Der spektakuläre Fund des Münzschatzes im Fricktal hat einen ungeahnten Nebeneffekt: Er hat die kleine Gemeinde Ueken, den Aargau und das Vindonissa-Museum in der ganzen Welt bekannt gemacht. Bisher hat die Kantonsarchäologie Berichte von 149 verschiedenen Medien registriert, die alle den Fund des einzigartigen Schatzes thematisiert haben.

So konnten sich die Menschen in Jamaika genauso wie die Menschen in Japan oder Indien darüber informieren, wie das war, als im Tausende von Kilometern entfernten Fricktal Alfred Loosli unter seinen Kirschbäumen die ersten Münzen gefunden hatte. Sie erfuhren, dass es den Aargau gibt und dass er ein Teil der Schweiz ist; und wer gar eine längere Textversion erwischte und die Schatzgeschichte zu Ende las, nahm auch zur Kenntnis, dass es in ebendiesem Aargau das Vindonissa-Museum gibt, wo der Schatz zu sehen sein wird.

«Weil sie grün war, habe ich sie gesehen»: So stolperte Bauer Loosli über die erste römische Münze in seiner Kirschbaumplantage

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Finder wird nicht leer ausgehen

Der Aargauer Kantonsarchäologe Georg Matter freut sich natürlich über die grosse Publizität, die der Schatz rund um den Globus ausgelöst hat; dass für einmal die Archäologie im Mittelpunkt des Interesses steht. «Der Fund beweist: Archäologie bewegt die Menschen. Sie lassen sich begeistern, sind fasziniert, von den Spuren, die unsere Vorfahren hinterlassen haben», sagt er. Doch die weltumspannende Medienpräsenz hat auch ihre Schattenseiten. «Es ist unglaublich, wie viel dummes Zeug über den Schatz im Internet verbreitet wird», wundert sich Matter.

Irritiert haben ihn etwa die zahlreichen Kommentare, die heftig kritisieren, dass der ehrliche Finder des Schatzes, der 82-jährige Alfred Loosli, leer ausgehe. «Das stimmt überhaupt nicht. Alfred Loosli erhält eine angemessene Entschädigung für seinen Fund. Das ist im Zivilgesetzbuch klar geregelt», hält Matter fest. Noch nicht definiert ist allerdings, was denn «angemessen» im Falle des Schatzes von Ueken bedeutet. Das Gesetz legt lediglich fest, dass die Belohnung den Wert des Schatzes nicht übersteigen darf. Doch wie hoch ist der Wert? «Kommt drauf an», sagt Matter, «ob man den aktuellen Marktwert nimmt, den blossen Materialwert oder den wissenschaftlichen Wert. Das wird noch zu ermitteln sein.» Fest stehe, dass Loosli nicht leer ausgehen werde.

Die Publizität könnte auch Hobby-Schatzsucher anlocken, die, ausgerüstet mit Metalldetektoren auf eigene Faust das Fricktal unsicher machen. «Das ist äusserst unangenehm, aber fast nicht zu verhindern», sagt Matter.

«Hanebüchene» Idee

Als reine journalistische Spekulation bezeichnete Matter das Gerücht, der Kanton Baselland könnte allenfalls Anspruch auf den Schatz erheben. Solche Ideen seien «hanebüchen» und entbehrten jeglicher Grundlage. Entscheidend sei einzig, was das Gesetz dazu sage. Und da ist seit 1912 im Zivilgesetzbuch festgeschrieben: Was im Boden gefunden wird, gehört dem Kanton, auf dessen Grund und Boden der Fund gemacht wurde. Ob der Fundort im Einzugsgebiet der ehemaligen Römerstadt Augusta Raurica liege oder nicht, sei völlig irrelevant.

Der Schatz von Ueken bleibt also definitiv im Aargau. Die 4166 Münzen werden gereinigt, inventarisiert und restauriert; dann erst können sie werden wissenschaftlich präzis bestimmt und auch katalogisiert werden.

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Man erwartet dadurch neue Erkenntnisse über Prägestätten, aber auch über das Münzwesen allgemein im untergehenden Römischen Reich. Ob allerdings je geklärt werden kann, wie die 4166 Münzen nach Ueken gekommen sind und warum sie vergaben wurden, muss bezweifelt werden.

Der Schatz kommt ins Vindonissa-Museum nach Brugg; KantonsarchäologeGeorg Matter kann sich aber gut vorstellen, dass die Münzen von Ueken zum Thema einer Wanderausstellung werden und dereinst auch in anderen Museen zu bestaunen sein werden.

So berichtete die Weltpresse: 

The Guardian

BBC

Radio New Zealand News

Afternoon Courier (Indien)

Toronto Sun

The Time