Ist von Landwirten die Rede, ist auch fast ebenso oft vom Hang zum Klagen die Rede, der Fokussierung aufs Problematische. In ein ganz anderes Horn bläst Andy Gass. Der 51-jährige Wenslinger ist nicht nur Gemeindepräsident im Nebenamt, sondern eben auch ein durch und durch optimistischer Vertreter seiner Gilde. Die optimistische Grundhaltung ist für ihn zentral. «Ausserdem muss man doch auch zufrieden sein können.»

Und zufrieden, das ist er – grundsätzlich jedenfalls. Er hält Aufzuchtrinder und Mutterkühe in einer Betriebsgemeinschaft, betreibt Getreideanbau nach IP-Suisse-Standard, presst jährlich 2000 Liter Rapsöl und vermarktet es direkt, ist Teilhaber einer Gemeinschaft, deren Aufträge aus dem Dreschen anderer Äcker besteht, sammelt und restauriert schliesslich – seine grosse Leidenschaft – alte Landmaschinen. Doch etwas fehlt in seinem Leben, und das ist eine Frau.

Darum ist er in der aktuellen Staffel von «Bauer, ledig, sucht …» auf dem Fernsehsender 3+ zu sehen. Für ihn liegt das Ganze schon über zwei Monate zurück: Mitte Mai war die sogenannte Hofwoche, während der er und «seine» Manuela täglich von morgens um neun bis abends um fünf von Kameramann, Produzent, Realisator und Tontechniker begleitet wurden. «An Arbeit war in dieser Woche nicht zu denken», sagt er.

Man gibt viel preis

Noch läuft die Staffel, heute Donnerstagabend wird die nächste Episode ausgestrahlt. Andy Gass will nicht verraten, wie das Ganze ausgegangen ist. Darauf angesprochen, verzieht er keine Miene; kein verschmitztes Grinsen, kein abwehrendes Drucksen. Natürlich, als Gemeindepräsident Wenslingens, im Amt seit sechs Jahren, weiss der Landwirt um seine Wirkung gegenüber Dritten.

Er weiss auch, wie man vor Publikum spricht. Als dann aber die Kameras um ihn schwirrten, Anfang Mai bei der sogenannten «Stubete», also dem Kickoff zur laufenden Staffel und dem ersten Treffen mit den Kandidatinnen, überkam ihn doch etwas die Nervosität. «Aber das ist ja auch eine spezielle Kennenlern-Situation», sagt er. Denn die Kameras waren vom ersten Augenkontakt an dabei. Mit Christa Rigozzi und Marco Fritsche aber habe man ganz auf Augenhöhe zusammensitzen können.

Von Sensationslust oder künstlichem Aufgebausche will er trotzdem nichts hören. «Natürlich gibt man viel von sich preis. Es wird sprichwörtlich jede Ecke im Schlafzimmer ausgeleuchtet. Aber wenn man bat, etwas nicht aufzunehmen, wurde dem auch immer entsprochen», sagt Andy Gass, der von einer gemeinschaftlichen Produktion spricht, für die er viel habe miteinbringen können.

Authentizität statt heile Welt

Von Anfang an habe er auch gesagt, dass er für keine «Heile-Welt-Tieraufnahmen» zur Verfügung stehen werde. «Ich wollte mich zeigen, wie ich bin, und nichts vorgaukeln. Und das habe ich, glaube ich, auch geschafft.»

Nun wird er gelegentlich erkannt auf der Strasse, auch ausserhalb seiner Wohngemeinde. Das dürfte sich in den kommenden Wochen noch verstärken. Eine Belastung sei das allerdings nicht. Die meisten würden sich ohnehin nicht trauen, ihn anzusprechen, obwohl ihm das eigentlich lieber wäre – «Ich bin da ganz offen – auch wenn man mit dem Ganzen nichts anfangen kann.»

Angemeldet hat sich Andy Gass übrigens nicht selbst: Der Sender sucht aktiv Teilnehmer, über einen Tipp aus dem Dorf stiess man auf ihn. Er bedingte sich einen ganzen Monat Bedenkfrist aus, schliesslich wollte er sich mit seinen Kollegen, seinen Mitbewohnern und im Gemeinderat beraten. «Es hat mich einfach interessiert, wie so was abläuft.» Angst vor Entblössung hatte er übrigens auch keine: Als Gemeindepräsident sei man ohnehin, zumindest in Teilen, eine Person des öffentlichen Lebens.

Und was erwartet er nun von der Unterhaltungsserie? «Nichts» wäre gelogen, «alles» aber auch. «Das Ziel war tatsächlich, eine Frau fürs Leben zu finden. Wird es nicht erreicht, war es trotzdem eine fantastische Erfahrung.» Andy Gass lässt sich definitiv nichts entlocken. Zum Gespräch in seiner Wohnküche erschien er allein.