Die Schweizer Armee plant einen radikalen Umbau, der auch die Zukunft von bis zu zwölf Waffenplätzen infrage stellt; so unter anderen den Standort Liestal. Nach der Lektüre der «NZZ» vom Freitag, die den 61-seitigen VBS-Bericht publik machte, musste Liestals Stadtpräsident Lukas Ott zahlreiche Anfragen zur Zukunft der Kaserne Liestal beantworten.

Lukas Ott, was war Ihre erste Reaktion nach der Zeitungslektüre am Freitagvormittag?

Lukas Ott: Ich war höchst erstaunt und irritiert. Offiziell wissen wir gar nichts von solchen Plänen im eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Armeechef André Blattmann hat uns bei der 150-Jahr-Feier der Kaserne im vergangenen Herbst das genaue Gegenteil gesagt; dass nämlich die Zukunft unseres Waffenplatzes langfristig gesichert ist. Das hat Blattmann mir gegenüber im Vier-Augen-Gespräch bekräftigt und war alles andere als eine spekulative Aussage des Armeechefs.

Wie erklären Sie sich diese Wende zuungunsten von Liestal?

Bei jedem Umbau der Armee steht die Kaserne Liestal im Zentrum solcher Spekulationen; das ist insofern nichts Neues. Wir argumentieren dann stets mit der regionalpolitischen Bedeutung des einzigen Waffenplatzes nördlich des Juras und der wirtschaftlichen Bedeutung für die Stadt. Wer aber gerade jetzt ein Interesse an der Veröffentlichung dieser Pläne hat, weiss ich nicht. Ebenso wenig, ob ein Zusammenhang mit der Gripen-Beschaffung oder der Abstimmung über die Wehrpflicht besteht. Wer es auch war, muss sich über die negative Wirkung dieser Botschaft im Klaren sein.

Wie gehen Sie nun weiter vor?

Wir werden das weitere Vorgehen mit dem Kanton koordinieren. In der Sicherheitsdirektion ist man von dieser Veröffentlichung genauso überrascht wie wir. Auf alle Fälle werden wir vom VBS fordern, in die Konsultationen miteinbezogen zu werden, wenn es um die Zukunft des Waffenplatzes Liestal geht. Es ist irritierend, dass solche Konsultationen stattfinden, ohne die Direktbetroffenen zu informieren.

Was werden Sie tun, sollten sich die Schliessungspläne konkretisieren?

Wenn schon in Bern über eine Schliessung unseres Waffenplatzes nachgedacht wird, dann müsste der Bund zumindest gleichzeitig ein Alternativkonzept vorlegen, welche anderen Arbeitsplätze und Frequenzen er im Gegenzug nach Liestal verlagern will. Der Bund steht Liestal gegenüber in der Verantwortung.