Schnee, Lawinen, Steinschlag – die Baselbieter CVP-Fraktion hat auf ihrem Ausflug einiges erlebt. Und mit ihnen Finanzdirektor Anton Lauber

Und weil Zermatt über Tage von der Aussenwelt abgeschnitten blieb, verlängerte sich der Ausflug bis auf gestern Mittwoch.

Spöttischer Applaus

Zur Eröffnung der Baselbieter Landratssitzung hat Präsidentin Elisabeth Augstburger (EVP) am Donnerstag die Rückkehrer aus Zermatt gesondert begrüsst: "Wir freuen uns, dass auch alle Landratsmitglieder, die in Zermatt eingeschneit waren, wieder zurück sind." Das sorgte für einigen leicht spöttischen Applaus und Gelächter unter denen, die nicht in den Genuss der zusätzlichen halben Zwangsferienwoche gekommen waren.

Gleich zu Beginn der Sitzung ratterte CVP-Landrat Franz Meyer als Präsident der Umweltschutz- und Energiekommission den Bericht zur Änderung des Denkmal- und Heimatschutzgesetzes dann aufreizend staubtrocken und im epischer Länge runter. Ob es die Nachwirkungen der feuchtfröhlichen Zermatter Jassrunden waren oder der schwierige Wiedereinstieg in den Alltag, bleibt unklar.

Scherrer musste ins Büro

Nicht alle CVPler schafftenes am Donnerstagmorgen in den Landrat. Diesmal war jedoch nicht der Schnee schuld. Marc Scherrer erzählte gegenüber der bz, wie er am Mittwoch um 13:30 in Zermatt ausgeflogen wurde, und über Täsch und Visp nach Hause nach Laufen gelangt sei. Es sei spät geworden. Er habe nur noch die Unterlagen für die Landratssitzung bereitlegen können. Doch bevor er sich der Politik widmet, musste er am Morgen im Geschäft erscheinen, um wichtige Arbeiten zu erledigen. Sie waren wegen des Zermatt-Abenteuers liegen geblieben.

Trotzdem blickt Scherrer ohne Groll auf "Zermatt" zurück: "Die Reise wird mir als ganz spezieller Fraktionsausflug in Erinnerung bleiben, auf dem wir uns von einer anderen, privateren Seite kennen lernen konnten."

Er schliesst: "Aber auch die Lawinen, die links und rechts vom Hotel runter gingen, bleiben mir wohl im Gedächtnis."

Dudler: Zeit für Bildungs-Vorstösse

Landrat Markus Dudler hat die Zeit in Zermatt offenbar für politische Vorstösse genutzt - wie auch seine Kollegen. Sie hätten im Zentrum der Retraite gestanden, neben dem Schneesport. Fünf Vorstösse "zum wichtigen Thema Bildung" sind in Koordination mit der CVP Schweiz entstanden. Sie wurden am Donnerstag eingereicht.

Was bleibt von "Zermatt"? Dudler: "Viele tolle Gespräche und Erlebnisse mit der Fraktion und das Wissen, dass wir uns im Team optimal ergänzen. Von der Gemeinde Zermatt hat mich das Krisenmanagement mit einer guten Kommunikation beeindruckt."

Keller musste Schmunzeln

Auch Felix Keller ist gut zu Hause angekommen. "Wir konnten tiefe Ticketnummern ergattern, und noch einen Heli-Flug geniessen.". Die Bahnlinie nach Täsch sei nämlich um etwa 17 Uhr eröffnet worden, so dass die Heli-Flüge eingestellt wurden. 

Die Teilnahme an der Landratssitzung vom Donnerstag sei auch so kurz nach der Heimkehr wichtig, denn einige Geschäfte seien ja umstritten, so dass es auf jede Stimme ankomme. Eines der Themen: Die Abschaffung des Bildungsrats.

Die Mediale Berichterstattung über den verlängerten Aufenthalt habe Keller mit "Schmunzeln" zur Kenntnis genommen.

Ryf: Schnee von den Schultern geklopft

Landrat Pascal Ryf hat den Abend nach der Rückkehr "bei einem guten Glas Wein mit meiner Partnerin genossen".

Das Fraktionswochenende werde "sicherlich unvergesslich bleiben". Viele würden wohl davon träumen, einmal in einem Ferienort eingeschneit zu sein. Diese Erfahrung für ihn tatsächlich sehr eindrücklich gewesen. Den Naturgewalten ausgeliefert sein oder vor teilweise leeren Regale im Einkaufsladen zu stehen, sei eindrücklich.

"Da wir nie in Gefahr waren, aber teilweise im Hotel bleiben mussten, blieb ausreichend Zeit, die Fraktionskolleginnen und -kollegen noch besser kennen lernen zu können und den Winter im tiefverschneiten Bergdorf zu geniessen."

Das Abenteuer sei natürlich im Landrat Thema gewesen. Dort angekommen, habe ihm der eine und andere symbolisch den Schnee von den Schultern geklopft.

Ryf: "Der Alltag ist rascher zurück, als vielleicht erwartet."

Stückelberger: Der FDPler unter den CVPlern

Obwohl nicht auf einem Fraktionsausflug - FDP-Landrat Balz Stückelberger musste in Zermatt seinen Aufenthalt ebenfalls verlängern und vertrieb sich die Zeit mit seinen Ratskollegen von der CVP. Er sei vom Wallis direkt an den ursprünglich geplanten mehrtägigen Workshop nach Zürich gereist. Stückelberger: "Ich war noch nicht zuhause, sondern bin heute Morgen direkt in den Landrat gekommen."

Natürlich hätten die Fraktionkollegen ein paar Sprüche gemacht. Aber er wolle das Zermatt-Abenteuer nicht zu hoch hängen. "Jetzt geht es wieder um die wichtige Politik."

In Erinnerung bleiben wird Stückelberger die "hervorragende Leistung des Zermatter Krisenstabes". Als ehemaliges Mitglied des Baselbieter Krisenstabes muss er feststellen: "Die haben einen extrem guten Job gemacht."