Traditionsgemäss rufen die Bürgergemeinden im Frühling zur freiwilligen Fronarbeit im Wald auf - und das Volk strömt in Scharen herbei, um Wege zu unterhalten, nach Rodungen Kleinholz wegzuräumen, dem Jungwuchs Platz zu machen, Feuerstellen herzurichten und Abfall zu entfernen.

Fron – das klingt wie finsteres Mittelalter und erinnert ein bisschen an Sklavenarbeit. Doch die Bürgergemeinden verwenden das Wort noch. 

«Es kommt querbeet alles, vom Kind bis zur Grossmutter», sagt Stephan Kink, Bürgergemeinde-Präsident in Arlesheim. Dort packen an zwei Frontagen pro Frühling jeweils 70 Freiwillige an, Tendenz steigend.

«Die Leute sind sehr motiviert», sagt Kink. «Chrampfen» stehe nicht im Mittelpunkt, «jeder macht so viel, wie er will.» Und niemand schimpfe, wenn jemand mal nichts tue. Trotzdem kommt beträchtlich Arbeitsleistung zusammen. «Würden wir Waldarbeiter anstellen, müssten wir exorbitant viel ausgeben», sagt Kink.

Wissen vermitteln

Der Reinacher Bürgergemeindepräsident Peter J. Meier macht eine simple Rechnung: «Bücken sich hundert Leute, um einen Ast aufzuheben, sind danach hundert Äste weg.»

Er erinnert sich an verregnete Arbeitstage, bei denen wider Erwarten 60 Leute kamen «und voller Freude arbeiteten».

An die alljährliche «Waldputzete» in Reinach kommen um die 80 Helfer. Als Meier vor 23 Jahren sein Amt antrat, waren es nicht mehr als 40. In Arlesheim war die Tradition der Frontage vor 30 Jahren ganz eingeschlafen.

Angesichts der Arbeitsleistung der Freiwilligen sind die Znünis und die Mittagessen inklusive Wein, die die Bürgergemeinden spendieren, gut investiertes Geld. Gearbeitet wird meist nur am Morgen.

Der Nachmittag gehört dann dem gemütlichen Zusammensein. Als Lohn gibt es manchmal zusätzlich einen Bon für einen Weihnachtsbaum im Dezember. «Und alle habe einen Tag lang den Plausch», sagt Kink.

Verständnis für die Waldarbeit soll geweckt werden

Ein aufgeräumter Wald ist aber nur eines der Ziele, die die Bürgergemeinden mit den Frontagen erreichen wollen. «Gleichzeitig wecken wir Verständnis für die Waldarbeit», sagt Kink. «Es gibt immer gute Gespräche.» So zeigen die Waldarbeiter ihre alltägliche Arbeit, oft ist ein Jäger da.

Mitten im Wald spricht man komplexe Themen an, etwa das Wiederansiedeln von Rehen oder Nutzungskonflikte im Wald. Die Fronarbeiter sieht Meier als «Fahnenträger», die Wissen über den Wald nach aussen tragen. «Gerade bei Kindern ist das sehr wichtig», sagt auch Kink.

Lange hätten die Bürgergemeinden vernachlässigt zu kommunizieren, wie sie den Wald pflegten. Das habe sich unter anderem Dank der Frontage geändert, sagt Meier. «Kaum jemand schreit mehr ‹Baummörder!›, wenn ein Baum umgelegt wird.»

Einsatz ohne Verpflichtung

Vereine und Gemeinden klagen über mangelndes Engagement aus der Bevölkerung. Da liegen die Bürgergemeinden mit ihren Frontagen quer zum Trend. Kink und Meier haben dafür dieselbe Erklärung: Jeder könne an Frontagen spontan und ohne Verpflichtung anpacken, ohne Vereinsmitglied sein zu müssen.