Im Oktober wurde an der Burgfelderstrasse in Basel ein 28-Jähriger auf dem Fussgängerstreifen von einer überholenden Automobilistin tödlich verletzt. Anfang Dezember wurde in Gelterkinden eine Mutter mit Kindern auf dem Fussgängerstreifen angefahren. Schweizweit ereigneten sich in den letzten Tagen eine Reihe ähnlicher Unfälle – immer auf Fussgängerstreifen. Im Baselbiet stieg die Zahl nach Auskunft der Polizei im Jahr 2010 gegenüber 2009 um 17Prozent auf 35. «Unfallschwerpunkte sind jedoch nicht auszumachen», erklärt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Angesichts der gegen 400 Fussgängerstreifen und der vielen Fahrzeuge lägen diese Unfallzahlen «auf einem gewiss tiefen Niveau.»

Hälfte entspricht nicht der Norm

Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin VCS beider Basel stellt fest: «Wir hatten Kantonsvertreter an einer Veranstaltung zur Fussgängersicherheit. Sie bestätigten, dass im Baselbiet – wie auch im Rest der Schweiz – die Hälfte der Fussgängerstreifen nicht der Norm entsprechen.» Das Bewusstsein wäre also vorhanden. Doch saniere der Kanton Fussgängerstreifen jeweils dann, wenn auch andere Arbeiten am entsprechenden Strassenabschnitt anstehen. «Dies ist aus Sicht der Sicherheit unbefriedigend.»

Dies treffe nur zu, wenn es um grössere Umbauten wie eine Mittelinsel geht, erklärt dagegen Roland Roth, Leiter der Abteilung Verkehr im Tiefbauamt. Man sei daran, die Zebrastreifen auf Kantonsstrassen auf vier Meter zu verbreitern. Ebenso verbessere der Kanton seit 2008 bei jährlich rund 50Fussgängerstreifen die Beleuchtung, indem man wo immer möglich die Strasse von beiden Seiten beleuchte. Dies soll bis 2016 abgeschlossen sein. «Wo grundsätzliche Probleme vorliegen, etwa eine zu kurze Sicht-Distanz, bauen wir auch Ampeln ein.» Jüngstes Beispiel sei der Übergang bei der Post in Thürnen.

Inseln und Beleuchtung

Beleuchtung und Mittelinsel nennen sowohl TCS als auch VCS als die beiden wichtigsten Möglichkeiten, die Sicherheit auf Fussgängerstreifen zu steigern: «Die Grosszahl der Unfälle passiert auf der zweiten Hälfte der Fahrbahn», berichten Fuchs vom VCS und Roland Studer, technischer Leiter des TCS-Center Füllinsdorf, übereinstimmend. Eine Mittelinsel würde ermöglichen, in der Mitte stehen zu bleiben. «Zudem würde Fehlverhalten wie das Überholen vor Fussgängerstreifen verhindert», meint Fuchs. Oft sei jedoch die Strasse zu schmal, als dass man eine Mittelinsel bauen könnte.

«Gerade wo Fussgängerstreifen durch Ampeln gesichert sind, sind sie oft nicht speziell beleuchtet», berichtet Studer. Wenn dann die Ampel auf Blinklicht umgestellt ist, seien Fussgänger für die Automobilisten nur schwer erkennbar. «Früher waren Fussgänger oft durch Lampen, die wie ein Galgen über die Strasse ragten, speziell beleuchtet», erinnert er sich. Und Fuchs verweist darauf, dass solche Lampen in Weil am Rhein noch in Betrieb seien.

Gestaltung ersetzt Verhalten nicht

Auch wenn alle Möglichkeiten einer optimalen Platzierung und Gestaltung eines Fussgängerstreifens ausgeschöpft sind, bleibt das richtige Verhalten entscheidend: «Häufig wird das Vortrittsrecht der Fussgänger missachtet. Dabei gilt es uneingeschränkt und auch Velofahrer müssten dies respektieren.» Und Gilbert Davet, als Bauverwalter Münchensteins für die Gemeindestrassen zuständig, weist darauf hin: «Bei Nacht und Regen ist es als Fussgänger nicht angebracht, dunkle Kleider zu tragen.»