Die drohende Reduktion von Schnellzugsverbindungen ab Liestal war im vergangenen Jahr eines der politischen Topthemen in der Region. Es gab dazu auch Vorstösse im nationalen, kantonalen und kommunalen Parlament. Jetzt legt der Liestaler Stadtrat einen Zwischenbericht vor, den der Einwohnerrat an seiner Sitzung am Mittwochabend diskutiert.

Das Parlament wird seiner Regierung vielleicht für den Einsatz danken, aber Freudengeschrei bricht mit Sicherheit keines aus. Denn weder die politischen Vorstösse noch die zahlreichen Gespräche brachten bisher viel Bewegung zugunsten von Liestal.

Das heisst, es soll ein Abbau Richtung Luzern per – ironischerweise – nationalem Ausbauschritt 2025 und eine Art Kuhhandel per Ausbauschritt 2035 geben. Heute verfügt Liestal stündlich über drei Schnellzugshalte: den IC 61 von Basel nach Bern, der noch in Olten hält; den IR 27 von Basel nach Luzern mit Halts in Sissach, Gelterkinden, Olten, Zofingen und Sursee; den IR 37 von Basel nach Zürich mit Halts in Sissach, Aarau und Lenzburg.

Mit dem Ausbauschritt 2025 fährt der IR 27 nur noch bis Zofingen. Wer nach Luzern will, muss dort umsteigen. Per 2035 fällt der IR 27 ganz weg, dafür gibt es einen zweiten IR 37. Womit Liestal halbstündlich mit Zürich verbunden ist, aber nur noch einen Schnellzug nach Olten hat. Immerhin: Die zweite Verbindung nach Zürich war lange in der Schwebe, jetzt ist sie laut Stadtpräsident Daniel Spinnler definitiv.

Wie ein Marathon

Das ist aber meilenweit von dem entfernt, was der Stadtrat als Ziel für 2035 vorgibt: «Da das ganze Bahnnetz auf einen Halbstundentakt ausgelegt wird, strebt Liestal den Halt von zwei Schnellzügen Basel-Zürich und von zwei IC-Zügen Basel-Bern an. Zudem soll die direkte Verbindung Liestal-Luzern erhalten bleiben.» Danach gefragt, wie realistisch er dieses Ziel auf einer Skala von null bis zehn einstuft, sagt Spinnler: «Wenn wir jetzt aufgeben, bei null. Deshalb müssen wir dranbleiben und nochmals dranbleiben, wie es andere Kantone auch machen.»

«Dranbleiben» heisst für Spinnler vor allem, darauf hinzuwirken, dass Liestal in Bern nicht isoliert als Kleinstadt mit 14 000 Einwohnern wahrgenommen wird, sondern als Zentrum einer Region mit rund 80 000 Einwohnern. Das sei das Hauptproblem, sagt der Stadtpräsident. Denn Baden und Brugg oder Olten und Zofingen würden beispielsweise als Zwillingsstädte betrachtet mit entsprechend mehr Gewicht bei der Planung des Fernverkehrs. Spinnler verdeutlicht: «Liestal und sein Umfeld finden in Bern nicht statt, sondern gelten als Anhängsel von Basel.»

Der Stadtrat hat deshalb seine Lobbyarbeit verstärkt mit dem Ziel, als einwohnerstarke Agglomeration Eingang ins Raumkonzept des Bundes zu finden, auf dem das Bundesamt für Verkehr sein Fernverkehrskonzept aufbaut. Als ersten Erfolg wertet Spinnler, «dass Liestal, die Baselbieter Bundesparlamentarier und der Kanton mit gleicher Stimme reden». Und er will bei den SBB die sechsjährige Leidenszeit, die Liestal mit dem Vierspurausbau und den Neubauten rund um den Bahnhof ertragen muss, stärker in die Waagschale werfen. Auch hat die Liestaler Stadtregierung 40 000 Franken ins Budget gestellt, womit sie auch externe Fachkompetenz für die Verhandlungen mit den SBB einkaufen will.

Positiver als bei den Schnellzugshalten sieht es bei der S-Bahn aus: Hier gibt es ab 2025 den Viertelstundentakt nach Basel. Allerdings soll die zusätzliche S-Bahn laut Zwischenbericht in Basel mittels Spitzkehre weiter ins Fricktal fahren. Das dürfte für die meisten Baselbieter null Nutzen bringen. Falls es eines Tages eine Zugverbindung an den Euro-Airport gibt, soll diese S-Bahn dann Liestal via Flughafen mit Mulhouse verbinden.