestern telefonisch nicht erreichbar, ebenso Martin Landolt, Präsident der BDP Schweiz.

Die Basler BDP ist in den letzten Jahren immer wieder durch politische Sololäufe aufgefallen. So etwa als sie vor einem Monat ihre erste Initiative vorgestellt hat. Diese fordert, dass der Grosse Rat ein Regierungsmitglied absetzen oder seine Aufgaben einschränken kann. Der politisch grösste Erfolg der Partei, welche bisher noch nie den Sprung ins Basler Parlament geschafft hat, war das Nein zur geplanten Unterflur-Abfallentsorgung. Die BDP hatte damals als erste Partei das Referendum ergriffen. Die grösste Aufmerksamkeit erhielt die Partei, die ansonsten meist unbeachtet im bürgerlichen Fahrwasser politisiert, vor rund zwei Jahren, als sie mit dem Gedanken spielte, das Referendum gegen den 80-Millionen-Deal zu ergreifen und damit den Univertrag und den Kulturvertrag aufs Spiel zu setzen drohte.