Vor zehn Jahren gelang der Social-Media-Plattform Facebook in der Schweiz der Durchbruch. Höchste Zeit also, die Facebook-Präsenzen der Baselbieter Gemeinden genauer anzuschauen. Die Bilanz der bz-Auswertung fällt überraschend aus: Nur drei der 86 Baselbieter Gemeinden sind offiziell auf Facebook vertreten.

Bei einer davon handelt es sich um eine «Seitenreservation», wie die Gemeindeverwaltung auf Nachfrage darlegt. Bis auf ein Titelbild ist auf der Seite noch nichts zu sehen, das solle sich in Zukunft aber noch ändern.

Die Gemeindeverwaltung Zwingen betreibt eine Facebook-Seite. Auf dieser finden sich in erster Linie Mitteilungen der Gemeinde, vereinzelt Fotos aus dem Ort und von Veranstaltungen. Bei Redaktionsschluss stammte der letzte Post vom 30. Juli 2018. Damit sichert sie sich, auch aufgrund fehlender Konkurrenz, den zweiten Platz im bz-Ranking.

Überraschender Gewinner

Einen unterhaltsame und gleichzeitig informative Facebook-Seite hat nicht etwa Allschwil oder Liestal, sondern ein wohl eher unerwarteter Kandidat: Die kleine Gemeinde Arboldswil aus dem Waldenburgertal. Wer bei dieser Seite «gefällt mir» gedrückt hat, ist stets auf dem Laufenden über das Geschehen vor Ort.

Einblicke in die Vorbereitungen vom nationalen Wandertag finden sich ebenso wie Aktionsangebote der Dorfmetzgerei, Updates zum Feuerverbot oder ausgebüchsten Zwergziegen.

Damit hat das Dorf den besten Facebook-Auftritt aller Baselbieter Gemeinden. Der Arboldswiler Gemeindepräsident Johannes Sutter freut sich darüber gleich doppelt. Erstens, weil es seine Gemeinde ist, zweitens, weil er selbst den Facebook-Auftritt betreut.

Bitte kein Amtsschimmel

Etwa eine halbe Stunde investiere er pro Woche in die Facebook-Seite. Viele wüssten nicht, dass er die Seite betreue, aber das sei ihm auch nicht wichtig. Für ihn sei Facebook eine einfache Möglichkeit zu informieren, was im Dorf laufe. Natürlich ersetze die Seite nicht das Gemeindeblatt, für Informationen zwischendurch eigne sich die Plattform aber sehr gut, meint Sutter.

Besonders für kleine Gemeinden kann sich ein Facebook-Auftritt lohnen. Dort gelingt es schnell, die oft kleine und eng verbundene Dorfgemeinschaft zu erreichen und zu durchdringen. «Die, die selbst kein Facebook haben, erfahren die Neuigkeiten in der Regel sehr schnell von denen, die unsere Seite geliked haben», erklärt Sutter. Er berichtet, dass sich auch Einwohner und Einwohnerinnen bei der Gestaltung der Facebook-Seite einbringen würden und ihm beispielsweise Fotos schicken.

Er würde anderen Gemeinden sehr ans Herz legen, ebenfalls einen Facebook-Auftritt zu bewirtschaften — «zumindest», schränkt er lachend ein, «solange darauf nicht nur der Amtsschimmel wiehert».

Angst vor dem Hass

Doch nicht alle Gemeinden sehen das so locker wie Arboldswil. Die bz fragte bei Gemeinden ohne Facebook-Auftritt nach. Barbara Hauser, Leiterin Kommunikation der Gemeinde Reinach, erklärt auf Anfrage: «Wir überlegen seit Jahren, ob und wenn ja, welche sozialen Medien wir betreiben wollen.»

Der Hauptgrund für das Zögern sei ein Ressourcenproblem. Auch mögliche Hasskomentare, die mit einer Präsenz in den sozialen Medien einher kommen könnten, lassen die Gemeinde zögern: «Da können wir gegen Windmühlen schreiben», führt Hauser aus. Die Verwaltung sei dabei, die Kommunikationsstrategie zu überdenken.

Datenschützer hat Bedenken

Ob es auch für die Grossgemeinde denkbar sei, dass der Gemeindepräsident den allfälligen Facebook-Auftritt pflegt, könne sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Für die Gemeinden bisher weniger ein Thema ist der Datenschutz auf Facebook.

Der Datenschutzbeauftragte des Kantons Baselland, Markus Brönnimann, sagt auf Anfrage, dass bisher keine Gemeinde diesbezüglich auf ihn zugekommen sei. Seiner Meinung nach bringt die Bewirtschaftung einer Facebook-Seite für die Gemeinden Schwierigkeiten beim Datenschutz mit sich.

Deswegen empfiehlt er, Facebook maximal als ergänzendes Angebot bereit zu stellen. Es sollten auch keine Informationen zur Verfügung gestellt werden, die durch den Informationskonsum der Einwohner und Einwohnerinnen «heikle Schlüsse» zulassen.

Offizielle Facebook-Seiten der Baselbieter Gemeinden dürften also weiterhin auf sich warten lassen.