Der Baselbieter Jagdverwalter Ignaz Bloch will es genauer wissen. Bis jetzt ging er davon aus, dass sich plus-minus vier Luchse im Kanton aufhalten, zwei im Raum Blauen, zwei im Belchen-Passwang-Gebiet. Plus-minus deshalb, weil Luchse bis zu 30 Kilometer pro Nacht zurücklegen und so in der enggliedrigen Nordwestschweiz praktisch ständig Grenzgänger sind. Doch in letzter Zeit hätten sich Luchssichtungen gehäuft, sei es durch Beobachtungen von Jägern oder von Fotofallen abgebildete Tiere, sagt Bloch. So ist im August ein Muttertier mit zwei Jungen in Bennwil und im September ein Luchs in Eptingen geblitzt worden. Doch das sind Zufallsbefunde und Bloch hätte es gerne systematisch. Diese Gelegenheit bietet sich jetzt.

Die Wanderstrecken im Fokus

Der Jurabogen ist bezüglich Luchsuntersuchungen in drei Kompartimente eingeteilt, die einzelnen Kompartimente werden alle drei Jahre mittels Fotofallen von Kora (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) genauer angeschaut. Die Nordwestschweiz war letztmals Anfang 2010 an der Reihe; damals wurden sechs Fotofallen im Baselbieter Kettenjura installiert. Und nun ist es von November bis Ende Januar wieder so weit, mit dem Unterschied, dass die Baselbieter Jagdverwaltung vorgesorgt hat: Sie hat 50 spezielle Fotoapparate gekauft–jede Fotofalle ist mit zwei Apparaten bestückt, damit ein Luchs beidseitig erfasst werden kann –, die nun zwischen dem Blauen und dem Tafeljura zusätzlich aufgestellt werden. Im Fokus stehen dabei vor allem Forstwege, die dem Luchs als Transitstrecken dienen könnten, damit sein Wanderverhalten besser nachvollziehbar wird. Bloch sagt: «Wir erhoffen uns ein differenziertes Bild.» Er rechnet derzeit mit sechs bis acht Luchsen im Baselbiet.

Der höhere Bestand an Luchsen hat bereits Auswirkungen auf seine Akzeptanz. Bloch: «Ich beobachte in Jagdkreisen eine gewisse Zurückhaltung gegenüber dem Luchs.» Der Grund: Die Raubkatze ist ein Konkurrent bei der Jagd auf Rehe, und ihre Präsenz bewirkt zudem, dass die Rehe heimlicher und damit schwerer erlegbar werden. Doch auch wenn das verbesserte Monitoring zeigen sollte, dass um einiges mehr Luchse hier leben, sieht Bloch keinen Handlungsbedarf: «Unsere Grundhaltung heisst, der Luchs ist willkommen und er soll seinen Platz haben.» Eine höhere Dichte sei vorübergehend, weil die Tiere bei sinkendem Nahrungsangebot wieder abwanderten. Langfristig rechnet Bloch mit vier Luchsen im Kanton.

Jäger ist grösste Gefahr für Rehe

Geht der kantonale Rehbestand von geschätzten 4000 Tieren tatsächlich zurück, könnte das zu einer tieferen Einschätzung der Jagdreviere führen, wodurch die Jäger weniger Pachtzins bezahlen müssten. Ein Luchs frisst pro Jahr etwa 50 Rehe, 250 werden im gleichen Zeitraum im Baselbiet überfahren, 150 von der Landwirtschaft vermäht oder von Hunden gerissen und 1200 von Jägern erlegt. Und: Noch nie sei bisher im Baselbiet ein Nutztier von einem Luchs gerissen worden, sagt Bloch.