Ohne eigenes Auto kann das Leben in der abgelegenen Laufentaler Ortschaft Blauen zuweilen hart sein. An einem Wochentag verkehren lediglich neun Postautos auf direktem Weg nach Laufen. Wer morgens, mitten am Nachmittag oder abends auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist, muss oft erschreckt feststellen, dass kein Bus fährt.

Die Verärgerung über die schlechten Verbindungen zeigte sich bei einer Umfrage unter der Bevölkerung, die im Rahmen des Dorfentwicklungsplans durchgeführt wurde. Um die Situation zu verbessern, entschieden sich die Gemeindeverantwortlichen, gemeinsam mit der Post Auto AG ein Pilotprojekt zu lancieren. Dabei handelt es sich um Mitfahrgelegenheiten bei Privatpersonen, die nun Schule machen sollen. Mittlerweile nehmen in Blauen und Umgebung rund achtzig Personen am Projekt namens «PubliRide» teil.

Die meisten Blaunerinnen und Blauner registrieren sich mithilfe einer App für die Mitfahrgelegenheiten. Ältere Personen ohne Internetanschluss können sich bei Gemeindeverwalterin Daniela Wey melden. Sie sucht die passenden Fahrten heraus und teilt diese den Senioren mit. «Durchschnittlich erhalte ich pro Monat zwei Anrufe von Menschen, die das Angebot in Anspruch nehmen möchten», sagt sie. Die Betagten würden es sehr schätzen, direkt vor der Haustüre abgeholt, oder nachdem sie Besorgungen gemacht haben, nach Hause gebracht zu werden.

Die Gemeindeverwalterin stellt aber eine Diskrepanz zwischen verfügbaren Fahrten und Personen, welche sie nutzen, fest. Alleine in der kommenden Woche sind fünfzig Fahrten von und nach Blauen registriert. «Viele davon werden von Werktätigen angeboten, die morgens zur Arbeit fahren und noch freie Plätze in ihrem Auto haben.» Dasselbe passiert zur Feierabendzeit, wenn die Berufsleute wieder nach Blauen zurückkehren.

Jugendliche bevorzugen Elterntaxi

Einer, der häufig Personen chauffiert, ist der Blauner Gemeindepräsident Dieter Wissler. Einmal wöchentlich biete sich die Möglichkeit, bei ihm mitzufahren. «Ich bin sowieso unterwegs. Anstatt dass Plätze in meinem Wagen leerbleiben, nehme ich lieber jemanden mit.» Dabei handle es sich für ihn um einen Akt der Solidarität, weshalb er auch kein Geld verlange. Und falls ihm einmal etwas angeboten werde, nehme er es nicht an. Die Tendenz, dass der Mitfahrer sein Portemonnaie nicht zückt, stellt auch Post-Auto-Sprecher Urs Bloch fest. Zwar komme es vor, dass ein Beitrag ans Benzin bezahlt werde, meist sei dies jedoch nicht der Fall. Ein Ausbau der bestehenden Busfahrten sei wegen der durchschnittlichen Auslastung von nur fünf Prozent nicht zu erwarten.

Nach der eineinhalbjährigen Testphase ist Wissler mit den technischen Bedingungen sehr zufrieden. «Die App ist einfach zu bedienen», findet der Gemeindepräsident. Die vielen Fahrten von Blauen ins Tal und wieder zurück seien ebenfalls erfreulich. Die Nachfrage könnte hingegen um einiges grösser sein. Viele Jugendliche würden von ihren Eltern gefahren und verzichten deswegen auf die Mitfahrgelegenheiten. «Das Elterntaxi steht der Innovation im Weg», ist er überzeugt. Es werde wohl noch eine Weile dauern, bis das System auch bei der jüngeren Generation etabliert sei.

Post Auto möchte die Zahl der Nutzer von «PubliRide» erhöhen. Deshalb hat das Unternehmen das Projekt im Frühling in den drei Bezirken Laufen, Dorneck und Thierstein an den Gemeindepräsidentenkonferenzen vorgestellt. Einige Gemeinden hätten in der Zwischenzeit ihr Interesse signalisiert. Um welche es sich dabei handelt, möchte der Sprecher aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten. Seit Kurzem gibt es die Mitfahrgelegenheiten ausserdem im aargauischen Baden, wo die Innenstadt entlastet werden soll. Und im Wallis will man dadurch das Verkehrsangebot für abgelegene Dörfer verbessern.