Immer seltener sind Zählerableser zu sehen. Ab sofort kommen sie bei den 50'000 Kunden in den 59 Gemeinden, welche die Liestaler Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) mit Energie versorgt, nur noch einmal pro Jahr vorbei anstatt dreimal.

«Die jährliche Ablesung ist mittlerweile marktüblich», sagt Joel Hammer. Laut dem Leiter Energieverrechnung der EBL ist dieser Wunsch nicht nur von ihnen gekommen, sondern auch von Kunden. «Diese haben immer wieder gefragt: ‹Weshalb stellt die EBL nicht um, wie das andere auch tun? Es macht doch keinen Sinn, dreimal im Jahr Ableser hinauszuschicken.›»

Die Elektra Baselland spart dadurch Kosten. Neben weniger Ablesungen reduziert sich der Aufwand für Porto, Druck und Verpackung. Künftig erhalten die Kunden statt sechs noch vier Fakturen pro Jahr, eine mit der Jahresabrechnung und den üblichen Details sowie drei Akonto-Rechnungen. Mieterwechsel und ausserordentliche Ablesungen werden im bisherigen Rahmen anfallen. Die Umstellung hat auch personelle Folgen: Von den derzeit vier Ablesern werden zwei pensioniert – einer im Sommer, der andere in zwei Jahren. Für diese natürlichen Abgänge ist kein direkter Ersatz vorgesehen.

Nicht nur Vorteile

Defekte bei Stromzählern oder Steuergeräten können bei bloss einer Ablesung pro Jahr je nach Situation erst viel später festgestellt werden. Mit diesen Konsequenzen müssten sie leben, sagt Hammer, schränkt aber ein: «Das sind sehr wenige Fälle im Jahr, wir reden hier von einem Promillebereich.» Wichtig sei, dass sie mit den Kunden gut kommunizierten und ihnen bei möglichen Schätzwerten entgegenkämen. «Wir werden jeden Einzelfall separat anschauen», verspricht der Leiter Energieverrechnung.

Auch können die Kunden mit dem neuen Modus den Stromverbrauch während der einzelnen Jahreszeiten – Sommer- mit Sommermonaten oder Winter- mit Wintermonaten – nicht mehr vergleichen. Gemäss Joel Hammer ist die jährliche Ablesung nur eine Übergangslösung.

Sobald Smart-Meter flächendeckend im Einsatz sind, dürfte die EBL auf eine monatliche, quartalsweise oder halbjährliche Abrechnung umstellen. Der Bund gibt vor, dass bis 2028 mindestens 80 Prozent der Zähler einem Smart-Meter weichen müssen.

Seit drei Jahren beschäftigt

Das Prozedere mit der jährlichen Ablesung erfolgt gestaffelt im ganzen Versorgungsgebiet und dauert fünf Monate, von Juni bis Oktober. Es betrifft alle Kundengruppen. Ausgenommen sind Grossbezüger, bei denen monatlich abgelesen wird und die den Strom vom freien Markt beziehen, Leistungszähler mit einer bestimmten Grösse und Photovoltaik-Anlagen, die quartalsweise abgerechnet werden. Die Dorfgenossenschaften Augst, Maisprach, Reigoldswil und Sissach sind autonom und fakturieren selber. Der operative Betrieb der Elektra Itingen ging Anfang 2017 auf die Elektra Baselland über.

Dass die EBL im Vergleich zu anderen Energielieferanten erst jetzt die jährliche Ablesung einführt, hat einen Grund. Sie hat seit gut zwei Jahren ein neues Abrechnungssystem im Einsatz; beim vorigen wäre es eine grössere technische Herausforderung gewesen. «Die Umstellung auf die jährliche Ablesung hat uns die vergangenen drei Jahre beschäftigt. Zwei grosse Projekte im selben Zeitraum wären zu heikel gewesen», erklärt EBL-Finanzchef Alain Jourdan.