Trinkwasser ist uns lieb und vor allem teuer. Hölstein macht das vor: Die Gemeinde will viel Geld in die Hand nehmen, um die Strategie ihrer Wasserversorgung neu auszurichten. An der Gemeindeversammlung vom 3. Dezember hat der Souverän über drei Geschäfte und knapp drei Millionen Franken zu entscheiden.

Hölstein plant mit Bubendorf einen regionalen Wasserverbund, um mit einem unabhängigen zweiten Standbein seine Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Er dient auch der gegenseitigen Liefermöglichkeit. Zwischen den Dörfern wird im kommenden Jahr eine Verbindungsleitung gebaut, die mit 20 Zentimetern Innendurchmesser grösser dimensioniert ist als üblich. Dies, um später weitere Gemeinden im Waldenburgertal mit Wasser zu versorgen. Das Projekt verschlingt 1,83 Millionen Franken. Damit ist Hölstein für Haushalte und Betriebe auf seinem Gebiet künftig selbst verantwortlich.

Der Kanton hat dem neuen Wasserverbund seinen Segen gegeben und beteiligt sich an den Planungskosten (siehe Box unten). Den Wasserpreis haben die beiden Dörfer noch nicht festgelegt. «Er soll für uns aber nicht höher sein als jetzt», verspricht Rolf Tschudin, Hölsteins zuständiger Gemeinderat. Bubendorf sei auf diese Verbindungsleitung zwar nicht angewiesen, weil es eher nach Liestal schiele. «Das wäre dann ein weiterer Schritt, den wir ebenfalls anstreben», blickt Tschudin voraus.

Nicht mehr glücklich

Mit dem neuen Verbund verabschiedet sich Hölstein aus der Wasserversorgung Waldenburgertal (WVW) AG. Die 2500-Seelen-Ortschaft ist dort seit längerer Zeit nicht mehr glücklich: Interessenkonflikte zwischen Liefer- und Bezügergemeinden sowie unterschiedliche Auffassungen über Preisgestaltung, Unterhalt und Geschäftspolitik sind die Gründe (die bz berichtete). Hölstein hat gemeinsam mit der WVW und einem Anwalt einen sogenannten Vermögensübertragungsvertrag ausgearbeitet. Laut diesem muss die Gemeinde 1,13 Millionen Franken zahlen für Leitungsabschnitte, welche sie in der Gewerbezone Bärenmatte sowie im Gebiet Kapf und Bachmatten zum ermittelten Zeitwert übernimmt.

«Dieser Vertrag ist ausgewogen. Wir haben zwei Jahre lang verhandelt», sagt Gemeinderat Tschudin. Die Wasserlieferverträge zwischen den zwei Parteien bleiben aufrechterhalten. «Mit Hölsteins Austritt aus unserem Verbund fällt auch ein Teil der Einzelbezüger weg», sagt Bruno Imsand, Verwaltungsratspräsident der WVW AG. Diese zählt zurzeit 50 Einzelbezüger, die meisten davon sind Bauernhöfe.

Imsand bestätigt, dass auch Niederdorf, Oberdorf und Waldenburg sich überlegen, als Aktionäre auszuscheiden. Die Berggemeinden Arboldswil, Bennwil, Lampenberg und Ramlinsburg, die von der Wasserversorgung abhängig seien, wollten das Heft in die Hand nehmen. Sie hätten dann die Aktienmehrheit. «Der Anschluss von Hölstein nach Bubendorf ist fürs Waldenburgertal extrem wichtig, damit alle Talgemeinden bei ausserordentlicher Trockenheit oder beim Ausfall der Quellen des Frenkentals mit Wasser bedient werden können», betont Imsand. Dafür baut die WVW im kommenden Jahr ein Pumpwerk in Niederdorf.

«Wasser brauchen wir alle»

Zudem muss Hölstein von 2020 bis 2029 der WVW jährlich mehr als 55 000 Franken an den aufgeschobenen Unterhalt bezahlen. «Das Ganze ist ein Riesenprojekt», kommentiert Tschudin, und konstatiert nüchtern: «Wasser brauchen wir alle.» Vergangenen Herbst wäre das Dorf erstmals froh gewesen, die Verbindungsleitung zu Bubendorf hätte bereits bestanden. Wegen der andauernden Trockenheit kam man ganz knapp darum herum, teure oberirdische Notwasserleitungen ins Waldenburgertal zu verlegen.

Schliesslich befindet die Gemeindeversammlung nächsten Montag über einen Eigenkapitaltransfer. Von der mit mehr als vier Millionen Franken reichlich alimentierten Spezialfinanzierung Abwasserbeseitigung sollen drei Millionen zur Spezialfinanzierung Wasserversorgung verschoben werden; die Regierung hat ihre Zusage signalisiert. Dank des Transfers kann Hölstein den neuen Wasserverbund mit Bubendorf sowie die Übernahme diverser Leitungsabschnitte von der WVW mit eigenen Mitteln stemmen.

Die Dorfbevölkerung sei über die Neuausrichtung der Wasserversorgung ständig informiert worden, sagt Gemeinderat Tschudin. Vergangenes Jahr hat die Gemeindeversammlung einen Planungskredit durchgewinkt. Er ist zuversichtlich, dass der Souverän den Anträgen des Gemeinderats folgen wird. «Wir müssen kein Fremdgeld aufnehmen. Jeder ist froh, wenn er den Hahn aufdrehen kann und Wasser fliesst.»

Tschudin unterstreicht, «dass nun etwas getan werden muss»; es bestehe grosser Nachholbedarf. Für ihn gibt es nur eins: Dass die Gemeinden regional zusammenhalten. «Die Zukunft wird zeigen – und dies ist durch Studien belegt –, dass wir zu wenig Wasser haben werden», ist Rolf Tschudin überzeugt.