Am 10. Februar 2019 läuft ein Film in den Wahlbüros beider Basel: «Spitalfusion: Triumph oder Fiasko?» Ein Blockbuster mit Megabudget. In den Hauptrollen: die beiden Gesundheitsdirektoren Thomas Weber und Lukas Engelberger. Seit nunmehr dreieinhalb Jahren rühren sie die Werbetrommel, reihen Auftritt an Auftritt, damit der Film am Tag X zum Kassenknüller wird. Und die Chancen stehen gut, ja besser als auch schon. Das liegt an der Handlung des Epos, das vor spannenden Konflikten und unerwarteten Wendungen nur so strotzt.

Über 250 Zuhörer im Saal

Erst eine gute Woche ist es her, da traten alle Befürworter der Fusion des Basler Universitätsspitals (USB) mit dem Kantonsspital Baselland (KSBL) geschlossen auf, präsentierten ein gemeinsames Abstimmungs-Komitee und versuchten, die Vorzüge des Zusammengehens aufzuzeigen. Dumm nur, dass sie dabei auch erwähnten, dass der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) des neuen Unispitals Nordwest (USNW) vor der Abstimmung vom 10. Februar nicht vorliegen wird. Ein gefundenes Fressen für die Kritiker.

Doch nur wenige Tage später scheint sich das Blatt erneut gewendet zu haben. Am Montagabend erhielten Weber und Engelberger ihre bislang grösste Plattform: das Kino Pathé Küchlin in der Steinenvorstadt. Die Handelskammer beider Basel – selbst Befürworterin der Fusion – hatte zur kontradiktorischen Podiumsdiskussion geladen und gleich einen ganzen Kinosaal gemietet. Über 250 Interessierte nahmen in den roten Sesseln Platz. Hätten die Regierungsräte das Drehbuch selbst verfasst, der Abend wäre wohl genau so verlaufen.

Ärzte fordern Baselbieter Neubau

Auftritt der Kritiker: Stephan Bachmann, Präsident der Basler Privatspitäler-Vereinigung, Stefan Felder, Gesundheitsökonom der Uni Basel, Tobias Eichenberger, Präsident der Ärztegesellschaft Baselland, sowie Thomas Hafen, CEO der Schönenbucher Pharma-Firma Bühlmann Laboratories. «Die 14 Direktoren der Privatspitäler beider Basel sagen einstimmig Nein zu beiden Staatsverträgen, die zur Abstimmung kommen», eröffnete Bachmann. Keiner ihrer Inputs aus der Vernehmlassung sei berücksichtigt worden. Vor allem die Doppelrolle der Kantone als Eigner des USNW und Regulatoren in der Gesundheitsregion ist den Privaten ein Dorn im Auge. Stichwort: gleichlange Spiesse.

«Wenn mit der Fusion nur 70 Millionen Franken gespart werden können, ist das bloss knapp fünf Prozent des Umsatzes», sagte Felder. Ausserdem brauche es in der kleinräumigen Schweiz schlicht nicht fünf Universitätsspitäler. Das stützte auch Hafen: «Wir dürfen nicht so kleinklein denken. Die gut 60'000 Patienten des USNW pro Jahr sind zu wenig. In Peking sind es eine Million.» Am meisten Gas gab aber Eichenberger: «Schon die interne Fusion der drei Standorte des KSBL ist gescheitert. Es herrscht heute ein Klima des Misstrauens, die Kaderärzte fühlen sich nicht wertgeschätzt, und der Betrieb ist ineffizient. Dass man diese Struktur nun mitnimmt ins USNW, verstehen wir nicht. Wir fordern fürs Baselbiet eine Ein-Standort-Lösung mit einem Neubau auf der grünen Wiese, beispielsweise in Pratteln.»

Gegner eigentlich auch dafür

Ein Stakkato der Angriffe. Die Fusion auf die Bretter geschickt wie Rocky Balboa seine Gegner. Doch dann die Wende: Je länger die Diskussion dauerte, desto mehr brach der Widerstand der Kritiker in sich zusammen. Und das nicht etwa, weil Weber, Engelberger oder auch USB-Verwaltungsratspräsident Robert-Jan Bumbacher in ihren Repliken besonders glänzten. Nein, es wurde deutlich, dass zumindest die anwesenden Kritiker aus der Wirtschaft, der Ärzteschaft und der Privatspitäler im Grundsatz sowieso für die Spitalfusion sind. Ihre Kritik beschränkt sich bloss auf einzelne Punkte der beiden Staatsverträge.

«Ein Ja zur Spitalfusion bringt durchaus Verbesserungen. Wenn die Regierungen nach einem Nein aber nochmals eine leicht überarbeitete Variante vorlegen, könnte es noch besser werden», sagte etwa Bachmann zum Schluss ganz zahm. Und Eichenberger nannte die eigene Forderung nach einem Neubau selbst chancenlos, verwies darauf, dass die Ärztegesellschaft Stimmfreigabe beschlossen habe und resümierte: «Natürlich: Kommt die Fusion nicht zustande, wäre es schlechter, als wenn sie durchkommt.» Auch CEO Hafen sprach sich letztlich für die Fusion aus. Dass am Ende des Podiums 76 Prozent der 250 Zuhörer bei einem

Spontan-Voting für die Spitalfusion stimmten, erstaunt da nicht.
Wirklich Widerstand leisten somit bloss noch die Gewerkschaften und die Basler SP. Bei Ersteren ist sich Weber, wie er der bz verrät, allerdings sicher: «Sobald ein Ja am 10. Februar Tatsache ist, wird der Widerstand nachlassen, und die GAV-Verhandlungen werden viel leichter.» Der Film über die Spitalfusion könnte für die Werbetrommler Weber und Engelberger also durchaus ein Happy End haben.