«Wir haben abgemacht, dass wir einfach das mitnehmen, was wir mitnehmen können. Und wir haben nicht damit gerechnet, dass es schiefgeht», erzählte der 24-jähriger Litauer am Freitag vor dem Baselbieter Strafgericht in Liestal.

Zusammen mit einem Kumpel kundschaftete er im vergangenen September um halb zehn Uhr morgens einen Goldschmied in Binningen aus, indem er sich nach Ohrsteckern erkundigte. Eine halbe Stunde später kamen beide erneut ins Geschäft, und dann ging es blitzschnell: Der Litauer warf die 73-jährige Mutter der Firmeninhaber auf den Boden und fixierte sie, sein Mittäter ging mit der Faust auf die zwei Männer im Laden los.

Nasenbeinbruch und vieles mehr

Einer der beiden Ladenbesitzer konnte ihm allerdings einen Hocker in den Rücken donnern, daraufhin rannten die beiden Männer weg – dabei ging teilweise die Schaufensterscheibe zu Bruch. Eine Überwachungskamera bestätigt den Ablauf des Überfalles. Der Litauer flüchtete mit einem Velo, wurde aber kurz darauf von der Polizei gestellt. Vom deutlich brutaler agierenden Mittäter fehlt bis heute jede Spur.

Die Bilanz bei den Opfern: ein Nasenbeinbruch, Schnittwunden am Kinn, Würgemale am Hals, Blutungen, Quetschwunden und überall Hämatome. Grund für den Überfall sei die Geldknappheit gewesen, sagte der 24-Jährige am Freitag vor Gericht. «Ich habe drei bis vier Wochen gewartet, aber keinen Job erhalten». Dass die Geschichte in knapp vier Monaten bereits vor Gericht landete, verdankt der Mann vor allem dem abgekürzten Verfahren: Er hatte sich in einem «Deal» mit der Staatsanwaltschaft auf eine unbedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten geeinigt.

Kanton spart viel Geld

Einzelrichterin Irène Läuchli überprüfte am Freitag lediglich, ob der Mann freiwillig auf den Vergleich eingegangen war und das Strafmass angemessen ist. Nach kurzer Beratung genehmigte sie das Urteil. Damit spart der Kanton wegen des Verzichtes auf ein aufwändiges Beweisverfahren nicht nur viel Geld, auch der Verurteilte selbst hätte deutlich länger auf seine Gerichtsverhandlung warten und damit wohl auch längere Zeit in Untersuchungshaft verbringen müssen. So hingegen wird er zur Fasnachtszeit bereits zwei Drittel seiner Strafe verbüsst haben, dann wäre eine vorzeitige Entlassung möglich.

Täter randalierte in seiner Zelle

Dazu wäre allerdings ein tadelloses Verhalten im Gefängnis nötig, woran gewisse Zweifel bestehen: Zwei Wochen nach seiner Festnahme setzte er seine Zelle unter Wasser, schnitt sich in Arme und Beine und verschmierte die Wände mit seinem Blut. «Ich habe nach einem Arzt verlangt, aber mir wurde gesagt, er komme erst am nächsten Tag. Es ist keiner gekommen. Dann habe ich mich geschnitten», sagte er dazu am Freitag.

Inzwischen nimmt er Medikamente, und nach seiner Rückkehr nach Litauen will er wieder arbeiten. Die Verfahrenskosten will er abstottern, ebenso die von ihm anerkannten Forderungen der Goldschmiede: Insgesamt 10'000 Franken Schadenersatz sowie 11'000 Franken Genugtuung wegen der Schlägerei. Das Urteil ist faktisch definitiv.