Der Gemeinderat Oberwil beschloss, einen Grossteil der Zubringerdienstzonen im gesamten Baugebiet aufzuheben. Dagegen wehrt sich nun ein überparteiliches Komitee.

Im Namen des Komitees stellte Indre Steinemann an der Gemeindeversammlung von letzter Woche zwei Anträge und kündigte dazu noch die Sammlung von Unterschriften an, um das Vorhaben noch zu untermauern. «Die Unterschriftensammlung ist gut angelaufen», bilanzierte Steinemann am Montag. Das Thema sei den Menschen in den Quartieren sehr wichtig, betont auch Sibylle Kamber, die sich ebenfalls im Komitee gegen die Aufhebung der Zubringerdienstzonen wehrt. Zusätzlich haben andere Bewohner eine Beschwerde beim Regierungsrat deponiert. Deren Ausgang ist noch offen.

Mehr Geschwindigkeitskontrollen

Die Angst der Gegner dieser Massnahme ist klar: «Die Aufhebung der Zubringerdiensttafeln wird unnötigen Zusatzverkehr in die Wohnquartiere leiten. Ortsfremde Autos und Lastwagen werden die Quartierstrassen als praktische Abkürzung sowie zur Umfahrung von Stausituationen im Dorf benutzen», sagt Steinemann. Sibylle Kamber macht sich auch Gedanken um die vielen Kinder, die in den betroffenen Quartieren leben: «Für viele Kinder sind diese Quartierstrassen gleichzeitig auch der Schulweg.»

Der Gemeinderat ist sich der möglichen Folgen für die Quartierbewohner bewusst. Vor allem auf der Achse Vorderbergrain-Hohestrasse ist das Aufheben der Zubringerdienstregel umstritten. Es seien denn auch wirkungsvolle Massnahmen vorgesehen, um diese neuralgische Strecke zu entschärfen, sagt Gemeinderat Hanspeter Ryser (SVP). «Wir werden versuchen, die Geschwindigkeitskontrollen auf dieser Achse merklich zu erhöhen.» Ryser ist überzeugt, dass die Hohestrasse nach den baulichen Massnahmen so beruhigt sein wird, dass eine Umfahrung der Hauptstrasse nicht attraktiv ist. Pikant an der Sache ist zudem, dass in der Vergangenheit auch schon geplant wurde, die Hohestrasse in eine offizielle Umfahrungsstrasse umzuwandeln. Anträge in diese Richtung wurden aber stets abgelehnt.

Zubringerdienste überflüssig?

In den betroffenen Quartieren herrscht mehrheitlich Tempo 30. Der Gemeinderat beruft sich demnach auch auf kantonale Empfehlungen: «Mit der Tempo-30-Zone wird der Verkehr schon genug aufgehalten, da braucht es die Zubringerdienstzonen nicht», sagt Gemeinderat Ryser. Zentral in der Argumentation des Kantons ist auch die Kontrolle der Zubringerdienste, die fast nicht möglich sei. Zusätzlich möchte der Gemeinderat die Gleichbehandlung aller Oberwiler Quartiere erreichen.

Indre Steinemann lässt dies aber nicht gelten. Eine Abklärung beim Kanton habe ergeben, «dass weder das kantonale Recht, noch irgendwelche Vorgaben, Richtlinien oder Empfehlungen des Kantons bestehen, welche die Aufhebung der Zubringerdienstzonen in den Tempo-30-Zonen nahelegt.» Das Bundesamt für Strassen erlaube es ausdrücklich, dass Zubringerdienste in Tempo-30-Zonen belassen werden dürfen. «Dies zeigen auch Beispiele in anderen Gemeinden», sagt Steinemann.