In den Spaghetti-Western darf er nicht fehlen: der Kopfgeldjäger mit den langen Bartstoppeln auf den verschwitzen Backen. Er macht sich auf die Suche nach Ganoven - liefert er einen beim Sheriff ab, gibt es 10 000 Dollar - ob «tot oder lebendig» spielt keine Rolle.

Kopfgeldjäger gibt es - zumindest in unseren Breitengraden - nicht. Aber eine Art «Kopfgeld» kennt die Schweiz, wie wahrscheinlich die meisten Länder der Erde, trotzdem. Das zeigen Polizeimeldungen über Verbrechen immer wieder.

Auf Feuerteufel-Jagd

Der letzte Fall in der Region datiert von letzter Woche aus Pratteln: 5000 Franken stellte die Polizei Basel-Landschaft in Aussicht «für Hinweise, welche zur Ermittlung der Täterschaft führen». Das Delikt: Brandstiftung mit hohem Sachschaden. Auch in Basel-Stadt winkte der grosse Reibach in einem Brandfall. Beim Feuerteufel von Riehen hätte es für den entscheidenden Tipp 10 000 Franken gegeben. Der Täter setzte über Jahre hinweg Dutzende von Gartenhäuschen in Brand - bis heute ist er nicht gefunden.

Aber nicht nur nach Brandfällen, auch bei der Suche nach Bankräubern, Ausbrechern oder Vermissten winken Prämien. Möglich macht dies die Schweizerische Strafprozessordnung. Ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Zeugen von Verbrechen den Ermittlungsorganen bei der Aufklärung behilflich sein müssen, Stichwort Zeugnispflicht. Damit drängen sich zwei Fragen auf: Ist der monetäre Anreiz überhaupt notwendig? Und: Zeigen die Prämien Wirkung?

Wirkung? Unklar

«Interessante Fragen», meint dazu Martin Killias, emeritierter Strafrechtsprofessor der Universität Zürich: «Zur Wirkung der Belohnungen ist mir aus der Forschung nichts bekannt. Ich wüsste auch nicht, wie man das messen könnte.» Das heisse aber nicht, dass die Anreize keine Resultate zeigen würden. «Mehr kann ich dazu nicht sagen», beendet der ansonsten meist sehr redselige Killias das Telefongespräch.

Gesprächiger zeigt sich Meinrad Stöcklin, Mediensprecher der Polizei Basel-Landschaft: «Wenn die Aussetzung einer Belohnung letztlich zielführend war und zur Aufklärung führte, war es gut. Ansonsten war es einen Versuch wert.» Trotzdem dürfe man das Mittel nicht überstrapazieren. «Ob wir eine Belohnung aussetzen oder nicht und in welcher Höhe, wird jeweils im Einzelfall entschieden», sagt er. Vier Fälle finden sich fürs laufende Jahr, bei denen die Baselbieter Polizei Geld in Aussicht stellt, dreimal geht es um schwere Vergehen, einmal winken 2000, zweimal 5000 Franken. Bei der «Entlöhnung» macht die Strafprozessordnung keine Vorgaben, sie hält aber fest: «Die Höhe der versprochenen Belohnung richtet sich nach der Schwere des Delikts.»

Ueli Mäder, Professor für Soziologie an der Universität Basel, glaubt, dass die Belohnungen nur in Fällen sinnvoll sind, wenn sie eine Art Entschädigung darstellen. «Gerade Personen, die Täter belasten, exponieren sich, wenn es zur Gerichtsverhandlung kommt. Zeugen gehen oft ein gewisses Risiko ein. Die Prämie ist dann ein Ansporn, sich einen Ruck zu geben und auszusagen.»

Gefahr der Gewöhnung

Der Kategorie von Belohnungen, die nicht an eine konkrete Person oder eine Tat gerichtet ist, steht Mäder eher kritisch gegenüber. «Wir erleben gegenwärtig eine Belohnungs-Kultur für Handlungen, die im Grund selbstverständlich sein sollten.» Da drohe die Gefahr der Gewöhnung. «Die Leute beginnen mit der Zeit, mit der Belohnung zu rechnen. Sie kalkulieren sie mit ein.» Im schlimmsten Fall könne dies dazu führen, dass ein Zeuge einen Tipp für sich behält, bis eine Belohnung ausgesetzt wird, befürchtet Mäder.

Beim Prattler Feuerteufel soll die Belohnung wohl in erster Linie als Motivationsspritze dienen. Drei Tage nacheinander legte der Täter Feuer, immer im selben Haus, jedes Mal um die Mittagszeit. Gut möglich, dass einige Anwohner nun stärker darauf achten, wer sich im Gebäude herumtreibt - sie könnten Inspektor Zufall ein wenig unter die Arme greifen.

Die 5000 Franken wären im Erfolgsfall als eine Art Lohn zu betrachten - wenngleich zu einem ziemlich hohen Stundensatz. Wann im Baselbiet die Behörden letztmals für einen erfolgreichen Tipp eine Belohnung ausgeschüttet haben, konnte Sprecher Stöcklin nicht sagen. Darüber werde keine Statistik geführt.