Auf einen Schlag gewinnt das Städtchen Laufen 320 Arbeitsplätze dazu. Die Stöcklin Logistik AG verlässt Aesch und zieht in den Hauptort des Laufentals. Das auf die Herstellung von Förder- und Lagertechnikgeräten spezialisierte Unternehmen baut an der Wahlenstrasse seinen neuen Hauptsitz. Neben dem Kräuterzentrum der Ricola soll im Frühjahr 2020 ein Technologie-Center seinen Betrieb aufnehmen.

Geschäftsleiter Urs Grütter blickt dem heutigen Spatenstich mit Vorfreude entgegen. «In Laufen haben wir Möglichkeiten, die uns das aktuelle Areal an der Dornacherstrasse in Aesch nicht bietet», sagt er. Vor allem fehle dort der Platz, um sich entfalten zu können und so das Unternehmen in die Zukunft zu führen. Die Wege in Aesch seien lang, da die einzelnen Büros teilweise weit voneinander entfernt seien. «Unser Ziel war seit Jahren, die ganze Struktur von Fabrikation, Logistik und Büros neu zu gestalten. Dies führte letztlich zum Entscheid, auf einer grünen Wiese zu bauen,» so Grütter.

Laufen habe sich gegen Liestal, Breitenbach und Füllinsdorf durchgesetzt, wo das Unternehmen ebenfalls Standorte begutachtet habe. Das Technologie-Center in Laufen soll im Gegensatz zur jetzigen Produktionsstätte über Open-Space-Büros, Begegnungszonen und ein Personalrestaurant verfügen. Der Umzug ziehe keinen Abbau von Arbeitsplätzen mit sich, betont Grütter.

In Aesch entstehen nach dem Auszug auf dem jetzigen Firmengelände Wohnungen und Gewerbeflächen.

Gut erschlossenes Industriegebiet

Die Verfügbarkeit von Industrieland hat nicht alleine den Ausschlag dafür gegeben, dass sich Stöcklin in Laufen niederlässt. «Das Laufental bietet unseren Mitarbeitenden kostengünstigeren Wohnraum», erklärt Urs Grütter. Das habe den Entscheid, hierhin zu dislozieren, ebenfalls beeinflusst. «Für jüngere Angestellte und für Familien kann es interessant sein, nach Laufen oder in eines der umliegenden Dörfer zu ziehen.» Schon jetzt beschäftige sein Unternehmen zahlreiche Mitarbeiter aus dem Laufental.

Zudem sei die Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr gegeben, da sich rund hundert Meter vom neuen Hauptsitz entfernt eine Postautohaltestelle befindet. Eine Erhöhung der Frequenzen am Morgen fände der Geschäftsleiter der Stöcklin Logistik AG erstrebenswert.
Für Mitarbeiter, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, errichtet man neben dem Hauptsitz 220 Parkplätze. Insgesamt verfügt das Industriegebiet an der Wahlen-strasse mit den grossen Unternehmen Ricola, Stöcklin Logistik AG sowie der Keramik Laufen AG ganz in der Nähe bald rund 1000 Arbeitsplätze.

Stärkstes Wachstum im Baselbiet

Der Laufner Stadtpräsident Alex Imhof wünscht sich, dass sich der eine oder die andere Angestellte der Logistikfirma in Laufen häuslich niederlässt. Wie hoch die zusätzlichen Steuereinnahmen ausfallen, die das Unternehmen dem 5500-Einwohner-Städtchen bringen wird, kann er noch nicht abschätzen. «Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass im Laufental nicht nur Industrieland vorhanden ist, sondern auch, dass man schnell in der Stadt ist.» Damit spricht Imhof den Umzug eines weiteren Unternehmens an, das seine gesamte Schweizer Produktion in den jüngsten Baselbieter Bezirk verlegen wird. Die Generika-Herstellerin Acino Pharma AG baute in Liesberg einen stattlichen Neubau, der seit diesem Frühjahr in Betrieb ist. Hauptgrund für den Umzug war der gleiche, wie bei der Stöcklin Logistik AG: Platz.

Dass die beiden Unternehmen auf das Laufental setzen, bestätigt, was eine Analyse des Konjunkturforschungsinstituts BAK Basel vor zwei Jahren ergeben hat. Gemäss dessen Rechnungen erlebt der Bezirk Laufen bis 2020 das stärkste Wirtschaftswachstum aller Bezirke im Kanton Baselland. Der Baselbieter Wirtschaftsförderer Thomas Kübler – früher in gleicher Funktion für das Laufental tätig – weist auf einen weiteren Vorteil hin. «Dank der drei noch bestehenden grossen Firmen Aluminium Laufen AG in Liesberg sowie der Ricola und der Keramik Laufen AG in Laufen kann das Laufental auf eine lange Industrietradition zurückblicken.»

Eine derartige Konzentration von Industriebetrieben mit mehreren hundert Mitarbeitern in einem eher kleinen Tal sei selten, so Kübler. Durch die Ansiedlung der Acino Pharma AG und der Stöcklin Logistik AG könne sich eine Dynamik entwickeln, die noch weitere Firmen dazu bringen könnte, ins Laufental zu ziehen.

Er höre oft von Arbeitgebern, dass sie die gute Ausbildung und die Loyalität von Laufentaler Arbeitnehmern schätzen, sagt Thomas Kübler. Für ihn hängt die derzeitige Attraktivität des Laufentals aber auch mit finanziellen Interessen zusammen. Die steuerlichen Vorteile seien zwar gering, aber das Lohnniveau generell tiefer als in Gemeinden in Stadtnähe.