Tue Gutes und rede darüber, heisst es im Volksmund. Und so verweist das Präsidialdepartement gerne darauf, dass 2018 in Basel-Stadt so viele neue Wohnungen gebaut worden sind wie seit 37 Jahren nicht mehr. Die Behörden wirken erleichtert: Immerhin stehen sie seit der Annahme der WohnInitiativen gehörig unter Druck. Dies habe die Sorge der Stimmbevölkerung um den Erhalt preisgünstigen Wohnraums zum Ausdruck gebracht, weiss auch Stadtentwickler Lukas Ott.

Der knappe Wohnraum zählt zu den zentralen Herausforderungen im Kanton. Die erhöhte Bautätigkeit trage nun aber zur Entspannung bei. Konkret sind 2018 im Kanton 807 neue Wohnnungen erstellt worden. Das ist mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts von 396 Logis. Das liegt in erster Linie an fünf grossen Überbauungen: Auf die Areale Magnolienpark, Rosentalstrasse, Belforterstrasse, Schoren und Maiengasse entfielen zusammen über die Hälfte der neu erstellten Wohnungen.

Geografisch zeigt sich folgendes Bild: Zwei von drei Wohnungen sind 2018 im Grossbasel gebaut worden; 29 Prozent wurden im Kleinbasel erstellt, die restlichen vier Prozent in Riehen und Bettingen. Im Zehn-Jahres-Vergleich ist der Durchschnitt an Neubauten von 378 auf 438 Einheiten angestiegen.

Wenig geändert hat sich an der Grösse der neu erstellten Wohnungen: Laut der Kantonsstatistik verfügen wie im Vorjahr 36 Prozent der Neubauwohnungen über drei Zimmer. 26 Prozent (Vorjahr: 23) der neuen Wohnungen haben zwei und 25 Prozent (28) vier Zimmer. Die Wohnfläche einer Neubauwohnung betrug im Schnitt 90 Quadratmeter. Im Vorjahr waren es 94 Quadratmeter.

Quelle: Statistisches Amt BS

Quelle: Statistisches Amt BS

Viele Genossenschaftswohnungen

Vor allem ist in Basel im vergangenen Jahr aber auch viel günstiger Wohnraum erstellt worden – auch dies kommt den Wohn-Initiativen entgegen. So sei mit gut einem Fünftel ein «auffällig hoher Anteil» der neuen Logis auf Genossenschaftswohnungen entfallen. 2017 war es allerdings sogar noch jede dritte Neubauwohnung gewesen. Dies sei vor allem auch dank der gezielten Abgabe des Kantons von Land im Baurecht möglich gewesen, betont das Präsidialdepartement in seiner gestrigen Mitteilung. Demnach kann auch in den kommenden Jahren mit einem Zuwachs gerechnet werden, wird auf Entwicklungsgebiete wie VoltaNord oder die Areale auf dem Dreispitz und dem Wolf verweisen.

Allein auf Boden des Kantons seien in den vergangenen Jahren rund 300 neue Genossenschaftswohnungen fertiggestellt worden, weitere 1200 seien in Bau oder Planung. «Der Kanton ist damit ein wichtiger Partner der Wohnbaugenossenschaften», betont der Kanton. Parallel zum Kanton seien 21 Prozent der Genossenschaftswohnungen von einer Wohnbaugenossenschaft in Auftrag gegeben worden. Bei 30 Prozent war der Auftraggeber ein Unternehmen aus der Immobilienbranche und bei 20 Prozent eine Versicherungsgesellschaft.

Um die Wohnungsknappheit zu bewältigen, sollen aber nicht nur neue Wohnungen erstellt werden. Mit dem neuen Wohnraumfördergesetz will die Regierung auch den Wohnschutz verstärken. Heisst konkret: Künftig sollen baubewilligungspflichtige Sanierungen, Umbauten oder Abbrüche von günstigen Mietwohnungen grundsätzlich nur bewilligt werden, wenn sich die damit verbundenen Mietzinserhöhungen in einem vorgegebenen Rahmen bewegen.

Schweizweit hoher Leerstand

Schweizweit ebbt der Nachfrageboom nach neuem Wohnraum schon seit Jahren ab. Dennoch wird weiter gebaut, als ob es kein Morgen gäbe. Die Folge: Der Anteil an leeren Wohnungen am Gesamtwohnungsbestand steigt immer schneller. Im vergangenen September hatte das Bundesamt für Statistik sogar den höchsten Leerstand seit 20 Jahren verkündet: 72'294 Wohnungen waren zu diesem Zeitpunkt unbewohnt. Die Leerstandsziffer nähert sich damit allmählich der Zwei-Prozent-Schwelle, die oft als Vorbotin einer platzenden Immobilienblase interpretiert wird.

Dabei präsentiert sich die Lage auf dem Immobilienmarkt allerdings regional sehr unterschiedlich. Der Leerstand steigt vor allem in den ländlichen Regionen der Schweiz. Am meisten ungenutzter Wohnraum gibts in den Mittellandkantonen Aargau und Solothurn. Auch in der Ostschweiz und im Tessin stehen überdurchschnittlich viele Wohnungen leer. Städtische Regionen wie Zürich, Bern, Basel, Genf und Lausanne bleiben dagegen notorisch von Wohnungsmangel geplagt.