Eigentlich sollte der Zonenplan für das Entwicklungsgebiet Salina Raurica bereits im vergangenen Frühling im Prattler Einwohnerrat behandelt werden; so lautete zumindest der ursprüngliche Zeitplan. Die konkrete Änderungsvorlage ist allerdings noch nicht aufgetaucht, und der Prattler Einwohnerrat Gert Ruder (SP) nutzte die Verzögerung, um im Gemeindeparlament nach den Gründen und dem Schuldigen zu fragen.

Kanton brach Versprechen

Gemeindepräsident Beat Stingelin liess sich am Montag im Prattler Einwohnerrat nicht zweimal bitten: Der Kanton habe sich nicht an seine Versprechen gehalten, denn ein Reservegrundstück der Kläranlage (ARA) zwischen Autobahnraststätte und Rhein sollte ursprünglich für die Planung genutzt werden können. Ein halbes Jahr später habe man dem Gemeinderat dann mitgeteilt, dass die ARA das Grundstück doch selber brauche. «Das Versprechen hatte der Kanton halt vor den Wahlen abgegeben», merkte Stingelin sarkastisch an.

Das Reservegrundstück ist rund 35 000 Quadratmeter gross und liegt östlich der ARA – ebenfalls mitten im Planungsgebiet Salina Raurica. «Deshalb mussten wir neu planen. Jetzt sind wir aber guten Mutes», sagte Stingelin.

Gert Ruder warf daraufhin dem Kanton ebenfalls Wortbruch vor und verknüpfte das Thema kurzerhand mit der Geruchsbelästigung der ARA. «Es ist fraglich, ob es künftig weniger stinkt. Aber die Verbreiterung der ARA reduziert die Werthaltigkeit des ganzen Planungsgebietes massiv. Der Regierungsrat macht das angebliche Filetstück so zum Güllenloch des Kantons», ereiferte sich Ruder. Das sei nicht die feine Art, Pratteln habe im Kanton schon genug Lasten zu tragen. Er forderte den Gemeinderat auf, alles zu tun, dass die ARA sich möglichst wenig ausbreite.

Kampf um jeden Meter

Stingelin sagte dazu lediglich, dass man derzeit in Verhandlungen stehe und um jeden Meter kämpfe. Auch zum Thema «Grossprojekt der kantonalen Wirtschaftsförderung» äusserte er sich kritisch: Man könne die bestehenden Betriebe in jenem Gebiet nicht einfach von der Karte wegradieren. Er betonte auch, Pratteln habe den ganzen Planungsprozess nie behindert: «Wir hatten zwei oder drei kritische Fragen.» Jetzt soll es endlich vorwärtsgehen: Laut Stingelin soll die Zonenplanmutation in zwei Monaten vorliegen.