Dass Oltingen mit seiner Umgebung und seinen Gärten eines der grünsten Dörfer ist, wusste man. Dass Oltingen aber auch politisch der drittgrünste Ort in der Schweiz ist, das wusste man bis anhin nicht. Ans Licht gebracht hat es kürzlich die «Schweiz am Sonntag» in einem Beitrag zur neuen Open-Data-Plattform des Bundes, wo 1658 Datensätze zu Politik, Bevölkerung und anderem online abrufbar sind (http://opendata.admin.ch), so auch die Hochburgen der Grünen in der Schweiz. Federführend ist dort aufgrund der letzten Nationalratswahlen die Gemeinde Stans mit einem Grünen-Wähleranteil von 32,1 Prozent vor Ferreyres (VD, 27,6 Prozent). Und auf dem dritten Rang liegt eben Oltingen mit 26,1 Prozent, also ausgerechnet ein Ort aus dem überwiegend konservativen Oberbaselbiet. Wie das?

Ein grüner Kopf bleibt nicht allein

Oltingens Gemeindepräsident Christoph Gerber, selber SVP-Mitglied, macht vor allem zwei Personen für dieses überraschende Resultat verantwortlich: Maya Graf und Florence Brenzikofer. Letztere ist die Präsidentin der Baselbieter Grünen und lebt seit 13 Jahren in Oltingen. Gerber: «Brenzikofer ist sehr umgänglich und sympathisch, kann von ihrer Persönlichkeit her gut mobilisieren und ist aktiv im Dorf.» Und wenn ein grüner Kopf in ein Dorf ziehe, kämen Gleichgesinnte oft nach.

Und Maya Graf, derzeit grüne Nationalratspräsidentin, komme ebenfalls aus dem ländlichen Raum und stosse mit ihren bäuerlichen Wurzeln auch bei der landwirtschaftlichen Bevölkerung in Oltingen auf viel Sympathie.

Ein Blick in die Zahlen früherer Nationalratswahlen gibt Gerber recht: Maya Graf und Florence Brenzikofer sind die Schlüssel, um die Grünen-Hochburg Oltingen zu erklären. Bei den Wahlen in den Jahren 2003 und 2007 gewannen die Grünen 17,1 und 14,9 Prozent der Stimmen. Hauptverantwortlich dafür war Maya Graf, die jeweils am zweitmeisten Stimmen hinter Caspar Baader (SVP) machte. Doch 2011 war in Oltingen alles ein bisschen anders: Maya Graf schwang mit 118 Stimmen oben aus, gefolgt von der erstmals kandidierenden Florence Brenzikofer (89 Stimmen); Caspar Baader landete nur noch auf dem dritten Platz (81 Stimmen). Brenzikofer war damit die Triebfeder, die die Grünen in Oltingen auf neue Wahlanteil-Sphären schnellen liess.

Wieso spielte dieser Effekt nicht oder viel weniger in den Nachbardörfern, wo man Brenzikofer schliesslich auch kennt? Gerber erklärt sich dies ein Stück weit mit Oltingens spezieller Situation als Passdorf; der Ort ganz im Osten des Baselbiets ist durch den Schafmatt-Übergang mit dem Mittelland verbunden. Gerber: «Oltingen ist eher offen für Neues und Fremdes. Wer zu uns kommt, wird meistens gut empfangen und die Zuzüger haben auch kein Problem, sich zu integrieren.» Diese Offenheit dürfte auch erklären, wieso der neuartige Oltinger Markt, der ganz auf regionale Produkte setzt, in den letzten Jahren ausgerechnet hier zu einem Renner werden konnte.

Florence Brenzikofer nennt als Hauptgrund, dass Oltingen etwas anders tickt, «das ausgeprägt offene, aktive, soziale und politische Dorfleben». So seien auch viele Leute aktiv geworden, als eine Ausdünnung der Buslinie drohte. Auch die Landwirtschaft und der Umweltschutz hätten einen hohen Stellenwert im Dorf; beides komme den Grünen und Ersteres auch der SVP zugute, die übrigens immer noch die stärkste Partei in Oltingen ist. Und schliesslich sagt Brenzikofer eher bescheiden: «Das Resultat der Grünen ist auch personengebunden. Maya Graf hat sehr gut abgeschnitten und ich setze mich als Oltingerin fürs Dorf ein.»