Die Zeit ist um, die Schleuse öffnet sich, und das Wasser läuft. Sekunden später ist alles überschwemmt. Der Klempner konnte die Wasserleitungen nicht mehr rechtzeitig reparieren.

Zum Glück nur ein Spiel, und der Spieler kann es einfach nochmals von vorne beginnen. In «Plumber 3 D» schlüpft der Spieler in die Rolle eines Azubis, der dem überforderten Klempner helfen muss. Das Ziel: Ein defektes Röhrensystem in einer vorgegebenen Zeit reparieren. Durch das Berühren der Röhren lassen sich diese in die richtige Position drehen. Je geschickter sich der Spieler anstellt, desto höher die Auszeichnung, die er erhält. Das Spiel für Android und iPhone/iPad begeistert mit einer hochauflösenden Grafik in 3 D und ist von der noch jungen Baselbieter Firma Plausch Studios entwickelt worden.

Lernen durch Selbststudium

Vor einem halben Jahr gründete Dominik Zipfel die Firma Plausch Studios. Zuvor studierte Zipfel an der Höheren Fachschule Nordwestschweiz in Pratteln Informatik, am Ende musste er eine Diplomarbeit schreiben. «Hierzu entschloss ich mich, mit einem Freund zusammen ein Spiel zu programmieren. Das Spiel erschien zwar nie, da es als Erstprojekt zu umfangreich und komplex war», so Zipfel. Für den erfolgreichen Abschluss der Fachschule habe es aber gereicht.

Er grinst, als er das erzählt. Der 28-jährige Binninger hatte daraufhin Blut geleckt – im Gegensatz zu seinem Freund, der sich wieder der reinen Informatik zuwandte. Zipfel sagt: «Das Programmieren und Designen hat mich gepackt. Vorher dachte ich immer: Ein Game entwickeln? Viel zu schwierig.» Mit dem Ziel vor Augen, Gameentwickler zu werden, bewarb sich Zipfel bei der Zürcher Hochschule der Künste für den Studiengang Gamedesign. Die Aufnahmeprüfung bestand er jedoch nicht. Anfangs sei das für ihn natürlich eine grosse Enttäuschung gewesen, wie der Binninger bestätigt. «Doch ich dachte mir: Das, was man an einer Hochschule lernen kann, kann ich mir auch selber beibringen.»

Und tatsächlich: Zipfel hat es geschafft. «Seit Dezember ist mein erstes Spiel für Android verfügbar und seit einer Woche auch für iPhones», erklärt der Game-Designer sichtlich stolz. «Plumber 3 D» ist das erste Spiel von Plausch Studios. Das Spiel umfasst insgesamt 600 Levels, davon sind 55 kostenlos auf Android spielbar. Für die Idee des Spiels erinnerte er sich seiner Kindheit, wie der Entwickler erzählt: «Früher hatte mein Vater einen uralten Computer, auf dem er immer spielte. Für meine Geschwister und mich war der aber tabu. Vater spielte immer ein Spiel mit Röhren, die er in einer bestimmten Zeit verbinden musste.» Das habe ihn fasziniert, und daran habe er sich erinnert.

Die Levels bei «Plumber 3 D» werden im Spielverlauf immer schwieriger. «Ein Algorithmus berechnet die Anzahl Lösungsmöglichkeiten. Je weniger Möglichkeiten es gibt, desto schwerer ist das Level», so Zipfel und weiter: «Programmieren ist reine Logik und Mathematik. Für das Entwickeln eines Spiels braucht es unglaublich viele Formeln und Gleichungen sowie Kreativität beim Design.» Doch das scheint ihn nicht zu stören, die Freude ist ihm anzusehen.

Gameszene praktisch inexistent

Zipfel kann durch Plausch Studios nicht leben. Er verdient zwar durch den Verkauf der Spiele – «Plumber 3 D» kostet 1.99 Franken – und der Werbung, diese erscheint in den Wartepausen des Spiels. Das reicht aber nicht zum Leben. «Meine Freundin unterstützt mich finanziell», erklärt Dominik Zipfel. Alle Investitionen, die er für den Aufbau der Firma und das Gameentwickeln benötige, sei Eigenkapital gewesen. Für ihn sei es wichtig, ein Schweizer Produkt zu erstellen, so der Entwickler. Noch ist die Schweiz vor allem ein Land der Spieler und nicht eines der Entwickler. Das Entwicklungsstudio Giants Software, Macher der erfolgreichen «Landwirtschafts-Simulator»-Reihe, hat zwar seinen Sitz in der Schweiz, dann aber kommt lange nichts.

Zipfel möchte dies ändern – zumindest ein wenig: «Ich möchte ein Kleinunternehmen werden mit zwei bis drei Mitarbeitern.» Ein Anfang ist mit «Plumber 3 D» getan, die Downloadzahlen steigen stetig. Von einem grossen Erfolg möchte Zipfel trotz allem noch nicht sprechen. Er sagt: «Erfolgreiche Spiele werden oft von Firmen aus dem asiatischen Raum kopiert, die eine billige Kopie machen und damit Geld verdienen. Auf der einen Seite sehr ärgerlich, auf der anderen Seite natürlich ein grosses Lob für die Entwickler.» Bei «Plumber 3D», sagt er, sei das aber noch nicht der Fall.

Infos: plausch.net