Da kommt einer der weltweit teuersten Vögel unter den Hammer: Das Auktionshaus Rölli in Luzern versteigert ein «Basler Dybli», eine der begehrtesten Briefmarken und Traum eines jeden Sammlers. Das Besondere an dem Brief, der Mitte Februar versteigert werden soll: Der Absender war ein Baselbieter, G. Stehlin aus Niederschönthal, dem heutigen Ortsteil von Füllinsdorf. Die «Basler Taube» war nämlich eine Briefmarke, die nur für Briefe gültig war, die innerhalb des Basler Stadtgebiets verschickt wurden.

«Der Brief wurde in Niederschönthal geschrieben und mit einem handschriftlichen ‹Franco› versehen», berichtet Christian Holling, Philatelist bei der Rölli-Schär AG. «An der Stadtgrenze wurde der Brief, versehen mit einer Basler Taube, der Post übergeben und entwertet.»

Quittung für Spezereihändler

Der Stempel datiert vom 10. August 1846. Gemäss den damaligen Gepflogenheiten steckte das Schreiben nicht in einem Couvert, sondern war ein sogenannter Faltbrief, der zusammengefaltet und zugeklebt wurde. Trotz der stark verblassten Schrift lässt sich heute noch von blossem Auge entziffern, dass Stehlin dem Spezereihändler
Rudolf Bloch am «Rüdengässlein 1655» in Basel einen Zahlungseingang bestätigte. Was genau Stehlin zu einem Stückpreis von 32 Rappen – andere Zahlen sind wegen der ausgeblichenen Tinte nicht ohne weiteres zu entziffern – an seinen Stadtbasler Kunden geliefert hatte, muss der Sammler, der den Brief ersteigert, wohl mit archäologischen oder kriminologischen Methoden entziffern, beispielsweise besonderem Licht, das verblasste Tinte wieder sichtbar macht.

Es ist allerdings nicht sicher, ob sich der künftige Besitzer für solche lokalhistorische Details interessieren wird: Das Hobby Briefmarkensammeln ist hierzulande stark rückläufig. «Hochpreisige Marken sind hingegen weiterhin stark gefragt», erklärt Holling. Dabei geht es weniger um das Vervollständigen einer Sammlung als um Wertanlagen in einer Zeit, da Optionen nichts einbringen, Aktienkurse instabil sind und Gutbetuchte lieber in Kunst oder wertbeständige Raritäten investieren.

Und rar ist die damalige Basler Briefmarke garantiert: Von den im Jahr 1845 gedruckten 41 400 Stück sind nur noch wenige erhalten: Holinger nennt 356 Briefe und 81 Briefteile, auf denen die weltweit erste mehrfarbige Marke klebt. Und die Chance, irgendwo auf dem Dachboden noch ein gut erhaltenes Exemplar zu finden, ist nach rund 161 Jahren, nachdem das «Dybli» im September 1854 seine Gültigkeit verlor, minimal.

Dabei ist so ein Fund die Sehnsucht aller, die als Bub mit abgeplatteter Pinzette Marken ins Album steckten: Schliesslich wird die Basler Taube mittlerweile zu sechsstelligen Summen gehandelt: 2014 erzielte ein Brief mit dem seltenen Vogel bei einer Auktion 103 700 Franken. Die Niederschönthaler Taube, vom Auktionshaus als «sehr schönes Exemplar» klassifiziert, wird in der Auktion zu einem Startpreis von 20 000 Franken angeboten.

Holling rechnet mit einer internationalen Bieterschaft: «Der Markt für seltene, wertbeständige Marken hat sich in die USA, nach China und nach Russland verlagert.» Dagegen sei die sogenannte «Abonnements-Sammelware», also Marken ab 1950, kaum noch gefragt.

Mit anderen Worten: Es gibt zwar einen Katalogpreis. Doch bei den Seltenen wird dieser zunehmend überboten. Und bei den Marken jüngeren Datums muss der Sammler froh sein, wenn er einen Abnehmer findet, der den Katalogpreis bezahlt.