Man schrieb den 13. Februar 2015, und eigentlich war die ganze Geschichte furchtbar banal. An einer Tankstelle in Pratteln ging es dem wartenden Automobilisten nicht schnell genug. Ein tankender Lastwagenfahrer versperrte die Zufahrt zur nächsten freien Zapfsäule. Also überholte der Ungeduldige kurzerhand, überforderte damit sein eigenes Augenmass und überfuhr den rechten Fuss des Lastwagenchauffeurs. Für dicke Luft inmitten der Dieselschwaden an der Tankstelle war anschliessend gesorgt, da der Automobilist dem Lastwagenfahrer die Schuld für den Vorfall zuschob. Die Polizei musste anrücken, um dem Streit ein Ende zu setzen.

Jetzt hätte der Tankstellen-Rowdy Einsicht walten lassen können und sich mit der Busse abfinden, welche ihm die Baselbieter Staatsanwaltschaft (Stawa) 18 Monate später per Strafbefehl wegen mehrfacher einfacher Verkehrsregelverletzung und fahrlässiger Körperverletzung aufbrummte. Doch das tat er nicht. Stattdessen fuhr der Gebüsste schweres juristisches Geschütz auf.

Zum einen erhob er Einsprache gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft. Zum anderen reichte er je eine Strafanzeige gegen den Lastwagenfahrer wegen falscher Zeugenaussage und Sachbeschädigung sowie gegen den ermittelnden Polizisten wegen Irreführung der Justiz ein. Für die Baselbieter Stawa war dies die typische, unhaltbare Retourkutsche eines Wutbürgers, weshalb sie die beiden Strafverfahren nicht einmal eröffnen wollte.

Doch auch mit dieser Nichtanhandnahme gerieten die Staatsdiener an den Falschen: Prompt reichte der Mann, der sich nun endgültig als Justizopfer empfand, Beschwerde beim Kantonsgericht ein. Erneut blitzte er mit seinen Argumenten ab, die Baselbieter Kantonsrichter fanden keinen Grund für die Berechtigung solcher Strafanzeigen.

Letzter Akt des grossen Dramas im Kleinen: Auch das Bundesgericht in Lausanne bremst den Fuss-Überfahrer aus. Zu wenig stichhaltig kommt die Begründung für dessen finalen juristischen Weiterzug daher, wie aus einem vergangene Woche publizierten Urteil hervorgeht. Insbesondere halten die Bundesrichter den Vorwurf für absurd, dass Baselbieter Staatsanwaltschaft und Kantonsgericht ihm entlastendes Videomaterial der Überwachungskamera unterschlagen haben sollen, während sie den Rest des Films ausgiebig auswerteten und im Verfahren berücksichtigten.

Nach zweieinhalbjähriger, erfolgreich-erfolgloser Beschäftigungstherapie aller Instanzen bleiben dem Autofahrer, neben der Bitterkeit, 1200 Franken Verfahrenskosten für den Weiterzug ans Bundesgericht. Selbst sein Antrag auf kostenloses Verfahren wurde abgeschmettert – wegen der Aussichtslosigkeit der Einsprachen. (bos)