Monica Gschwind (FDP, Hölstein, bisher)

Die Bildungs-Initiativflut konnte sie nicht aus der Ruhe bringen

Vor vier Jahren zog Monica Gschwind triumphal in die Baselbieter Regierung ein. Aus dem Stand erzielte die Freisinnige das viertbeste Resultat und liess sogar Parteikollegin und Bisherige Sabine Pegoraro hinter sich.

Gschwind profitierte dabei vom bürgerlichen Viererticket und wurde im Windschatten von Anton Lauber und Thomas Weber ins Amt gezogen. Auch die Unterstützung des Komitees «Starke Schule», das Gschwind von Anfang an als neue Bildungsdirektorin aufbaute, half. Die anfängliche Skepsis, ob die Hölsteiner Treuhänderin in der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion am richtigen Platz ist, erwies sich als unbegründet.

Tatsächlich kann Gschwind nach ihrer ersten Legislatur auf einige Erfolge zurückblicken: Sie manövrierte den Kanton durch die Handschlag-Affäre, emanzipierte sich vom Komitee Starke Schule und gleiste die Umstellung auf eine Lehrmittelfreiheit an den Schulen auf. Auch beim Kulturvertrag und der Uni-Finanzierung handelte sie eine Lösung aus. Nur der von ihr gewünschte Ersatz des Bildungsrates durch einen kompetenzlosen Beirat scheiterte vor dem Volk. Als einzig verbliebene FDP-Kandidatin dürfte sie die Wiederwahl schaffen.

Anton Lauber (CVP, Allschwil, bisher)

Die schwarzen Zahlen sind sein Bewerbungs-Schreiben

Von allen Kandidaten dürfte es Anton Lauber am leichtesten fallen, darauf zu antworten, weshalb er wieder in die Regierung gewählt werden soll. Zwei Wörter genügen: schwarze Zahlen. Der Finanzdirektor hat in der laufenden Legislatur seinen Worten Taten folgen lassen und den Staatshaushalt 2017 aus den roten Zahlen geführt. Mehr noch: Die Prognosen gehen bis 2022 von jährlichen Überschüssen jenseits der 50-Millionen-Franken-Marke aus. Und das trotz der jedes Jahr anfallenden Kosten der Pensionskassen-Sanierung.

Der Allschwiler Anwalt geht unbeirrt seinen Weg, seit er 2013 in die Regierung kam. Sein nächstes Ziel lautet Schuldenabbau, und die wenigsten glauben an ein Scheitern Laubers. Für seine Partei, die CVP, ist er so etwas wie die Lebensversicherung. Und seit seinem ersten Amtstag ist Lauber der Leader im Regierungs-Quintett.

Allerdings: Die schwarzen Zahlen haben einen Preis. Der Sparkurs, den Lauber unerbittlich voranpeitschte, hat Spuren hinterlassen. Vor allem beim Staatspersonal hat der smarte Finanzdirektor nicht nur Freunde gewonnen. Die Wiederwahl dürfte ihm dennoch kaum zu nehmen sein. Dafür wirken die beiden eingangs erwähnten Wörter zu stark.

Isaac Reber (Grüne, Sissach, bisher)

Im Amt erfolgreich und von den Bürgerlichen adoptiert

Isaac Reber ist ein Phänomen. Als mittlerweile dienstältester Regierungsrat – er wurde 2011 gewählt – segelt er unbestritten der Wiederwahl entgegen. Und das, obwohl seine Partei, die Grünen, sich bei einem Wähleranteil von nur knapp zehn Prozent nicht beschweren dürften, wären sie in der Baselbieter Exekutive nicht vertreten.

Der Sissacher Sympathieträger hat sich aber in einer Nische eingerichtet, aus der er nur schwer zu verdrängen ist. Er hat es geschafft, in den vergangenen vier Jahren nicht der «einzige Linke» in der bürgerlichen Regierung zu sein. Die vier bürgerlichen Kollegen haben Reber praktisch adoptiert und als einen der ihren anerkannt. Das sieht man schon nur daran, dass er als grüner Sicherheitsdirektor kaum Angriffen von FDP oder SVP ausgesetzt ist, die das Thema sonst für sich beanspruchen.

Tatsächlich hat Reber Erfolg: Allen voran die Einbruchsstatistiken sehen Jahr für Jahr besser aus. Aber auch die Reorganisation der Kantonspolizei oder die Beruhigung der Fehde zwischen Staatsanwaltschaft und Fachkommission hat er geschafft. Ausserdem ist es fast sicher, dass die bürgerliche Wählerschaft Reber der SP-Kandidatin Kathrin Schweizer vorzieht.

