Das ist ein Rückschlag für die Produzenten von Hochstamm-Kirschen: Auf Empfehlung des Schweizer Obstverbands, in dessen Vorstand mit Hansruedi Wirz auch ein Baselbieter sitzt, nimmt der Handel nur noch Tafelkirschen ab einem Durchmesser von 22 Millimetern an. Die Kirschen mit Grösse 21 Millimeter – die frühere Klasse 1 – fallen buchstäblich durch das Raster, den betroffenen Bauern bleibt der Direktverkauf.

Stephan Durrer, Geschäftsführer von «Hochstamm Suisse», der gewichtigsten Stimme der Hochstamm-Produzenten, sagt dazu: «Ich kann nicht nachvollziehen, dass man den Beschluss heuer mit der sehr schlechten Kirschenernte nicht aussetzt. Das wäre ein wichtiges Zeichen für die Hochstamm-Produzenten gewesen. Aber das will man leider nicht.»

Als Grund für die Verdrängung der kleineren Früchte sieht Durrer das wachsende Angebot von grossfruchtigen Kirschen aus Anlagen. Vor zehn Jahren habe die Klasse 1 noch 80 Prozent der Tafelkirschen ausgemacht, doch mittlerweile seien die in grossem Stil angelegten Niederstamm-Anlagen im Vollbetrieb.

Auch die Ostschweiz, im Volksmund einst Mostindien genannt, habe nach Ausbruch des Feuerbrands vermehrt von Kern- auf Steinobst umgestellt. Durrer: «So eine Anlage kostet 80 000 bis 100 000 Franken pro Hektare und will amortisiert werden. Dafür braucht man hohe Preise für die Früchte. Das erreicht man, indem man das wachsende Angebot zurückfährt und die günstigeren Früchte der Klasse 1 vom Tafelkirschen-Markt ausschliesst.»

Doch auch die Hochstamm-Kirschenproduzenten verkaufen ihre Früchte lieber als Tafelkirschen, weil die Wertschöpfung bei Industrie- und Brennkirschen viel geringer ist. Derzeit erhält ein Obstbauer für die kleinste Tafelkirschen-Kategorie, die Klasse 22 +, Fr. 3.70 pro Kilo, während sich die Preise für Industriekirschen – das sind Früchte für Konserven, Konfitüren oder Joghurts – um 2 und jene für Brennkirschen um Fr. 1.40 pro Kilo bewegen.

Grosse Früchte sind wässriger

Allerdings merkt Durrer an, dass auch Hochstammfrüchte eine Grösse von 24 Millimeter erreichen können, wenn die Bedingungen stimmen. Dazu gehören die richtige Sortenwahl, der fachgerechte Baumschnitt und ein guter Standort der Bäume. Für Letzteres ist der Wasserhaushalt massgebend: Können Hochstammbäume, die in aller Regel nicht bewässert werden, genügend Wasser aus dem Boden gewinnen, werden auch die Früchte grösser; Niederstamm-Anlagen werden deswegen bewässert. Die Kehrseite: Das in den Früchten eingelagerte Wasser macht diese zwar grösser, aber auch geschmackloser.

Durrer erwartet nach drei schlechten Ernte-Jahren (2015 Hitze, 2016 Kirschessigfliege, 2017 Frühlingsfrost) eine Durststrecke für den Kirschenanbau auf Hochstammbäumen: «Ich hoffe auf die Forschung, dass sie die Kirschessigfliege in den Griff bekommt. Die Frage ist, ob die Hochstamm-Kirschenproduktion diese Zeit überlebt.»

Skeptisch sieht auch Pascal Simon, beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain Leiter Produktion, Markt und Direktzahlungen, die Zukunft des Hochstamm-Kirschenanbaus. Die Erhöhung der Annahme-Grösse für Tafelfrüchte sei nun nebst Kirschessigfliege und der Pilzkrankheit Monilia eine zusätzliche Erschwernis. Wenn der Bund im Herbst dann noch wie erwartet Pflegevorschriften für Hochstammbäume als Bedingung für Bundes-Beiträge einführe, sei das wahrscheinlich das Ende für viele Bäume, befürchtet Simon.

Er schätzt den derzeitigen Hochstammbaum-Bestand im Baselbiet auf 120 000, wovon 110 000 beim Bund gemeldet seien und jährlich mit Fr. 13.50 abgegolten würden. Noch sei aber das Baselbiet mit 147 Bäumen pro Betrieb jener Kanton mit der höchsten Hochstamm-Dichte. Das habe auch damit zu tun, dass hier viele Bauern Pachtland bewirtschafteten, deren Besitzer emotional an den Bäumen hingen.