Am Kantonsspital Baselland (KSBL) dominiert zurzeit vor allem etwas: Verunsicherung. Auch wenn die Führungsriege mit Hochdruck an der Umsetzung der Fusion mit dem Universitätsspital Basel (USB) arbeitet, befindet sich alles in der Schwebe. Erst der Volksentscheid vom 10. Februar 2019 schafft Gewissheit.

Für den laufenden Betrieb ist das Gift. Trotz des Versprechens von CEO Jürg Aebi, dass es zu keinen Kündigungen kommen wird, fragt sich jeder Angestellte, wo sein Platz im neuen Universitätsspital Nordwest sein wird.

Schon Mitte Oktober versuchten Aebi und sein USB-Pendant Werner Kübler, mit einer Mitarbeiter-Broschüre Gegensteuer zu geben. Darin steht unter anderem: «Leitenden Ärzten sowie Kader- und Spezialärzten wird ein Besitzstand des Titels und entsprechender ärztlicher Aufgaben garantiert». Doch das scheint nicht zu genügen, um die Verunsicherung zu nehmen – vor allem bei der Ärzteschaft.

Ärzte «heimlich degradiert»?

Mehrere Kaderärzte des KSBL wandten sich mit einem Schreiben anonym an die «Schweiz am Wochenende». Darin steht: «Im KSBL wurden die Co-Chefärzte, stellvertretenden Chefärzte und alle Leitenden Ärzte ohne Vor- oder Nachinformation bereits im Juni 2018 heimlich degradiert.»

Belegt wird dieser Vorwurf mit einer Liste, die im Juni im Intranet des Spitals publiziert worden war. Sie teilt das Kader in Oberes, Mittleres und Unteres Kader ein. Auf Ärzteseite gehören demnach nur Chefärzte zum Oberen Kader, ihre Stellvertreter sowie Leitende Ärzte zum Mittleren und Oberärzte zum Unteren.

Da es vor dem 1. Juni keine vergleichbare Liste gab, rührt der Vorwurf der Degradierung hauptsächlich aus dem Vergleich mit den Kader-Angestellten des nichtärztlichen Bereichs, die ebenfalls aufgelistet sind. «Funktionen im nichtärztlichen Oberen Kader sind förmlich explodiert», heisst es im Schreiben.

Tatsächlich fällt auf: Die Liste ist dort wesentlich länger. Unter anderem gehören die Leiter Kommunikation, Pflegedienst, Pharmazie, Rettungsdienst, Hauswirtschaft, Logistik, Support oder auch der Zentralwäscherei zum Oberen Kader.

Für KSBL-CEO Aebi ist der Fall klar: «Es geht hier auch um den Stolz der Ärzte. Dies wurde mir auch so mitgeteilt. Sie können nicht akzeptieren, dass etwa der Leiter des Rettungsdienstes im Unternehmensorganigramm über einem Leitenden Arzt steht. Dabei führt Ersterer ein Team von über 40 Mitarbeitenden gegenüber vielleicht fünf bis zehn beim Leitenden Arzt.»

Vor allem aber betont Aebi, dass die Liste keinerlei Auswirkungen auf die Anstellungsbedingungen der Kaderärzte habe: «Wir haben absolut nichts geändert, keine Kaderstufe, keinen Vertrag und natürlich auch keine Löhne.»

Die Liste sei einzig und allein erstellt worden, um in Abstimmung mit dem Unispital festzulegen, welche Angestellten an bestimmte Kaderanlässe zum Thema Spitalgruppe eingeladen werden und welche nicht. «Ich verstehe wirklich nicht, wie das überhaupt zum Problem werden konnte», sagt Aebi.

Er ist überzeugt, dass die Kritik nur von wenigen Kaderärzten stammt. Er habe vergangene Woche an einer speziell einberufenen Sitzung die Unzufriedenen dazu aufgerufen, die Mängel konkret zu benennen. «Doch bis jetzt habe ich nichts gehört.»

Angst vor weiteren Abgängen

Die Ärzteschaft selbst hält sich bedeckt. Hinter vorgehaltener Hand fällt immer wieder das Stichwort «fehlende Wertschätzung». Die Spitalverwaltung werde im Vergleich zum Medizinischen immer stärker gewichtet.

Zwischen den Fronten steht Rolf Hügli. Der Ärztliche Leiter des KSBL bittet um Verständnis für die Reaktion gewisser Ärzte: «Dass der Wandel im Rahmen der Spitalfusion zu Unsicherheiten führt, ist klar.» Hüglis Hoffnung ist, «dass wir die Leute wieder beruhigen können». Denn: «Es ist mir ein grosses Anliegen, dass wir unsere Kaderärzte bei uns halten und zum Unispital Nordwest mitnehmen können.» Eine hohe Fluktuation sei nicht erstrebenswert. Damit spricht Hügli indirekt die Abgänge an, die bereits stattgefunden haben und über die auch diese Zeitung mehrfach berichtete.

Für Hügli ist das Problem mit der Kaderstufenliste übrigens «noch nicht gelöst». An der letzten Chefärztekonferenz sei der Wunsch bei Aebi platziert worden, er möge den Vergleich mit dem USB transparent machen. «Sehen die Ärzte, dass es dort gleich gehandhabt wird, könnte das zur Beruhigung beitragen.» Dieser Vergleich liege aber noch nicht vor.

Vergleich mit Unispital unmöglich

Das wird auch kaum möglich sein. «Die Systematik Oberes, Mittleres, Unteres Kader wird im USB nicht angewendet», schreibt USB-Sprecher Thomas Pfluger auf Anfrage. Die Differenzierung auf dem «Arbeitspapier» sei nur beim KSBL gemacht worden, um zwischen Leitenden Ärzten mit Führungs- und jenen mit blosser Fachverantwortung zu unterscheiden. Nur Erstere seien zum letzten Kaderanlass zur Spitalgruppe eingeladen worden. Am USB hingegen gebe es viel weniger Leitende Ärzte ohne Führungsverantwortung und zum Anlass seien von Seiten Unispital sowieso bloss Chefärzte eingeladen worden.

Dass die KSBL-Ärzte einen Vergleich mit dem USB fordern, zeigt einmal mehr, wie gross die Angst ist, von den Basler Kollegen dominiert zu werden. Wie die «Schweiz am Wochenende» weiss, haben einige Leitende Ärzte sogar beantragt, zu Chefärzten befördert zu werden, um auf Augenhöhe mit den Unispital-Chefärzten diskutieren zu können. Dies allerdings ohne Erfolg.

Für Hügli ist es denn auch entscheidend, dass die beiden Spitalchefs Aebi und Kübler ihr Versprechen halten und der Besitzstand für Kaderärzte nach der Fusion garantiert ist: «Es muss mit gleich langen Ellen gemessen werden.»

Vielleicht kann auch Folgendes die Verunsicherung am Kantonsspital etwas dämmen: Laut Pfluger wird demnächst ein Anlass zur Spitalgruppe durchgeführt, an dem sämtliche Leitende Ärzte von USB und KSBL teilnehmen dürfen – egal, ob Oberes, Mittleres oder Unteres Kader.