Hier will keiner wissen, ob die geschnitzte Buffetfront teures Nussbaumholz wäre oder die Klaviertasten aus Elfenbein sind. «Aus zwei Metern fallen lassen, das trennt das Holz vom Metall», beschreibt Marc Weber-Jost, Geschäftsführer der Jost Transport AG, das Prozedere für das Klavier. Die Weiterverwertung einzelner Materialien, antiker Balken oder edler Hölzer müsse eine Stufe vorher passieren. Hier, im Holzrecyclingwerk Jost im Birsfelder Hafen, wird nur noch sortiert, getrennt und geschreddert.

Das Holz stammt als Bau-Sperrgut, aus dem Rückbau von Gebäuden, aus Verpackungsindustrie und Logistik, aus Schreinereien, verschiedenen Gewerbebetrieben und nicht zuletzt aus Sortieranlagen anderer Recyclingbetriebe. Mit diesen unterhält Jost gegenseitige Beziehungen: Selbst fischt man Folien, Metalle, Kunststoff, Elektroschrott aus dem angelieferten Sperrgut und nimmt dann von den entsprechenden Verwertern das Holz entgegen, das diese aus jenen Abfällen aussortieren, die bei ihnen landen. Was sich nicht mehr als Rohstoff aufbereiten lässt, fliegt in die Mulde für die Kehrichtverbrennung. «Dies ist die teuerste Fraktion: Für deren Entsorgung müssen wir bezahlen. Also sortieren wir vorher möglichst alles aus», erklärt Weber.

Spanplatten-Rohstoff

Kerngeschäft in der Recycling-Abteilung des Umzugsunternehmens ist das Holz. Begonnen hat damit Webers Schwiegervater in den 80er-Jahren: «Damals brachte man Abfallholz in eine Grube und zündete es an. Er fand, man könnte Sinnvolleres damit machen.» Jost wurde der erste Schweizer Betrieb, der geschreddertes Abfallholz in die Spanplattenindustrie exportierte. Dafür geeignet ist Waldholz, Restholz aus Sägereien und Altholz, das nur oberflächlich behandelt ist. Dazu gehören auch Spanplatten – deren Beschichtung störe nicht. «Wir bekommen auch Ausschussware und Holzabfälle einer grossen Möbelkette», berichtet Weber. Das gehackte Holz werde in Deutschland zu Spanplatten verarbeitet, die unter anderem in einem polnischen Werk der Kette wieder zu Möbeln werden. «Damit haben wir einen geschlossenen Kreislauf.»

Die vierte Holzklasse muss man möglichst schon bei der Anlieferung aussortieren: Eisenbahnschwellen, Gartenzäune, Telefonstangen – alles, was bis in den Kern hinein imprägniert wurde. Gerät doch mal ein Stück in den Haufen vor der Schredderanlage, kann der Baggerführer das Förderband so umlenken, dass die problematischen Holzschnitzel in einen separaten Container fallen. «Schweizer Altholz ist in der Spanplattenindustrie begehrt, denn wir liefern gut sortierte Qualität.»

Trotzdem decke der Preis, den Jost für die jährlich über 20 000 Tonnen Rohstoff bekommt, nicht einmal die vollen Transportkosten von Birsfelden zum Werk in Ostdeutschland oder Italien. Wegen des Arabischen Frühlings und der Griechenlandkrise sei derzeit der Markt im Süden stark rückläufig. Überhaupt sei der Markt für Altholz, wie für jeden Rohstoff, sehr volatil. So würden Kehrichtverbrennungsanlagen und Holzkraftwerke im Winter durch Gratisaktionen das Holzangebot verknappen. Im Sommer habe es aber eher zu viel. «Wir versuchen, die Preise trotzdem konstant zu halten.» Damit meint Weber die Entsorgungsgebühren, welche die Kunden bezahlen, um die Abfälle loszuwerden. «Es ist ein Geschäft mit kleinen Margen. Aber wir hätten nicht 15 Mitbewerber, wenn man Geld drauflegen müsste», umschreibt er die Verhältnisse in der «Jammeri-Branche». Weber will auch die Namen seiner Abnehmer und Endverwerter nicht in der Zeitung lesen, um der Konkurrenz keine Anhaltspunkte zu geben.

Zwar kann er verstehen, wenn Birsfelden die Recyclingbetriebe lieber durch attraktive Wohnungen ersetzen würde. Kein Verständnis hat er aber für die Wirtschaftskammer, wenn gefordert wird, es sollten nur wertschöpfungsintensivere Betriebe angesiedelt werden: «Wir übernehmen für über hundert Gewerbebetriebe eine notwendige Funktion. Und wir müssen an einem verkehrsmässig gut erschlossenen Ort arbeiten, der auch Bahnanschluss hat.»

Hoffnung auf EBM-Projekt

Mit den Bahngesellschaften ist Weber unzufrieden: Er habe praktisch alle angefragt, bekomme aber, entgegen aller politischen Verlagerungswünsche, zu wenig Möglichkeiten, die Holzschnitzel per Bahn zu transportieren. «Dabei wären wir und die Endverwerter dafür eingerichtet, Ganzzüge abzufertigen.» Deshalb gehe derzeit der grösste Teil auf der Strasse weg. «Für den Export jeder Ladung braucht es ein rund 30-seitiges Dossier.» Selbst die Route durch Deutschland sei exakt vorgeschrieben.

Hoffnung setzt er auf das Projekt «Wärmeversorgung Leimental» der EBM, mit einer Energiezentrale in Bottmingen (die bz berichtete). Da würde dann zwar auch spanplattentaugliches Holz verbrannt. «Aber wir können Transporte über Hunderte von Kilometern vermeiden, und die Wertschöpfung bleibt in der Schweiz.»