Radio Raurach gibt es längst nicht mehr. Ob das Baselbiet überhaupt noch über einen eigenen Privatradiosender verfügt, ist nach den ganzen Radio Basel/Energy-Wirren ein Fall fürs Bundesamt für Kommunikation Bakom. Doch im Rückblick erlebte Raurach vor genau 20 Jahren seine eigentliche Sternstunde – im wahrsten Sinne des Wortes.

Im Mittelpunkt des Geschehens stand an diesem 31.Juli 1992 der damals 24-jährige Baselbieter Radio-Reporter Dani Buser. Buser und die Schweizer Astronauten-Legende Claude Nicollier, um genau zu sein. Nicollier war gerade daran, im Cockpit den Countdown zu seinem legendären Space-Shuttle-Flug mit der Raumfähre Atlantis runterzuzählen, dem ersten Start eines Schweizers ins Weltall. Und keine zwei Meilen neben dem Startgelände in Cape Canaveral stand Buser und berichtete für die daheimgebliebenen Rampasse auf 101,7 Megahertz vom historischen Ereignis. Es war bei den noch nicht mal zehn Jahre alten Schweizer Privatradios die absolute Ausnahme, dass eigene Stimmen Geschehnisse aus Übersee kommentierten. In der Regel kaufte man sich solche Berichte als «Konserven» von deutschsprachigen Korrespondenten ein.

Bloss als Tourist in Florida

Auch hätte Buser eigentlich gar nicht dort sein sollen, zumindest nicht beruflich. Doch verbrachte er mit ein paar Baselbieter Kollegen die Sommerferien in Florida. Erst beim touristischen Abklappern des Kennedy Space Center erfuhr er, dass beim bevorstehenden «Atlantis»-Flug ein Schweizer mit an Bord sein würde. Also machte sich der selbst erklärte Fan «von allem, was fliegt» vier Tage später in aller Frühe von Miami aus auf nach Cape Canaveral, wo er von einem nahe liegenden Park aus unter Hunderten anderer Space-Shuttle-Fans den Start um 9.56 Uhr Ortszeit mitverfolgte. Ganz der Radioprofi, der er bereits war, übermittelte Buser noch vom Startgelände aus einen 36-Sekunden-Tonbericht ins Raurach-Studio an der Liestaler Rheinstrasse. Wie eine «1.-August-Rakete» sei die «Atlantis» abgehoben, beschrieb Buser begeistert. Erst mit «einer Minute Verspätung» habe «der gewaltige Donner» der Startzündung an seinem Standort vernommen werden können. Der persönliche Fanklub des damals eher noch unbekannten 47-jährigen Militär- und Swissair-Piloten Nicollier war ebenfalls eigens nach Cape Canaveral gepilgert und begleitete Fähnchen schwingend den Bilderbuchstart von Nasa-Mission STS-46. Wer wollte, konnte dann noch T-Shirts und Embleme bei Souvenirhändlern vor Ort erstehen.

Dani Buser für Radio Raurach über den Start von Claude Nicollier mit der Raumfähre Atlantis am 31.07.1992

Dani Buser für Radio Raurach über den Start von Claude Nicollier mit der Raumfähre Atlantis am 31.07.1992

Adolf Ogi rief ins All an

Während Buser heute als Fachmessen-Kommunikationsleiter bei der Messe Schweiz mit Stolz und leichtem Augenzwinkern auf seinen damaligen Reportereinsatz zurückblickt, blieb die STS-46-Mission aus einem ganz anderen Grund allgegenwärtig: Nach 136 Erdumkreisungen telefonierte Bundesrat Adolf Ogi am 7.August 1992 ins All und gratulierte dem Schweizer Astronauten mit den Worten «Freude herrscht, Monsieur Nicollier». Dieser Satz Ogis avancierte hierzulande umgehend zum viel und gerne missbrauchten Bonmot.

Für Nicollier sollten danach noch drei weitere Weltraumflüge mit total 42 Tagen und 12 Stunden im All folgen. Der bedeutendste, der gleichzeitig sein letzter war, fand 1999 mit der «Discovery» statt, in dessen Verlauf sich der Waadtländer Astrophysiker bleibenden Nasa-Ruhm durch die Reparatur des Weltraumteleskops Hubble sicherte. Zu diesem Zeitpunkt hiess Radio Raurach schon seit vier Jahren Radio Edelweiss, derweil der vielfach geehrte und in Tausenden von Schulvorträgen gestählte Nicollier von sich behaupten kann, dass der Asteroid 14826 noch immer seinen Namen trägt. Nur über die Schweiz ist er nie mit dem Space Shuttle geflogen. Die Umlaufbahnen seiner Raumflüge führten stets an seinem Heimatland vorbei.