Genau 50 Wagen, Guggen und Cliquen paradierten am Montag durch die Gassen von Gelterkinden. Den Hauptharst stellten dabei die einheimischen Formationen, darunter erfreulicherweise mehrere Kleinformationen, die gar nicht auf der Startliste figurierten.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnheims für Behinderte «Opalinus» liessen, unterstützt von ihren Betreuerinnen und Betreuern, auch heuer nichts anbrennen und zeigten sich von ihrer besten Seite. Denn sie hatten sich gründlich auf das Grossereignis vorbereitet und durften nun vor dem Volk am Strassenrand den Lohn ihrer Vorbereitungen einfahren. Sie hatten die Ehre, sich direkt nach der Burn-Out-Gugge, die den Umzug musikalisch einläutete, auf die Tour mit Start auf der Allmend und Ziel Dorfplatz begeben zu dürfen.

Gälterchinderli wieder auf Gleis

Die Palette der Sujets wurde von den lokalen und regionalen Ereignissen dominiert. So wurden die Entgleisungen der Obrigkeit und von Leuten an der Macht dem Volk an der Strasse schonungslos in Erinnerung gerufen. Die Dachlucke-Spinner aus Oberdorf konnten mit Ewald Fartek, ihrem Gemeindepräsidenten, bereits den designierten Nachfolger von Sepp Blatter nennen. Fifa, so die Definition der Clique, bedeute «Fartek ist Fifa-Boss-Anwärter». Die Dorfgass-Schlurbi aus Niederdorf machten Nägel mit Köpfen. Sie verlängerten das Gleis des Waldenburgerlis bis nach Gelterkinden und feierten am Montag die Jungfernfahrt mit der Komposition namens «Ramlinsburg».

Ins gleiche Kapitel gehört der Wagen der einheimischen Grümpel-Waggis, ein Nachbau des «Gälterchinderlis», das zwischen 1891 und 1916 als erste elektrische Strassenbahn Gelterkinden den Anschluss an das weltweite Schienennetz sicherte. Kräftig gebaut haben ferner die Schwyboge-Brünzler aus Wenslingen. Ihr Konstrukt zeigte einerseits das stattliche Pfarrhaus von Rothenfluh. Andererseits stellten sie lapidar fest, dass dort offenbar der «lapin», der Chüngel, das Sagen hat.

Gleich hintendran setzten die Räbhübel-Schlurgi aus Böckten noch einen drauf. Wohl ein Mitarbeiter der vor wenigen Jahren verkauften Sissacher Firma «Six Madun» trug ein schwarzes Kreuz mit und demonstrierte still gegen den kürzlich bekannt gewordenen Wegzug des Unternehmens aus Sissach. Schadenfreude kam jedoch deswegen bei den Gelterkindern, die die Sissacher sonst liebend gern auf die Schippe nehmen, nicht auf.

Schellen-Urslis schellen laut

Die Oltinger Schluckspächte, immer für Überraschungen gut, verschrieben sich heuer optisch ziemlich zurückhaltend dem Thema «Schellen-Ursli». Dafür traten sie mit ihren Schellen akustisch umso lauter in Erscheinung. Petrus meinte es gut mit den Gelterkinder Fasnächtlern. Der ganze Umzug mit Tausenden am Strassenrand und das grosse Finale auf dem Dorfplatz ging trockenen Fusses über die Bühne.