Giorgio Lüthi, Sie sind der glücklichste Gemeindepräsident im Baselbiet!

Giorgio Lüthi: Da nimmt mich aber Wunder, was jetzt für eine Begründung kommt.

Sie haben das Dreispitz-Areal. Dort planen die Architekten Herzog & de Meuron, erst im Herbst wurde der Kubus für die Hochschule für Gestaltung und Kunst eingeweiht, ebenso das Haus für elektronische Künste. Münchenstein wächst, entwickelt sich, floriert. Die Gemeinde hat das, was sich alle anderen wünschen.

Da muss ich anmerken, dass wir auch andernorts wachsen, nicht nur auf dem Dreispitz. Aber es stimmt: Das Dreispitz-Areal, besonders unser Teil, Dreispitz-Süd – wir nennen das Gebiet übrigens Münchenstein-Nord – ist ein spannendes Experimentierfeld, und es geniesst bei uns im Gemeinderat erste Priorität. Das Bevölkerungswachstum dort hat sich schon jetzt positiv auf unsere Finanzen ausgewirkt.

Wie das?

Wir haben, Stand Ende 2014, rund 200 Einwohner hinzugewonnen. Unter anderem sind das die Zuzüger auf dem Dreispitz, die gute Steuererträge liefern. Deswegen werden wir die Rechnung 2014 nicht mit einem veranschlagten Verlust von 1,2 Millionen Franken abschliessen, sondern mit einem positiven Ergebnis.

Neue Bewohner bedeuten aber auch neue Aufgaben: Wo sollen zum Beispiel die zukünftigen Dreispitz-Kinder zur Schule gehen?

Die Primarschüler können in die Neue Welt zur Schule. Die Passerelle in die Grün-80 wird voraussichtlich in drei Jahren geschaffen. Aber die Frage ist berechtigt. Der Effekt spielt aber genau in die andere Richtung: Je mehr Bewohner wir haben, auf desto mehr Schultern können wir die Kosten für die Infrastruktur, die relativ fix sind, verteilen. Und genau das ist unsere Strategie.

Heute hat Münchenstein rund 12 000 Einwohner. Wie gross soll die Gemeinde noch werden?

Wir streben 15 000 Einwohner bis ins Jahr 2030 an. Wachstum ist wichtig. Ich wiederhole: Wir können unsere Leistungen nicht einfach reduzieren. Ein weiterer Faktor ist die Demografie. Die Menschen werden immer älter, dadurch verlieren wir Steuereinnahmen. Das müssen wir kompensieren.

Nicht rund läufts mit der Birsstadt: Die Gemeindeversammlung hat erst kürzlich die Statuten des neu zu gründenden Zweckverbands abgelehnt. Die Kooperation der acht Gemeinden entlang der Birs droht zu versanden.

Wir machen bei der Birsstadt weiterhin mit – jetzt einfach vorerst ohne Statuten. Wir haben uns schon immer für Zusammenarbeit ausgesprochen. Unser Credo lautet: Wenn wir für unsere Aufgabenerfüllung auch eine sinnvolle überregionale Lösung haben, entscheiden wir uns für diese.

Der Dreispitz und das Wachstum lösen ein Problem nicht: Münchenstein hat kein echtes Zentrum.

Das stimmt. Der geografische Mittelpunkt ist das Kultur- und Sportzentrum Bruckfeld. Dann ist auch das Einkaufszentrum Gartenstadt ein Magnet. Das Dorf würden wir gerne attraktiver machen. Doch das ist nicht uneingeschränkt möglich, weil die Hauptstrasse eine Kantonsstrasse ist. Ich denke aber, dass der Zusammenhalt in Münchenstein trotzdem gut ist. Das zeigen auch die wieder steigenden Besucherzahlen der Gemeindeversammlungen.

Zumindest optisch wird Münchenstein in Zukunft nicht zu übersehen sein. Die Credit Suisse plant gleich neben dem Schaulager einen 100-Meter-Turm. Wie stehen Sie dazu?

Normalerweise darf ein Gebäude maximal 60 Meter hoch sein. So stehts in unserem Hochhauskonzept. Ausser genau bei diesem Standort, bei der Kreuzung Bruderholz-/Emil-Frey-Strasse. Dort ergibt ein Hochhaus Sinn.

Sie haben einen Wunsch frei für Münchenstein!

Wesentliche Teile von Münchenstein stehen im Zeichen des Strukturwandels. Frei werdende Areale werden einer gemischten Nutzung durch Wohnen, Gewerbe und Dienstleistungen zugeführt. Diese nicht nur auf dem Dreispitz erwünschten Nutzungsverlagerungen sollen helfen, dass sich in Münchenstein alle in ihrem Quartier und ihrer Umgebung wohlfühlen.