Priska Lanz Niederer klingelt an der Haustür, ein Hund beginnt zu bellen. Eine Frau öffnet die Tür. Lanz und ihr Begleiter Andreas Bärtsch geben sich als Landratskandidierende der FDP Allschwil-Schönenbuch zu erkennen. Die Frau klemmt das Gespräch ab und schliesst die Tür.

So wird es Lanz und Bärtsch heute noch oft ergehen. In den rund eineinhalb Stunden, die sie am Samstagmorgen unterwegs sind, werden sie mit insgesamt drei Menschen sprechen können, bei einem von ihnen lassen sie einen Wahlflyer da. Alle anderen sind nicht zu Hause, im Stress oder haben kein Interesse an Politik im Allgemeinen oder der FDP im Besonderen.

Doch die zwei Landratskandidierenden lassen sich vom schlechten Start nicht die Laune verderben. Sie möchten mit Leuten sprechen und hören, was sie im Alltag beschäftigt. Die beiden haben sich für ein Allschwiler Quartier mit Reihenhäuschen und Schrebergärten entschieden. Oder vielmehr: Die App, mit der sie arbeiten, hat das entschieden.

Mittels eingekauften und öffentlichen Daten errechnete ein Programm, wo die Menschen wohnen, die sich für die FDP interessieren könnten. Die App navigiert die Freiwilligen auch jeweils zur richtigen Adresse. Der Algorithmus stimme nicht immer mit ihren eigenen Einschätzungen und Erfahrungen überein, sagen sie. Trotzdem bestimmt grösstenteils die App, wo geklingelt wird und wo nicht.

Mission ist nicht das Ziel

Zeitweise sind die beiden noch etwas unsicher im Umgang mit dem Programm: «Ist das jetzt das, wo wir hinsollen oder eben nicht?», fragt Lanz vor der einen Adresse. Es sei die richtige Adresse, sagt Bärtsch. Lanz klingelt, die Türe öffnet sich. Die Frau, die an der von der App angegebenen Adresse lebt, willigt ein, sich kurz mit den beiden zu unterhalten. Lanz stellt ihr Fragen zu ihrem Wahlverhalten und den Themen, welche die potenzielle Wählerin beschäftigen. Sie lege sich grundsätzlich nicht fest, sagt die Frau. Umweltthemen seien ihr aber wichtig.

Lanz und Bärtsch bedanken sich für die Auskünfte, die sie mit dem Einverständnis der Frau in der App festgehalten haben und verabschieden sich.

Eine Frau fährt auf dem Velo vorbei und mustert die beiden Kandidierenden mit ihren blauen FDP-Schals und dem Korb voller FDP-Gummibärchen. Es sei eben nicht typisch für die Schweiz, was sie hier machen, weiss Lanz. Doch sie sei vom Konzept überzeugt.

«Nein, wir sind nicht von der Kirche», entgegnet Bärtsch auf der Strasse einer Frau, die sagt, selbst von einer Kirche zu sein. «Es geht uns nicht darum, zu missionieren», erklärt Bärtsch. Ziel der Sache sei, mit den Leuten von Angesicht zu Angesicht sprechen und auf sie zu zugehen. «Ich klingle», fragt er Lanz. «Bist du bereit?»