Selbstgeisselungen sind in unseren Breitengraden eher selten geworden in den vergangenen 500 Jahren. In Sissach könnte das mittelalterliche Ritual aber bald wieder zu bestaunen sein: Lukas Baumann will sich am kommenden Montag selbst geisseln, mitten in der Begegnungszone. Das hat der Ex-Pfarrer gestern in einer Medienmitteilung angekündigt. Demnach wird Baumann zwischen 17.30 und 18.30 Uhr in alten Gewändern durch Sissach ziehen. Er beabsichtigt, sich während seines Bussgangs nicht nur selber zu schlagen, sondern auch auf Lateinisch zu singen und laut zu beten.

Baumann versteht die Aktion als Sühneritual gegen die öffentliche «Säuli-Metzgete», die zwei Tage zuvor angesetzt ist. Am 28. Oktober wollen Metzgermeister auf dem Schaffner-Areal im Zentrum von Sissach zwei Schweine schlachten und gleich vor Ort verarbeiten. Die «Show-Metzgete» geriet von verschiedener Seite in die Kritik. So bezeichnete Baumann die Schlachtung als «entwürdigende Veranstaltung»

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So geht es bei einer Metzgete zu und her

«Furchtbarer Akt»

Baumann betont auf Anfrage der bz, dass er die Selbstkasteiung als Akt der Sühne für «furchtbar» halte. «Es ist Schwachsinn, Gott mit eigenen Schmerzen zufriedenstellen zu wollen», sagt der reformierte Theologe. Mit der Selbstgeisselung wolle er zeigen, dass diese ein längst überholtes Ritual sei. «Ich will sie der öffentlichen Schlachtung entgegensetzen, die ich ebenfalls für überholt halte.» Damit soll also moralisches Unrecht, das den Tieren angetan werde, ausgeglichen werden. Er habe nach einem künstlerischen Mittel des Protests gesucht, sagt Baumann. Er tue dies als Schauspieler, nicht als Pfarrer. Und er stellt klar: «Ich werde mich sicher nicht blutig schlagen.»

In Sissach weiss man vom Vorhaben. Gemeindepräsident Peter Buser sieht keine Grundlage, wie die Aktion untersagt werden könnte. «Wir sind der Meinung, dass der Anlass in der angekündigten Form keine Bewilligung benötigt.» Wenn sich jemand selber öffentlich schlagen wolle, könne man das nicht verbieten. «Es gibt einfach ein paar Dinge zu beachten», sagt Buser. «So darf etwa der Verkehr nicht behindert und kein öffentliches Ärgernis erregt werden.» Auch die Baselbieter Staatsanwaltschaft teilt der bz mit, dass Baumanns Aktion keinen Straftatbestand erfülle.

Als «Chüngelipfarrer» bekannt

Baumann ist im Oberbaselbiet seit längerem umstritten: Dass er gemeinsam mit seiner Frau im Kirchgemeindehaus von Rothenfluh eine Auffangstation für Kaninchen betrieben hatte, sorgte 2015 im Dorf für Aufruhr – und verschaffte ihm den Übernamen «Chüngelipfarrer». Baumann ist nach rund 30 Jahren Tätigkeit als Pfarrer in verschiedenen Kirchgemeinden, zuletzt in Rothenfluh, mittlerweile nicht mehr in dieser Funktion tätig.
Zu den Protesten gegen die Metzgete ist in der Zwischenzeit auch eine Beschwerde beim Baselbieter Regierungsrat hinzugekommen. Das schreibt die «Volksstimme». Demnach hat die Sissacherin Beatrice Pfister auch einen Antrag auf superprovisorische Verfügung gestellt, um den Anlass zu verhindern. Sie gehe, wird sie zitiert, «nötigenfalls bis vor Bundesgericht».