Unterhosen, Nachthemden, Hauskleider, Badeanzüge und vieles mehr findet man in der Hanro-Sammlung. Die in Liestal produzierte Mode fand im vergangenen Jahrhundert international Anklang. Der Buckingham Palace, der Vatikan aber auch Hollywood-Diven gehörten zu den Stammkunden. Im Film «Das verflixte siebte Jahr» (1955) zeigte sich beispielsweise Marilyn Monroe in Hanro-Unterwäsche.

Die Sammlung der Hanro ist per 1. Januar 2015 als Schenkung an den Kanton Baselland übergegangen. Sie umfasst 20 000 Objekte und das Betriebsarchiv der Firma. Das grosszügige Geschenk der Hanro International AG bietet eine umfassende Darstellung des modeschöpferischen Schaffens des 1884 gegründeten Liestaler Traditionsunternehmens. Für den Kanton erfreulich, ist der Textilteil der Sammlung bereits inventarisiert. Dies dank der Bemühungen des Vereins Textilpiazza. Im Rahmen eines dreijährigen Projekts inventarisierte der Verein unter fachlicher Aufsicht der Hauptabteilung Archäologie und Museum Baselland sämtliche Kleidungsstücke. Damit wurde der Verein pünktlich zur Übernahme durch den Kanton fertig.

Sammlung bleibt am Originalort

Gelagert wird die Sammlung an ihrem Entstehungsort, auf dem ehemaligen Hanro-Areal am Benzburweg in Liestal. Im letzten Herbst entschied der Landrat einstimmig, die ab diesem Jahr anfallenden jährlichen Mietkosten von 61 000 Franken zu übernehmen. Zusätzlich wurden 250 000 Franken gesprochen, um die Sammlung objektgerecht zu lagern. Damit die teils über hundert Jahre alten Stücke dauerhaft erhalten bleiben, benötigt man eine spezielle Gleitregalanlage. Diese wird dieses Jahr eingerichtet.

«Die Hanro-Sammlung ist für den Kanton von hoher Bedeutung. Es lassen sich sehr viele Themen anhand der Sammlung untersuchen», erklärt Saskia Klaassen, Leiterin Sammlungen bei Archäologie und Museum Baselland. Thematisch passe die Sammlung laut Klaassen auch sehr gut zum Kanton, sind doch bereits die Seidenbänder der Firma Seiler in seinem Besitz. «Wir waren ein Textilindustriestandort, und haben in unseren Sammlungen entsprechende Akzente gesetzt», sagt Klaassen. Die Hanro ist heute noch Teil der Erinnerung von vielen Leuten in der Region. Hanro sei eine der grossen lokalen Arbeitgeberinnen gewesen und darum habe fast jeder jemand gekannt, der dort arbeitete, sagt Klaassen. «Viele Leute identifizieren sich auch heute noch mit der Hanro. Sie ist Teil der Geschichte des Kantons und der Einwohner der Region. Vom Kanton wurde erkannt, dass es sich lohnt, diese Sammlung zu pflegen.»

Nutzen für Lehre und Forschung

Klaassen betont die Seltenheit eines so breit angelegen Firmennachlasses, der textile Objekte zusammen mit dem Aktenarchiv bieten kann. Solche Sammlungen seien eher selten in öffentlicher Hand und derart gut für die Forschung und Lehre zugänglich. Seit Herbst 2013 ist sie die Grundlage eines Studienschwerpunkts am Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel. In Lehrveranstaltungen unter dem Oberthema «Kulturanthropologie der Kleidung» erlernen Studierende die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer Sammlung. Dies geschieht meist direkt an den Objekten, vor Ort, in Liestal.

Im letzten Jahr gelang zudem ein weiterer Coup: Der Nationalfonds bewilligte ein dreijähriges Forschungsprojekt zur Hanro-Sammlung. Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt zwischen Archäologie und Museum Baselland, der Universität Basel und der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Laut Klaassen ist das erklärte Ziel des Studienschwerpunkts und des Nationalfondsprojekts, die in der Sammlung enthaltenen Geschichten ans Licht zu holen. «Wir wissen im Moment noch nicht viel zur Sammlung. Durch die bereits gestarteten Projekte wird die Hanro-Sammlung für die Lehre eingesetzt und zu ausgesuchten Themen wissenschaftlich bearbeitet.» Aufgrund der in den nächsten Jahren erwarteten Auswertungen können dann Ausstellungen gemacht werden.

Erster Auftritt im Museum.BL

Einen ersten Einblick in die Sammlung gibt es aber bereits ab dem 13. Februar 2015 im Museum BL. In einem Teil der Dauerausstellung «Bewahre! Was Menschen sammeln» zeigen die Ausstellungsmacher, wie die Hanro-Sammlung erschlossen wurde. Enthalten sind auch Interview-Filme mit ehemaligen Hanro-Mitarbeitenden. Um die Neugier der Besucher auf die Hanro-Kleider etwas zu stillen, zeigt das Museum zudem einige ausgewählte Kleidungsstücke und Werbeplakate im Museumsfoyer.