Beat Oberlin schlägt Alarm: In Randgebieten der Region Basel und an ungünstigen Lagen lassen sich Einfamilienhäuser immer schlechter verkaufen.

Der Chef der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) hat sogar festgestellt, dass Erbengemeinschaften das Erbe ausschlugen, weil sich Investitionen in die Sanierung schlecht unterhaltener Liegenschaften nicht mehr lohnen.

Betroffen von diesem bis vor kurzem unbekannten Phänomen sind vor allem das Waldenburgertal und das Laufental.

BLKB-Chef Oberlin steht mit seiner Beobachtung nicht alleine. Die Immobilienspezialisten von Wüest & Partner haben 2015 das Verhältnis zwischen der Anzahl Suchabos und der Verkaufsinserate für Einfamilienhäuser untersucht (siehe Karte rechts).

Der Befund ist eindeutig: An der ländlichen Peripherie der Region ist das Angebot grösser als die Nachfrage. Das drückt auf die Preise und hemmt Investitionen in die Sanierung alter Bausubstanz.

Erstmals seit 1999 sinken Preise

Diese Entwicklung ist eingebettet in einen gesamtschweizerischen Trend: «Im Eigenheimmarkt ist die Luft praktisch seit 2013 draussen.

Im angelaufenen 2016 erwarten wir im Durchschnitt sogar erstmals seit 17 Jahren sinkende Preise», sagt Claudio Saputelli, Leiter Immobilienresearch bei der UBS.

Dies gilt in groben Zügen auch für unsere Region, wie der am vergangenen Donnerstag publizierten jährlichen Immobilienstudie der Grossbank zu entnehmen ist.

Und doch ist die Situation in den beiden Basel etwas anders: Für die Städte Zürich und Genf hält die UBS-Studie fest, dass sich die Nachfrage nach Immobilien wegen überhöhter Preise im Zentrum an die Peripherie verlagert.

Das gilt zumindest für Eigenheime, die sich auch ein Durchschnittshaushalt leisten kann. In der Stadt selber und im unmittelbaren Umfeld kann dort nur noch die obere Mittelschicht ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen.

Zwar haben in Basel im Jahr 2015 die Immobilienpreise wegen der positiven wirtschaftlichen Entwicklung um satte 7,5 Prozent angezogen.

Auch hält Robert Weinert, Leiter Immo-Monitoring bei Wüest & Partner, Basel mittlerweile auch bei den Immobilien für eine der dynamischsten Regionen der Schweiz.

Attraktive Agglo-Gemeinden

Dennoch sei das Preisniveau in Basel und in Stadtnähe längst nicht mit jenem von Zürich und Genf zu vergleichen, ergänzt UBS-Spezialist Saputelli.

«Rund um Basel gibt es einige Gemeinden, wo Sie preislich attraktive Immobilien finden können.» Die Nachfrage nach Immobilien ist in der Agglomeration bis etwa Liestal und Rheinfelden/ Möhlin hoch. Dies kommt in obiger Karte zum Ausdruck.

Die Nachfrage im Verhältnis zum Angebot nimmt mit zunehmender Distanz zum Zentrum ab. Dies klingt logisch, zumal Wohnen in der Stadt im Trend liegt und die Bereitschaft, lange Pendeldistanzen zwischen Wohn- und Arbeitsort auf sich zu nehmen, abgenommen hat.

Das Waldenburgertal hat nicht «nur» viel von seiner ehemaligen Bedeutung als Industriestandort eingebüsst; das Tal entwickelt sich auch bevölkerungsmässig kaum.

Wohl am deutlichsten kommt dies in Waldenburg selber zum Ausdruck: Mit rund 1200 Einwohnern zählt der Bezirkshauport gleich viel Einwohner wie 1950; in den letzten 15 Jahren hat die Zahl gar abgenommen.

«Wenn in einer Gemeinde die Bevölkerungszahl schrumpft, ist das Gift für den Immobilienmarkt», sagt Saputelli.

In Zürich ist die Situation anders: Wegen der erwähnten Ausweichbewegungen weg vom teuren Zentrum nimmt die Bevölkerung selbst in relativ peripher gelegenen Gebieten zu; entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Eigenheimen. Salopp gesagt: Lägen Laufental und Waldenburgertal im Umfeld Zürichs, würden wohl auch sie überrannt.