Noch riecht es in der ehemaligen Rennbahnklinik nach frischer Farbe, Kabel ragen aus den Wänden und die Möblierung ist unvollständig. Grob und etwas improvisiert wird der Innenausbau auch in Zukunft aussehen, aber das dürfte die künftigen Bewohner kaum stören. Denn das Spitalgebäude ist zum Studentenwohnhaus umgebaut worden. 60 Auszubildende werden in Wohngemeinschaften hier wohnen, in Gehdistanz zum Muttenzer Ableger der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), kurze Tramfahrten entfernt von den anderen Schulstandorten am Dreispitz und zu verschiedenen Instituten der Universität in Basel.

Betrieben wird das Studentenhaus vom Verein für Studentisches Wohnen (WoVe). Laut Präsidentin Cornelia Hackländer ist klar, dass die Nordwestschweiz noch einige hundert solcher Wohngelegenheiten für Studierende zusätzlich anbieten müsste, um mit anderen Bildungsregionen mitzuhalten.

Während es in der Stadt bereits einige Wohngelegenheiten für Studierende gibt, ist die umgebaute Klinik eine Premiere für den Kanton. Derzeit pendeln ungefähr ein Viertel der Fachhochschulstudenten täglich von ausserhalb der Nordwestschweiz. Mindestens zehn Jahre lang kann die WoVe hier eingemietet bleiben. «Wir sind an einer Verlängerung interessiert», sagt Christian Germann, Fondsmanager beim Liegenschaftsbesitzer Swissinvest, einem börsenkotierten Immobilienfonds.

Nach dem Auszug der Rennbahnklinik letztes Jahr suchte man Gewerbe als Mieter. Doch es gab keine Interessenten. Die Nebenparzelle steht ebenfalls leer, aber die Besitzer wollten für eine gemeinsame Entwicklung nicht mit Swissinvest zusammenspannen.

Quartier als Ganzes betrachten

Schliesslich entschied man sich zur Zusammenarbeit mit der WoVe, was der Muttenzer Gemeinderat Thomi Jourdan (EVP) sehr begrüsst: «Wir streben bei der Planung des Polyfelds von Anfang an einen Nutzungsmix von Arbeiten, Bildung, Wohnen und Begegnung an», sagte er gestern an der Eröffnungsfeier. Die Studenten würden hoffentlich bald den öffentlichen Raum rund um das Gebäude beleben. Dass in der Klinik nicht Firmen einziehen, die gute Steuern einbringen würden, stört Jourdan nicht: «Das Quartier muss als Ganzes funktionieren.» Das Studentenhaus werde zum Image von Muttenz als Bildungsstandort beitragen, was wiederum gute Unternehmen in die Gemeinde locke.

Muttenz versteht das Studentenhaus nicht zuletzt auch als Bekenntnis zur Partnerschaft der beiden Basel in der Hochschulpolitik. So freudig wie hier werden die Studenten aber in keiner Agglomerationsgemeinde empfangen. Bisher gibt es jedenfalls kein mit der Rennbahnklinik vergleichbares Projekt im Kanton. Als die Aescher Gemeindeversammlung letztes Jahr über die Förderung von günstigem Wohnraum für junge Menschen in Ausbildung diskutierte, wagte Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger (FDP) sogar die Aussage: «Studenten sollten nicht in Aesch wohnen. Sie können ja bei ihren Eltern bleiben oder in einer Wohngenossenschaft in Basel ziehen.»