Thomas Weber (SVP, Buus, bisher)

Das Scheitern der Spitalfusion wird nicht ihm angelastet

Wäre die Fusion des Kantonsspitals Baselland (KSBL) mit dem Universitätsspital Basel am 10. Februar an der Urne durchgekommen, müsste sich Thomas Weber überhaupt keine Sorgen um seine Wiederwahl machen. Er wäre als Macher dagestanden, als jener Regierungsrat, der eines der grössten und wichtigsten Projekte der letzten Jahrzehnte zum Erfolg gebracht hat. Wobei: Weber hat die Abstimmung gewonnen. Verloren wurde sie nur wegen des Neins in Basel-Stadt.

Bezeichnenderweise kam es seither niemandem in den Sinn, Webers Kopf zu fordern. Der Vorsteher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion sitzt fest im Sattel. Und hat viel zu tun. Bereits steckt er in Gesprächen mit dem KSBL-Verwaltungsrat, wie das Spital für die Zukunft gesundgeschrumpft werden kann.

Kommt hinzu, dass der Schafhalter aus Buus als gemässigter SVPler gilt, der bis weit in die politische Mitte akzeptiert ist, ja teilweise sogar von links gelobt wird. Deshalb dürfte ihm auch kein Strick daraus gedreht werden, dass die Wirtschaftsförderung im Kanton ein Sorgenkind geblieben ist – Stichwort Salina Raurica. Weber kommt zudem seine Volksnähe zugute.

Thomas de Courten (SVP, Rünenberg, neu)

Er will mit seiner Erfahrung in Bundesbern punkten

Eigentlich wäre die Bühne bereitet für die Wiederholung des bürgerlichen Märchens von 2015. Wieder treten die Kandidaten von SVP, FDP und CVP gemeinsam als Viererticket an. Wenn sie vor vier Jahren die SP aus der Regierung schmeissen konnten, weshalb sollten sie nun den Angriff der Linken nicht abwehren können?

Die Antwort hat viel mit Thomas de Courten zu tun. Im Gegensatz zu Monica Gschwind damals geniesst der Rünenberger Nationalrat weit weniger Support. So entschied die CVP-Basis explizit, de Courten nicht zur Wahl zu empfehlen. Das Viererticket ist also keine echte bürgerliche Wahl-Allianz, sondern nur der persönlichen Motivation Anton Laubers zu verdanken, entgegen dem Basisentscheid mitmachen zu wollen.

De Courten gilt für viele Mitte-Wähler als zu rechts, ein Hardliner. So sagte er Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative und zur Selbstbestimmungs-Initiative. Was de Courten hingegen in die Waagschale werfen kann, ist sein Netzwerk in Bundesbern. Dort amtet er bereits seit über sieben Jahren und präsidiert mittlerweile die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit. Dennoch dürfte es am Ende nur für den undankbaren sechsten Platz reichen.

Kathrin Schweizer (SP, Muttenz, neu)

Sie ist die Hoffnungsträgerin der versammelten Baselbieter Linken

Vier Jahre verharrte die Baselbieter SP in der Opposition, nachdem 2015 Monica Gschwind die beiden SP-Kandidaten Regula Nebiker und Daniel Münger hinter sich gelassen hatte. 2019 soll Kathrin Schweizer die zweitstärkste Partei zurück in die Exekutive führen. Dass die SP dort hingehört, wird bis weit in bürgerliche Kreise akzeptiert.

Und mit der Muttenzer Land- und Gemeinderätin setzen die Sozialdemokraten dieses Mal alles auf eine Karte. Das ist Schweizers grösster Trumpf. Möchte jemand die SP zurück in der Regierung, gibt es nur eine Wahl. Die Frage ist, wie viele Mitte-Wähler den Anspruch der SP über die bürgerlichen Interessen des Vierer-Tickets stellen und Schweizer zur Nachfolgerin der abtretenden Freisinnigen Sabine Pegoraro machen.

Denn klar ist: Schweizer politisiert durch und durch links. Die Verkehrsplanerin setzt sich vehement für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs ein, will die Bildung stärken und hält wenig vom Ausbau des Strassennetzes. Man kann auch die Frage stellen: Schafft die SP den Wiedereinzug in die Regierung 2019 nicht, wenn es einen freien Sitz und einen in der Mitte umstrittenen bürgerlichen Gegner gibt, wann dann?