Schon am zweiten Tag in Liestal erkannte Daniel Bumann, der Restaurant-Tester vom TV-Sender 3+, die Zeichen der Zeit im Baselbiet: «Sparen, sparen, sparen.» Weil das Ehepaar Schneider mit seinem «Bistro Dö» trotz guter Besucherzahlen rote Zahlen schrieb und zum Stand der Dreharbeiten mit 80'000 Franken verschuldet war, holte man den Walliser Gastro-Profi nach Liestal.

Bumanns Ton war irritierend

Nachdem er sich also durch die Speisekarte probiert und einen Einblick in Organisation und Arbeitsabläufe des Restaurants erhalten hatte, führte er sich die Geschäftszahlen zu Gemüte. Danach wusste er, wo der Hund begraben liegt. Wie einen Schüler in der Mathe-Stunde zitierte Bumann den Geschäftsführer Thomas Schneider vor das Flipchart und liess sich eine grobe Aufwand-Ertrag-Rechnung auflisten. «Es ist nicht so, dass wir nicht gewusst hätten, wo unsere Schulden herkommen», sagt Schneider. «Aber Bumann hat uns aus der Komfortzone katapultiert.»

Was Bumann dem Team des «Bistro Dö» in aller Deutlichkeit vor Augen führte, habe man früher einfach verdrängt. Als irritierend empfand man zu Beginn aber den Ton, mit dem der Walliser vor laufender Kamera zu ihnen sprach. «Manchmal dachte ich: Das hätte der mir auch anders sagen können», sagt Corinne Schneider. Bald merkte sie aber: «Das ist zu einem grossen Teil auch Inszenierung, das gehört zum Fernsehformat.»

Emotional harte Entscheidungen

Der Druck zeigte seine Wirkung. Das Ehepaar war manchmal den Tränen nah und dachte ans Aufgeben. «Es war emotional sehr hart, aber wir mussten den Tatsachen ins Auge sehen», sagt Schneider. Man musste schwere Entscheidungen im Personalbereich treffen. Entlassen wurde am Ende zwar niemand, aber die Personaleinsätze wurden stark reduziert. Auch die ursprüngliche Geschäftsidee des «Bistro Dö», die Glace aus dem Bündnerland, kam bei Bumann nicht gut an. Viel zu teuer seien Beschaffung und Lagerung. Stattdessen hat man vor, von nun an Eiscreme aus der Region zu verkaufen. Der Restaurant-Tester brachte die Betreiber dazu, der unbequemen Wahrheit ins Auge zu blicken. «Ich bin ein Träumer», sagt Schneider. «Bumann hat mich durch seine Art zurück auf den Boden geholt.»

Zahlen nach wie vor kritisch

Indes sind die Zahlen des Betriebs nach wie vor kritisch. Man schreibe im Moment zwar eine schwarze Null. «Die drohende Schliessung steht aber immer noch im Raum», sagt Schneider. Für die Besucher des «Bistro Dö» sei diese Tatsache erstaunlich, weil das Restaurant eigentlich viel Kundschaft habe. «Wir sind hier seit zwölf Jahren tätig, die Leute sehen uns als Institution an», sagt Schneider.

Rückblickend sind alle Beteiligten des «Bistro Dö» dankbar, die Erfahrung mit der Fernsehsendung gemacht zu haben. «Bumann kommt in meinen Lebenslauf», sagt Geschäftsführer Thomas Schneider. Auch sein Koch Andi Kantner nutzte die einmalige Gelegenheit, solch einen Profi im Haus zu haben. «Daniel Bumann ist ein erfahrener Profikoch mit zwei Michelin-Sternen», sagt er, «wir haben ihn mit Fragen gelöchert und dabei sehr viel gelernt.»