Jeden Tag über Mittag ist im Arlesheimer Gewerbegebiet Widen Stau. Aber nicht die Autos stehen an, sondern die Hungrigen und zwar vor dem «Gourmet Grill» am Birsweg. Wurstsalat, Gourmet-Burger, Hacktätschli, Hotdog und Croque Monsieur: Das sind die Gerichte auf der Karte, die die Massen anlocken. Aber auch Jägerschnitzel, Ghackts mit Hörnli und Apfelmus sowie Salate lassen den Wartenden das Wasser im Munde zusammenlaufen. Beim Besuch der bz gabs Spaghetti Russia (Rahmsauce und Wodka).

Knuspriges Brot, edles Fleisch, pikante Sauce: Der Gourmet-Burger.

Knuspriges Brot, edles Fleisch, pikante Sauce: Der Gourmet-Burger.

Das klingt jetzt wie ein ganz gewöhnlicher Imbiss, und äusserlich ist der «Gourmet Imbiss» auch einer: Das Essen wird aus der offenen Luke eines Wagens serviert; verzehren kann man es entweder stehend im Zelt oder sitzend im geheizten Container. Je nach Hunger mehr oder weniger appetitlich sind die Bilder der Mahlzeiten, die an der Wagenwand hängen. Für einen echten Imbiss fehlt eigentlich nur eines: Rasenteppich. Rasen gibt es zwar, aber der ist echt. Doch etwas Spezielles muss der Gourmet-Grill haben, was die hungrigen Massen täglich hierher zieht. Denn rund 60 Mahlzeiten serviert das Wirteehepaar Veronique und Ruedi Läubli jeden Mittag. Allein die Berliner Currywurst geht täglich 25 Mal über die Theke. Logisch, dass man recht lange warten muss.

Fast gegenüber ist ein Thailänder, etwas weiter ein anderer Imbiss. Und die Firma Würth unmittelbar nebenan hat eine Kantine. Wieso strömen die hungrigen Massen trotzdem zum «Gourmet-Grill»? Weil man im Zelt rauchen darf? Weil das Angebot für einen Imbiss auffallend breit ist? Oder schätzen die viele Gäste einfach nur das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis? Hier kostet alles weniger als zehn Franken, das Tagesmenü mit Salat gibt’s immer für 9 Franken 50 – egal ob Spaghetti oder Hirschpfeffer. Vielleicht wollen die Stammgäste einfach nur wieder mal den Schnitzelbangg an der Wand lesen, wo es heisst: «Härzlig willkomme bi uns am Schtand, d Lyt vo der Schtadt und au vom Land.» Oder steht man gerne am Wagen im Widen-Gebiet an, weil das Wirteehepaar trotz Stress – der Andrang über Mittag ist heftig – freundlich und ruhig bleibt?

Nicht ganz so volkstümlich

Für die beiden ist klar, woher der Erfolg kommt: «Die Qualität», sagt Veronique Läubli, die serviert. «Bei mir gibt’s nichts fertig Paniertes aus der Tiefkühltruhe, das man in die Fritteuse schmeisst», präzisiert ihr Mann Ruedi, der kocht. Jeden Tag fährt er mit seinem quietschroten Piaggio-Dreirad von Reinach, wo er und seine Frau Veronique daheim die Mahlzeiten frisch zubereiten, ins Widen. Das Fleisch holt er in der Metzgerei Jenzer in Arlesheim. Dort sei es zwar teurer, sagt er. «Aber die Gäste schätzen Qualität.»

Das ist nicht in jedem Imbiss so. Vielleicht ist das Publikum hier ein Spürchen weniger volkstümlich als in anderen Imbissen. Zwar verkehren auch hier Handwerker. Aber ganze Einheiten von Büroangestellten aus den angrenzenden Firmen holen sich hier ihren Zmittag oder einen Nespresso. Am Morgen kommen die Hündeler vom Birsufer, für ein Gipfeli – oder für einen Schwatz. «Und wir haben viele Arlesheimer, die einfach keine Lust haben, daheim zu kochen», sagt Veronique Läubli.

Kurz nach 13 Uhr ist der Andrang schon vorbei. Nicht mal am Freitag gönnen sich die Werktätigen eine längere Mittagspause. Als Erinnerung mitgenommen haben sie das Ende des Schnitzelbanggs auf dem Wagenblech: «S Team sait dangge, schön bisch do aane cho. Wenns passt hett, schtohsch bald wieder do.» Das werden die meisten tun. Trotz Warteschlange.