Die regelmässigen Staumeldungen im Radio haben den Angenstein schweizweit bekannt gemacht. Gut 26'000 Autos pro Tag quetschen sich durch den engen Eingang ins Laufental. Auch kommt es immer wieder zu Unfällen. Entlastung bringen soll der Muggenbergtunnel, an dem der Kanton Baselland schon seit Jahrzehnten herumplant. Erst im Herbst hatte die Baudirektion das Projekt wieder einmal als prioritär erklärt. Mittlerweile aber ist es aus der öffentlichen Wahrnehmung fast schon verschwunden.

Doch jetzt könnte es plötzlich ganz schnell gehen. Bereits am Montag debattiert der Nationalrat über den Ausbau des Nationalstrassennetzes. Dabei geht es um viel Geld. Bis 2030 will der Bund geschätzte 14,8 Milliarden Franken investieren; alleine der nun anstehende Ausbauschritt 2019 soll 4,8 Milliarden umfassen. Der Muggenbergtunnel war dabei nie ernsthaft ein Thema. Das ist jetzt anders.

Der Solothurner SVP-Nationalrat Christian Imark hat soeben den Antrag eingereicht, das Baselbieter 150-Millionen-Projekt in den nächsten Ausbauschritt aufzunehmen. «Für das Schwarzbubenland ist der Tunnel genau so wichtig wie für das Laufental», begründet er. «Man muss das Projekt endlich pushen. Ich hätte mir da auch von der Baselbieter Regierung etwas mehr Engagement erhofft.»

Kanton kauft bereits Land auf

Nächstes Jahr geht die A18 ohnehin an den Bund über. Dennoch sind die Kantone Baselland und Solothurn schon jetzt daran, auf eigene Kosten den Vollanschluss Aesch/Dornach zu realisieren. «Der Muggenbergtunnel ist die logische und unverzichtbare nächste Etappe auf diesem Strassenabschnitt», argumentiert Imark. Die dortigen Verkehrsprobleme seien so am einfachsten und wirksamsten zu lösen. Das bestätige eine Vorstudie von 2008. Dabei sind die Standorte der beiden Tunnelportale bereits festgelegt, und der Kanton Baselland ist derzeit an strategischen Landkäufen, damit das Projekt rasch umgesetzt werden kann.

Abgesprochen ist der Antrag auch mit dem Baselbieter Kantonsingenieur Drangu Sehu: «Für das Tiefbauamt hat der Tunnel grosse Bedeutung. Wir sind erfreut darüber, dass das Projekt vorangetrieben wird.» Geplant ist ein zweiröhriger Tunnel mit je einer Fahrspur. Eine oberirdische Lösung wäre teurer als ein Tunnel und zudem in dem «landschaftssensiblen Raum» nicht bewilligungsfähig, betont Sehu. Allerdings: «Wir gehen nicht davon aus, dass das Projekt dem Bund in diesem engen Zeitrahmen pfannenfertig übergeben werden kann.» Der Kanton setze aber alles in Bewegung, um rasch ans Ziel zu gelangen.

Bis heute fokussiert sich der Bund in der Region auf den Ausbau von Belchen- und Schänzlitunnel, der A 2 Hagnau-Augst oder auf die Rheintunnel-Pläne. Ein Ausbau der A 18 ist dagegen nicht vorgesehen. Umso heftiger wollen Imark und seine Mitstreiter bis am Montag für den Muggenbergtunnel weibeln. Der Solothurner Ständeratskandidat spricht von einem Powerplay: «Es ist das einzige Projekt, das relativ schlank und schon einigermassen weit fortgeschritten ist, dass wir eine Chance haben, es in das Gesamtpaket reinhieven zu können.»

Unterstützt wird Imark von den Baselbieter Ratsmitgliedern Sandra Sollberger und Thomas de Courten (beide SVP), Daniela Schneeberger (FDP) oder Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP). «Meine SVP-Fraktion ist dabei das kleinste Problem, sie wehrt sich sicher nicht grundsätzlich gegen Strassenbauprojekte. Ich rechne alleine dort mit 60 Stimmen», sagt Imark. Auch in der FDP-Fraktion sehe es nicht schlecht aus.

Und mit dem Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer darf Imark sogar im linken Lager mit Unterstützung rechnen. «Sicher ist, dass das dortige Stau- und Unfallproblem gelöst werden muss», sagt Nussbaumer. «Und solange keine andere Lösung als der Tunnel auf dem Tisch liegt, sollte man sich dem nicht grundsätzlich verwehren.» Parallel dazu seien aber weiter andere Varianten zu prüfen.

Um weitere Hilfe zu erhalten, sollen auch andere Regionen ins Boot geholt werden. «Wenn wir die Ostschweiz bei ihren Wünschen unterstützen, helfen sie auch uns», zeigt sich Imark überzeugt. Möglich ist das aber nur, wenn der Gesamtkredit erhöht wird. «Wir machen einfach alles, das möglich ist», betont der SVP-Nationalrat. «Jetzt ist die Gelegenheit. Wir haben nichts zu verlieren.»