Die Schere öffnet sich immer weiter. Nur 0,5 Prozent der Wohnungen in Basel-Stadt sind auf dem Wohnungsmarkt.

Geht es nach dem schweizerischen Mieterverband, so herrscht in Basel «Wohnungsnot». Währenddessen stehen im Stadtkanton 91 175 Quadratmeter Büroräume leer. Der Bestand an leeren Büroräumen hat sich seit 2003 beinahe verdreifacht und einen neuen Rekordstand erreicht.

Das ergibt die zwischen Juni 2011 und Juni 2012 durchgeführte Erhebung des Schweizerischen Verbandes der Immobilienwirtschaft beider Basel (SVIT).

Mieter haben die Qual der Wahl

Einen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Zahlen sieht SVIT-Präsident Michel Molinari nicht: «Es ist nicht so, dass immer mehr Wohnungen zu Büros werden.» Vielmehr gebe es eine Tendenz hin zu grossflächigen, zusammenhängenden Büros mit einer Fläche zwischen 1000 und 5000 Quadratmetern.«Diese Büroräume sind gut absorbiert», sagt Molinari. «Dem zulasten stehen aber gleichzeitig Büroräume mit einer Fläche zwischen 80 und 500 Quadratmetern leer.» Und das nicht selten über lange Zeit.

Dieter Ruf, Direktor der gribi theurillat Bewirtschaftung AG kennt das Phänomen. «Die Vermietbarkeit ist lage- und objektbezogen. Grosse Flächen sind grundsätzlich eher gesucht, als kleine.» Auch die Liegenschaftsverwaltung hat in Basel Büroräume, die zurzeit leerstehen. «Der Markt ist momentan so, dass die Mieter aussuchen können.»
Kanton denkt an Umnutzung

Potenzial zur Umnutzung von Büroflächen

Im September des vergangenen Jahres lancierte die Fachstelle Stadtwohnen der Kantons- und Stadtentwicklung ein Expertenpanel zum Thema. Regula Küng, Leiterin der Fachstelle wies damals auf das grosse Potenzial der Umnutzung von Büroflächen in Wohnraum hin. In den nächsten 15 Jahren könnten so 400 Wohnungen gewonnen werden.

Sowohl SVIT-Präsident Molinari als auch bestätigen dieses Potenzial. Allerdings weisen sie auf die Schwierigkeiten hin: «Ein Problem sind die Aussenflächen, die in einem Büro oft fehlen, bei einer Wohnung aber wichtig sind. Je nachdem, was in der Umgebung des Wohnraums liegt, können sich Spannungen ergeben - gerade, was Lärm- und Geruchsimmissionen angeht», sagt Ruf. Hinzu kämen die hohen Kosten für einen Umbau mit Nasszellen und Küchen.

Kosten sind vielen zu hoch

Die Rechnung ist einfach: «Weil die Mietpreise pro Quadratmeter für Wohn- und Bürofläche praktisch gleich sind, für die Umnutzung aber eine grosse Investition nötig wäre, verzichten viele darauf», erklärt Molinari. Vor allem bei den grossen Immobilienhändlern sei das kein Problem, sie könnten auf Mieter warten. Private Liegenschaftsbesitzer mit kleineren zu vermietenden Flächen treffe es härter, so Molinari. Trotzdem: «Weil sich eine Umnutzung selten rentiert, sitzen viele die Situation aus. Bis der Leidensdruck gross genug ist, fliesst viel Wasser den Rhein hinunter.»
Dafür sorgen, dass vermehrt leerstehende Büroflächen in Wohnraum umgenutzt werden, würde laut den Fachleuten ein finanzieller Anreiz seitens des Kantons oder - gerade bei privaten Liegenschaftsbesitzern - eine fachliche Beratung. Bei der Fachstelle Stadtwohnen hiess es vor einem Jahr, dass die Förderung der Umnutzung geprüft werde. «Bereits besteht die Idee eines ‹Umnutzungscoaches›, die interessierte Liegenschaftsbesitzer in einer ersten Phase beraten und später bei der Umsetzung begleiten.» Wie es heute um das Projekt steht, ist gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Bei den verantwortlichen Stellen heisst es lediglich, man werde am Montag informieren. Dann stellt der Regierungsrat seine Wohnraumstrategie vor.