Die «Arbeitsgruppe Museen» in Muttenz sucht ein neues Mitglied. Der ideale Kandidat sollte in Muttenz aufgewachsen sein oder schon lange dort leben, da eine gute Vernetzung Voraussetzung für eine gewinnbringende Mitarbeit ist. Dann sollte sie oder er zunächst mehrere Monate lang in der Arbeitsgruppe schnuppern, ehe eine definitive Aufnahme zur Diskussion steht. Anschliessend muss das neue Mitglied den 15-teiligen Grundkurs «Museumspraxis» besuchen, der verteilt über 18 Monate stattfindet. Dermassen ausgebildet wird vom neuen Mitglied erwartet, dass es wöchentlich mehrere Stunden lang im Museumsdepot Objekte instand stellt und inventarisiert.

Dafür braucht es je nach Aufgabe entweder Muskelkraft oder Fingerspitzengefühl, in jedem Fall aber Kreativität, Systematik und Ausdauer; aber auch Vertrautheit mit der modernen digitalen Arbeitsweise. Daneben sollte das Neumitglied an jedem letzten Sonntag in Monat eines der beiden Ortsmuseen hüten. Die Museumsführungen, mit oder ohne Apéro, finden meist an Wochenenden statt und bedingen ebenfalls Präsenzzeit. Nicht zu vergessen sind die Sonderaktionen wie der Frühjahrsputz, die Stuubede, der Ferienpass oder der Herbst-Arbeitstag, die meist noch ein paar Stunden bis Tage Vor- und Nachlaufzeit haben. Überhaupt muss das Neumitglied flexibel sein, da es auch kurzfristig für einen kleinen Museumseinsatz ausrücken sollte. Und, ja, es sollte allerhöchstens 60 Jahre alt sein, Dialekt sicher beherrschen und Objekte aller Art nicht als Gerümpel ansehen. Es versteht sich von selbst, dass aufgrund der umfassenden Grundausbildung vom Neumitglied erwartet wird, dass es sich für mehrere Jahre verpflichtet.

Quer zur Spassgesellschaft

Dieser Aufruf zur, vermutlich, ehrenamtlichen Mitarbeit ist keine satirische Erfindung, sondern in ähnlichem Wortlaut kürzlich im Muttenzer Lokalanzeiger erschienen. Seither wartet die Dorfgemeinschaft gespannt darauf, welcher Wahnsinnige sein Privatleben aufgeben und vorsorglich die Scheidung einreichen möchte, um Mitglied der Arbeitsgruppe Museen zu werden. Jetzt könnte man sich über die Verfasserin dieser Stellenanzeige lustig machen, da sie nicht einmal im Ansatz versucht, den Aufwand dieses zweifellos sehr wertvollen Gemeinschaftsdienstes zu kaschieren. Folglich dürften die Erfolgsaussichten der Ausschreibung angesichts der Prioritäten in unserer Spassgesellschaft eher gering sein. Genau darum verdient die Verfasserin ehrliches Lob und Anerkennung. Sofern die Museumstätigkeit tatsächlich jemanden ansprechen sollte, weiss der Interessent zumindest, worauf er sich einlässt.

Die gleiche Transparenz wäre auch den politischen Parteien zu wünschen. Bestimmt tut man niemandem mit der Behauptung Unrecht, dass von den 597 Kandidaten, die sich am vergangenen Sonntag zur Wahl in den Landrat stellten, die Hälfte davon gar nie ernsthaft das Amt in Erwägung zog. Am schlechtesten konnte die BDP in Sissach und Gelterkinden verstecken, dass sie ihre Wahllisten mit offenkundig desinteressierten Personen auffüllte – wofür sie an der Urne brutal abgestraft wurde. Handkehrum wird es unter jenen 25 Politikern, die neu in den Landrat gewählt wurden, manchen geben, der von der Komplexität, der Verantwortung und dem zeitlichen Aufwand seines Mandats überrascht werden wird.

Im Vergleich zum Wahlergebnis von 2011 werden insgesamt 48 andere Personen am 1. Juli 2015 den Landrat bestellen, was bei 90 Sitzen einen Know-how-Verlust von über 50 Prozent innert vier Jahren ausmacht. Von jenen 34, die in den letzten vier Jahren vorzeitig zurück- oder jetzt nicht mehr angetreten sind, machten viele die zeitliche Überbeanspruchung für ihren Entschluss geltend, woran selbst Sitzungsgelder und Spesenentschädigungen nichts änderten. Wie das neue Arbeitsgruppenmitglied der Muttenzer Museen werden auch Landräte zur langjährigen Mitarbeit verpflichtet. Vielleicht sollte man künftig jene, die dieser Belastung am längsten und besten standhalten, besser nicht durch eine Amtszeitbeschränkung aus dem Amt jagen.