«Andere haben ein Magengeschwür, ich hatte halt eine Depression», sagt Trix Kunz Kamber. Sie wirkt aufgeschlossen, im Reinen mit sich selbst. Die ausgebildete Berufsbildnerin war jahrelang für die Ausbildung von Jugendlichen im Bürgerspital Basel zuständig. Sie machte ihre Arbeit gern und engagierte sich für die Lernenden. Als die Ehe mit ihrem Mann zu scheitern drohte, erlitt die Baselbieterin einen Zusammenbruch.

Suche nach Ruhe und sich selbst

Die Mutter einer 24-jährigen Tochter erzählt bedacht von ihren Suizidgedanken: «Ich wusste, wenn ich nach Hause gehen könnte, dann würde ich in mein Auto steigen und irgendwo reinfahren.» Sie war auf der Suche nach vollkommener Ruhe und glaubte, diese nur noch im Tod finden zu können. Aus diesem Grund wurde sie von den Ärzten in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie Liestal eingewiesen.

Davon kann sie nicht viel erzählen. Sie sei in einer anderen Welt, in einer Art Vakuum gewesen. Keine Erinnerungen habe sie an die Gespräche mit den Therapeuten. «Ich hatte mit allem abgeschlossen, ich konnte einfach nicht mehr.» Im Nachhinein sei sie erschrocken darüber, dass sie kaum an ihre Tochter dachte. Jetzt sei das unvorstellbar. Doch damals hatte sie keine Hoffnung mehr. Sie magerte stark ab, schlafen konnte sie nur noch mit Medikamenten.

Selbstbewusstsein verloren

Nur Gutes kann sie über die anschliessende Zeit in der offenen Privatabteilung erzählen. Kreative Aktivitäten und Gesprächstherapien gehörten zum Tagesablauf. In diesem Zeitraum habe sie die grössten Erkenntnisse über sich selbst gewonnen: Seit der Heirat mit ihrem Ehemann habe sie sich zurückentwickelt, sei unselbstständig geworden, habe ihr Selbstbewusstsein verloren. Sie habe erkannt: «Diese Abhängigkeit von meinem Mann stellte eine grössere Sucht dar als das Rauchen.» Nur mithilfe ihrer Therapeutin konnte sie sich selbst wieder finden.

Während ihres Aufenthalts in der Psychiatrie Liestal verrichtete sie ein kleines Arbeitspensum im Bürgerspital. Nach einem erneuten Rückfall erhielt sie allerdings dann die Kündigung. Dank der Invalidenversicherung (IV) konnte Trix Kunz Kamber ein Belastbarkeitstraining absolvieren, das einen Teilzeitjob in einer Mensa beinhaltete. Von ihrer Therapeutin wurde sie ermutigt, sich ein Leben getrennt von ihrem Ehemann aufzubauen. Trotz Ängsten war dieser Neuanfang rückblickend die einzig richtige Entscheidung.

In der Tagesklinik in Basel erhielt sie weitere Therapien und eine Tagesstruktur. Gleichzeitig war sie auf Jobsuche. Jedoch erfolglos. Kein Betrieb wollte der aufgestellten und charismatischen Frau eine Anstellung geben. «Ich bin halt schon 58 Jahre alt und die wollen niemanden mit einer solchen Vorgeschichte wie meiner», erzählt sie nüchtern. Verstehen kann sie es trotzdem nicht.

«Unbedingt Hilfe holen»

Seit Juni dieses Jahres arbeitet sie im Alterszentrum Bodenacker in Breitenbach, dank ihrer Betreuerin der IV. Damit wurde die 58-Jährige wieder in die Arbeitswelt eingegliedert. «Die Arbeit in der Administration und der Aktivierung der Bewohner bereitet mir grosse Freude.» Sie werde mit neuen Aufgaben zwar gefordert, jedoch stehe sie nicht unter Leistungsdruck. Der tägliche Kontakt zu den Bewohnern und die Wertschätzung, die sie erlebt, machen sie glücklich.

Anderen Betroffenen und deren Angehörigen möchte sie Mut zusprechen. «Professionelle Hilfe holen, das ist das Wichtigste.» Offene Gespräche haben ihr am meisten geholfen. Und durch ihre Kunst konnte die optimistische Baselbieterin ihre Gefühle zum Ausdruck bringen. «Früher versteckte ich meine Bilder im Keller, jetzt hängen sie an der Wand», sagt die zuversichtliche Hobbymalerin.

Wenn Trix Kunz Kamber heute die Abteilung der Psychiatrie Liestal und das Betreuungspersonal besucht, empfindet sie grosse Dankbarkeit: Dieser Ort hat sie zurück ins Leben gebracht.