«Unsere Dorfkerne im Wandel». Unter diesem Titel lud der Verein Erlebnisraum Tafeljura am Dienstagabend zu einer Podiumsdiskussion nach Anwil. Dass sich die Dorfkerne – und das Umfeld noch viel mehr – im Wandel befinden, da waren sich alle einig von der kantonalen Denkmalpflegerin Brigitte Frei über den Hauseigentümerverbands-Präsidenten und SVP-Landrat Markus Meier, den Architekten Andreas Tobler bis hin zum Hausherrn, dem Anwiler Gemeindepräsidenten Ernst Möckli.

Als Gründe genannt wurden etwa der Strukturwandel in der Landwirtschaft mit der Konsequenz, dass nach der Aussiedlung der Höfe die alten Bauernhäuser im Dorfkern umgenutzt werden, die Energiewende mit Solarpanels auf den Dächern oder die Verdichtung.

Viele Vorschriften

Wie der Wandel optimal erfolgen sollte, da gingen die Meinungen auseinander. Fokussieren wir auf jene, die immer wieder am Pranger steht, und auf jenen, der nicht ganz unschuldig daran ist. Letzterer, Markus Meier, gestand allerdings Ersterer, Brigitte Frei, auf dem Podium zu, dass sie keinen schlechten Job mache, das Übel liege bei der Gesetzgebung. Meiers Credo: «Wir haben den Mut zum Aufbruch in die Moderne nicht.» In Singapur etwa bestaune man die Hochhäuser, zu Hause wolle man aber alles beim Alten belassen.

«Gibt nicht nur eine Lösung»

Brigitte Frei andererseits verwies auf die drei Schutzebenen von Bund, Kanton und Gemeinden. Dabei gehe es darum, die Vielfalt der Bauten und Architekturen zu beurteilen, denn jede Epoche habe ihre Bedeutung für die Kulturlandschaft. Frei: «Die geschützten Häuser sollen Zeugen vom Leben, Denken und Bauhandwerk verschiedener Zeiten sein.» Oft habe die Denkmalpflege Spielraum, den sie auch nutze. Und Frei präzisierte: «Wir haben einen Verfassungsauftrag und machen die Arbeit im öffentlichen Interesse. Dabei gibt es aber nicht nur eine richtige Lösung.»

Sie verwies auch auf die unterschiedlichen Haltungen: Die einen seien stolz auf ihr historisches Gebäude und nähmen Einschränkungen in Kauf, andere seien unzufrieden. Freis Eindruck: «Es findet in allen Bereichen eine Ökonomisierung statt. Das war früher anders und ist für uns eine Herausforderung.»

Die bz wollte es konkreter wissen: In welchem Baselbieter Dorfkern ist nun die Kombination von Alt und Neu besonders gut gelungen und fühlen sich Frei und Meier besonders wohl? Frei sagt: «Es gibt im Baselbiet einige hervorragende Beispiele wie Oltingen und Wenslingen. Besonders beeindruckt mich aber Muttenz, das nicht zufällig als bisher einzige Baselbieter Gemeinde den Wakker-Preis erhalten hat.» Hier sei die historische Struktur noch in ihrer ganzen Würde und Grossartigkeit vorhanden. In Muttenz sei aber auch eine «ganz heikle» Bauaufgabe gut gelöst worden – der Bau des Kongresszentrums Mittenza in der Nähe der alten Wehrkirche. Unter anderem sei hier mit der Verglasung der Giebel eine Architektursprache geprägt worden, die weit über Muttenz hinaus strahle.

Für Markus Meier ein gutes Beispiel: Dorfteil Zingge in Ormalingen.

Für Markus Meier ein gutes Beispiel: Dorfteil Zingge in Ormalingen.

Akzente ausserhalb Kernzone

Muttenz zeige zudem, dass man auch ausserhalb der Kernzone hervorragende Akzente setzen könne. Frei verweist in erster Linie auf das Quartier Freidorf, aber auch auf die Verlängerung der Achse des alten Dorfes Richtung Bahnhof mit «neuen Bauten mit Qualitätsanspruch» wie das Basler Tor oder das Kantonalbank-Hochhaus. Eine weitere Qualität sei die grossmehrheitliche Erhaltung der Hofstätten hinter den Häusern an der Hauptstrasse. Zu einem attraktiven Dorf gehöre, dass man Alltagsutensilien in Fussdistanz einkaufen könne, was in Muttenz der Fall sei, so Frei.

Meier dagegen meinte, dass die gestellte Aufgabe für ihn «unlösbar» sei. Er könne sich nur zum Lebensraum äussern, in dem er sich aufhalte. Und da seien für ihn sein Wohnort Ormalingen, Rünenberg und Maisprach gute Beispiele für die Kombination von Geschichte und Moderne. In Ormalingen sei im Dorfkern das teilerneuerte Ensemble Zingge gut gelungen, wobei man bezüglich Modernisieren noch weiter gehen könnte. Er könne sich in einem Dorfkern auch moderne Kontraste wie eine Betonwand vorstellen, sagt Meier.