«Mit dem gegenwärtigen steuerlichen Hintergrund wird der Kanton wohl keine neuen Unternehmer ansiedeln können», sagt High-Tech-Unternehmer Rolf Schäfer. Schäfer, Mitinhaber der CIS Pharma in Bubendorf, weiss, wovon er redet. Er rechnet vor: Ein Baselbieter Hightech-Unternehmer zahlt sich einen Jahreslohn von 450 000 Franken. Da das in seiner Firma steckende Vermögen mit 64 Millionen Franken bewertet wird, muss er 500 000 Franken Vermögenssteuer bezahlen. Dies kann er von seinem Lohn nicht.

Also muss er dem Unternehmen weitere 500 000 Franken als Dividende entnehmen. Damit steigt sein Einkommen auf 950 000 Franken, was auch die Einkommenssteuern erhöht. «Also bezahlt der Unternehmer 220 000 Franken Einkommens-, 80 000 Franken Bundes- und 500 000 Franken Vermögenssteuer. Das sind 190 Prozent seines Lohns.»

«Die im Beispiel beschriebene Vermögenssteuerbelastung ist korrekt. Der Kanton Basel-Landschaft gehört zu den Kantonen mit einer sehr hohen Vermögenssteuerbelastung», bestätigt Peter Nefzger, Vorsteher der kantonalen Steuerverwaltung. Allerdings werde die Dividende beim Kanton nur zum halben Satz besteuert und beim Bund zu 60 Prozent.

Wenn der Fiskus zweimal klingelt

Ob zum halben oder ganzen Satz: Schäfer findet es «eine Katastrophe», dass der Unternehmer das Geld, das er für die Vermögenssteuer contre cœur dem Unternehmen entzieht, und das er lieber für Innovation einsetzen würde, auch noch als Einkommen – also doppelt – versteuern muss.

Doch wäre dies nicht auch bei einem tieferen Vermögenssteuersatz der Fall? Ja, heisst es beim Kanton: «Der Mechanismus, wonach jemand für die Bezahlung der Vermögenssteuer sein persönliches Einkommen erhöhen und versteuern muss, ist grundsätzlich auch bei einem tieferen Vermögenssteuersatz gegeben», erklärt Felix Sidler, Geschäftsleitungsmitglied der Steuerverwaltung. «Nein», betont dagegen Schäfer. «Der Vermögenssteuersatz in anderen Kantonen ist bis zu 12-mal tiefer und fällt deshalb kaum für den Entzug von Firmenkapital ins Gewicht.»

Der reine Vergleich des Vermögenssteuersatzes greift allerdings zu kurz. So bestätigt zwar ein Unterbaselbieter Unternehmer, der namentlich nicht genannt sein möchte, Schäfers Berechnungen: «Doch ein grosses Thema ist auch die Bewertung der Aktien von Unternehmungen, welche nicht an der Börse kotiert sind. Es kann sein, dass im Kanton X der Steuersatz höher ist als im Kanton Y, dafür die Bewertung der Aktien im Kanton Y um einiges höher. Schlussendlich kann dies dazu führen, dass die Steuerbelastung unter dem Strich dieselbe ist.»

Andere Vorteile herausstreichen

«Das Problem der zu hohen Vermögenssteuern ist erkannt», berichtet Wirtschaftsförderer Thomas de Courten. Ihm kommen Klagen wie jene Schäfers bei seinen Gesprächen mit Unternehmern immer wieder zu Ohren.

De Courten verweist darauf, dass dazu bereits zwei Vorstösse im Landrat überwiesen wurden und der Regierungsrat die Überarbeitung der Vermögenssteuer ins Regierungsprogramm aufgenommen habe. «Doch derzeit fehlen dem Kanton die dafür nötigen finanziellen Spielräume.» Beim Standortmarketing weise man entsprechend auf andere Vorzüge des Kantons hin, wie sie beispielsweise aus den Studien der UBS (bz vom Mittwoch) hervorgehen.

Auch die Wirtschaftskammer ist mit der Frage vertraut: «Bei der Vermögenssteuer belegt der Kanton Baselland im schweizweiten Vergleich einen der hintersten Plätze. Ohne rasche Korrektur besteht die Gefahr, dass dem Kanton weiter dringend benötigtes Steuersubstrat verloren geht», erklärt Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser (FDP). Er fordert eine Gesamtauslegeordnung: «Da gehört neben der Vermögens- und der Einkommenssteuer auch die Unternehmenssteuerreform III mit dazu. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftsoffensive braucht es ein Steuer-Setting für Unternehmen, das in erster Linie konkurrenzfähig und investitionsfreundlich ausgestaltet ist.»

«Die Frage der Vermögensbesteuerung muss man auf der Ebene einer schweizerischen Steuerharmonisierung angehen», betont dagegen Finanzkommissionsmitglied Ruedi Brassel (SP). «Das Problem ist die Steuerdumping-Politik einiger Kantone, welche die fettesten Brocken ins eigene Nest zu ziehen versuchen. Gesamthaft kann diese Rechnung nicht aufgehen.»