Eigentlich, sollte man meinen, müsste der Baselbieter Weinszene recht mulmig zumute sein. Übersetzte man nämlich die Anzahl Weine, die zur diesjährigen Baselbieter Staatswein-Kür eingereicht wurden, in eine illustrative Kurve, sie verschwände mit besorgniserregender Entschlossenheit in unerwünschten Tiefen. Konkret heisst das, dass bei der ersten Vergabe des Staatswein-Prädikats vor zwei Jahren noch 61 Weine um die silbernen Aufkleber mit dem Baselbieterstab gebuhlt haben und es nunmehr, Auflage 2018, lediglich deren 36 sind.

Optimistisch für 2019

Paul Leisi bringt das nicht um den Schlaf. Der Präsident der Weinproduzenten Region Basel/Solothurn gibt sich sogar überaus optimistisch und verrät: «Wir rechnen für nächstes Jahr mit wesentlich höheren Einreichequoten.» Anlässlich der gestrigen Prämierung der Baselbieter Staatsweine im Schloss Ebenrain zu Sissach fand er nämlich einen guten Grund für das Absacken ebenjener Quote. «Der Frost im April 2017 hat dazu geführt, dass es fast keinen Wein gibt», erklärte er vor versammelter Winzerelite und Staatsvertretern aus Baselland und Basel-Stadt.

Tatsächlich produzierten die Baselbieter Winzer im vergangenen Jahr lediglich ein Fünftel dessen, was sie in einem durchschnittlichen Jahr keltern. Besonders getroffen hat es die Weissweine. Darum vergaben das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain und Leisis Produzentenvereinigung lediglich drei anstatt der üblichen vier Prädikate, zwei im roten, eins im weissen Segment.

Insofern darf es als erfreulich taxiert werden, dass es 2018 überhaupt zu einer Kür von Baselbieter Staatsweinen gekommen ist. Eine fünfköpfige Expertenjury hatte dafür bereits im Mai ihre neun Favoriten auserkoren. Eine Jury aus Prominenten, darunter die Regierungsräte Thomas Weber (BL), Christoph Brutschin (BS) und bz-Chefredaktor David Sieber, kürte am Dienstag schliesslich die Siegerweine. Diese kommen aus Aesch, Maisprach und Ormalingen (siehe Box) und werden bis in rund einem Jahr zu offiziellen Anlässen des Kantons ausgeschenkt. So gesehen ist das Küren von Staatsweinen natürlich ein Akt der Anerkennung. Viel mehr aber dient es als Marketinginstrument, um den Absatz zu fördern.

Grosses Medienecho

Das funktioniert auch, zumindest «ein Stück weit», wie Ueli Bänninger erzählt. Der Aescher Weinbauer, der am Dienstag für seinen «Tschäpperli Uf dr
Muur» ausgezeichnet wurde, hatte bereits vor zwei Jahren einen Wein eingereicht, der es zum Staatswein brachte. Die Ehrung habe grosses Echo in den Medien gefunden, dadurch seinen Namen bekannter gemacht und vor allem das Bewusstsein für die lokalen Weine begünstigt, sagt er.

Dass er nun wieder eine Auszeichnung erhalten hat, freut ihn darum nicht minder. «Die Kür belegt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», erklärt Bänninger. Und natürlich schmeichle sie auch dem Winzer-Ego ein bisschen.